Havelberg. Mit herrlicher Klaviermusik von Beethoven und Liszt erfreute Alexander Meinel aus Leipzig am Sonntag die Gäste des Rathauskonzertes. Er war zum vierten Mal in Havelberg, "weil ihm die Atmosphäre so gut gefällt".

Zu Beginn des Konzertes erklang die bekannte "Mondscheinsonate", wobei der Beiname nicht von Beethoven stammt. Die sangbare Melodie des 1. Satzes war derartig zart mit leicht dynamischen Unterschieden versehen, dass wahrscheinlich daher die Bezeichnung kam. Der krasse Gegensatz war im Schlussteil um so gravierender, mit Kraft und perlenden Läufen vorgetragen.

Die "Lebewohl-Sonate" interpretierte der Künstler ebenfalls perfekt. Die drei Teile "Das Lebewohl", "Abwesenheit" und "Das Wiedersehen" entsprachen völlig der Inhaltsvorgabe. Gegensätzliche Gefühle von Sehnsucht und Schwermut bis zur überschäumenden Freude des Wiedersehens kennzeichneten das Spiel von Alexander Meinel.

Nach der Pause stand das Konzert ganz im Zeichen des 200. Geburtstages vom ungarisch-deutschen Musiker Franz Liszt (1811 bis 886). Gedachte man 2010 der 200. Geburtstage von Frederic Chopin und Robert Schumann, wird in diesem Jahr Franz Liszt geehrt. Zu seinen Lebzeiten galt er als weltbester Pianist und war gefeierter Komponist. Zu Beginn erklang der "Liebestraum" mit unendlicher Zartheit, leise, verspielt, aber mit eleganten Läufen. Zwei Opernlieder von Richard Wagner in der Klavierbearbeitung durch Franz Liszt hörten sich schwermütig und getragen an. Als Höhepunkt der Liszt-Ehrung hatte sich Alexander Meinel den Mephisto-Walzer aufgehoben. Was dabei für ein Feuerwerk entbrannte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Teuflisch-satanisch, ja sogar dämonisch wirkte dieser Walzer mit einer Perfektion, die ihresgleichen sucht. Es war Faszination pur!

Die Zuhörer kamen aus dem Staunen und der Begeisterung nicht heraus. Kein Wunder, dass Alexander Meinel in Leipzig, in mehreren Ländern Europas und Asiens schon Meisterkurse leitete.

So einen Meisterpianisten mit derartigem brillanten Spiel entlässt man erst nach drei Zugaben.