In Klötze-Nord verzeichnen die Anwohner seit Jahren einen Anstieg des Nitratgehalts in ihrem Brunnenwasser. Ursache hierfür könnten Gülle und verregnete Abwässer sein.

Klötze l Die Wohnsiedlung in Klötze-Nord ist umgeben von Ackerflächen. Eigentlich wirkt alles recht idyllisch. Doch hier ist längst nicht alles in Ordnung, wie ein Anwohner sagt: "Seit vier Jahren steigt der Nitratgehalt in unserem Brunnenwasser immer weiter an." Der Mann aus Klötze-Nord möchte auf eigenen Wunsch anonym bleiben (sein Name ist der Redaktion bekannt). Er legte der Volksstimme die Ergebnisse von vier Wasseranalysen aus den Jahren 1999 bis 2013 vor. Aus diesen lässt sich erkennen, dass der Nitratgehalt des Wassers, das aus einem Brunnen in der Siedlung gefördert wurde, in diesem Zeitraum deutlich angestiegen ist.

Nitrat ist meist in landwirtschaftlichen Düngern sowie in Gülle enthalten. Es versorgt Pflanzen mit Stickstoff. Während Nitrat der Pflanze beim Wachsen hilft, kann es für den Menschen gefährlich sein: Im Körper kann sich Nitrat in Nitrit umwandeln. Dieses wiederum kann bewirken, dass Sauerstoff im Blut gebunden und so nicht mehr an die Zellen abgegeben wird.

Nitratgehalt ist dreimal höher als vorgesehen

Entsprechend der bundesweit gültigen Trinkwasserverordnung beträgt der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser 50 Milligramm pro Liter. In Klötze- Nord wurde für das Brunnenwasser im Mai des vergangenen Jahres ein Wert von knapp 144 Milligramm ermittelt. Das Wasser ist nicht mehr zum Waschen von Wäsche geeignet, außerdem sollte auch kein Planschbecken damit befüllt werden, heißt es in der schriftlichen Auswertung der Analyse. Wichtiger noch: Spinat, Salat oder Rote Bete sollten nur eingeschränkt mit dem Brunnenwasser gegossen werden, da sich das im Wasser enthaltene Nitrat verstärkt in den Pflanzen ansammeln könnte.

Erstellt hat die Analyse der Verein VSR-Gewässerschutz aus dem nordrhein-westfälischen Geldern. Die Mitarbeiter des Vereins untersuchen im Auftrag von Privatpersonen unter anderem bundesweit Grundwasserproben. In den Jahren 2009 bis 2011 wurden in Klötze 75 Wasserproben untersucht, teilt der Vorsitzende des VSR-Gewässerschutz, Harald Gülzow, mit. Für drei Viertel aller Proben wurde dabei ein Nitratgehalt von maximal 50 Milligramm pro Liter oder weniger ermittelt. Bei den übrigen Proben wurde der zulässige Höchstwert überschritten, in acht Prozent der Fälle lag der Anteil zwischen 100 und 200 Milligramm.

Im Jahr 2009 war der Grenzwert im Brunnenwasser in Klötze-Nord mit 60 Milligramm pro Liter schon knapp überschritten. Zwei Jahre später, im Oktober 2011, hat sich der Nitratgehalt mit 118 Milligramm pro Liter fast verdoppelt. Bis zum Mai 2013 stieg dieser Wert laut Wasseranalyse auf 143,6 Milligramm an. Zum Vergleich: Noch im Jahr 1999 wurde ein Nitratgehalt im selben Brunnen von 20,89 Milligramm pro Liter ermittelt.

Für den Anwohner aus Klötze-Nord hängt dieser Anstieg klar mit der Verregnung von gereinigten Abwässern zusammen. "Auf den Äckern wird dickflüssige Gülle aufgebracht, die dann drei- bis viermal im Jahr mit Wasser aus dem Klärwerk in Immekath berieselt wird. Und das ist nicht wenig Wasser", erklärt der Mann. Früher, so erzählt er weiter, sei auch Gülle auf den Böden verteilt worden. Diese sei allerdings nicht beregnet worden. "Durch das Wasser wird das Nitrat aus der Gülle in den Boden gespült", ist sich der Anwohner sicher.

Wasserverband: Es werden gereinigte Abwässer verregnet

In Klötze-Nord werde gereinigtes Klärwasser auf den Äckern verregnet, bestätigt Detlef Bock, Technischer Leiter beim Wasserverband Klötze. "Von Mitte Mai bis Mitte September verregnen wir, also genau dann, wenn die Pflanzen es brauchen", sagt Bock und ergänzt: "Maximal werden 20 Millimeter Wasser pro Quadratmeter aufgebracht." Die Regenmaschinen würden das Wasser gleichmäßig auf den Flächen in Klötze-Nord verteilen. Bezüglich der Qualität des Klärwassers gebe es nach Aussage von Detlef Bock ebenfalls keine Bedenken: "Es ist das gleiche Wasser wie in der Jeetze oder Purnitz".

Überschüssiges Nitrat in der Gülle, das nicht von den Pflanzen gebraucht wird, kann durchaus vom Wasser ausgespült werden, erklärt Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz. "Das Nitrat wandert dann immer weiter in den Boden", sagt Gülzow. So lasse sich der Anstieg der Nitratwerte in Klötze-Nord erklären. "Oberflächenbrunnen sind meist zwischen sieben und zehn Meter tief. Es dauert einige Monate bis zu einem Jahr, bis das Nitrat in diese Tiefe vordringt", schätzt Harald Gülzow. Der Brunnen, von dem die Proben stammen, reiche 13 Meter tief.

Den Anwohnern rät Gülzow, das nitrathaltige Wasser trotzdem hochzupumpen: "Pflanzen, die nicht verzehrt werden, können gut damit gegossen werden." Auf diese Weise sei eine Reinigung des Grundwassers vom Nitrat möglich.

Der Altmarkkreis Salzwedel sieht keinen Handlungsbedarf, wie Sprecherin Birgit Eurich schriftlich mitteilte: "Eine Sanierung von Grundwasser allein wegen erhöhter Nitratwerte erfolgt nicht."