Der Jahrstedter Alexander Schmidt ist mit seinen 18 Jahren das jüngste Mitglied eines Gemeindekirchenrates der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Im Gespräch mit der Volksstimme berichtet er, wie er zum Glauben kam und welche Ziele er mit seiner Kirchenarbeit verfolgt.

Jahrstedt l Eigentlich hatte Alexander Schmidt nichts mit der Kirche am Hut. Zwar ist er von seinen Eltern kirchlich erzogen worden, getauft und konfirmiert. "Aber bis zur Konfirmation war Kirche eher ein Zwang für mich, weil die Eltern es so wollten", erzählt der Schüler, der die 12. Klasse des Beetzendorfer Gymnasiums besucht.

Irgendwann fing Alexander Schmidt dann an, über die Bibel nachzudenken und in ihr zu lesen. "Ich sagte mir, irgendwas muss ja dran sein am Glauben", berichtet der Jahrstedter. Es folgten viele Gespräche mit Menschen aus seiner Umgebung, die er für überzeugte Christen hielt, die auf ihn auch authentisch wirkten. Die Gemeindepädagogen Brigitte Schattenberg und Martin Zander sowie Kreisjugendreferent Volker Holtmeier zählt er auf. "Ich merkte, es macht Spaß in der kirchlichen Gemeinschaft, wenn man sich darauf einlässt", erinnert sich der Schüler. Sein Interesse an der Kirche wuchs. "Okay, ich kann es ja mal versuchen", sagte er sich. "Vor rund zwei Jahren hat es dann klick gemacht."

Alexander Schmidt begann zu beten. "Ich spürte, wie der Glaube mir Sicherheit im Alltag gibt, mehr Selbstvertrauen." Das war auch bei ganz praktischen Dingen so. Er ging gelassener in Prüfungen, blieb ruhig beim Kennenlernen neuer Leute, wobei er sonst ziemlich aufgeregt war. Auch beim Start in einen neuen Ferienjob war es nicht anders. "Ich sagte mir, das ist neu für mich, aber Gott ist bei mir. Dann bekomme ich das hin. Und so war es auch", erinnert sich der sympathische junge Mann. Erleichtert hat ihm sein Glaube auch das erste Treffen mit den Eltern seiner Freundin: Er blieb gelassener als es sonst der Fall war.

Heute sagt Alexander Schulz das kirchliche Glaubensbekenntnis, das für ihn bei seiner Konfirmation nur ein Spruch war, aus voller Überzeugung auf. "Weil ich es wirklich glaube und danach leben möchte", begründet der Jahrstedter.

Glaube stößt nicht überall auf Gegenliebe

Doch mit seinem Glauben stößt Alexander Schmidt nicht überall auf Gegenliebe. "Ich spüre bei anderen unangenehm oft Konflikte im Verhältnis zur Kirche", berichtet er. "Auffällig ist dann die Abneigung gegenüber der Kirche." Argumente wie die Inquisition im Mittelalter, die Kirchensteuer oder der Glaube an Übernatürliches, der abgelehnt wird, bekommt er dann meist zu hören.

Doch Alexander hat Wege gefunden, auch damit umzugehen. Er sagt seinem Gegenüber dann: "Es ist nicht wichtig, ob Du Dich für Gott interessierst, sondern, dass Gott sich für Dich interessiert." Als Christ verhalte er sich anderen Menschen gegenüber sehr liberal, sagt er. Und: "Ich finde es schade, wenn Leute den Glauben nicht haben, aber ich fühle mich dadurch nicht beleidigt." Vielmehr versucht Alexander Schmidt, die Argumente der anderen zu entkräften.

Unterstützung erfährt er in seinem Glauben durch seine Freundin Linda Schulz, die selbst keiner Konfession angehört. "Sie findet es gut und ist fasziniert, dass ich diesen Glauben aufbringen kann", freut sich Alexander Schmidt. "Darüber bin ich sehr froh, denn das ist nicht selbstverständlich."

Seit Oktober ist Alexander nun das jüngste Mitglied eines Gemeindekirchenrates im Bereich der EKM, also in ganz Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Zuständig ist er dabei für den Bereich Steimke-Kunrau mit Jahrstedt und Böckwitz. Mit seiner Arbeit als Gemeindekirchenrat möchte er etwas bewegen und nicht nur zusehen. "Ich möchte die kirchliche Arbeit so beeinflussen, dass Kirche wieder attraktiv für junge Menschen wird", nennt er ein Ziel. "Die Kirche muss wieder eine Präsenz einnehmen, dass jeder Mensch sie wahrnimmt und darüber nachdenkt, was Kirche bedeutet, und darüber vielleicht selbst zum Glauben findet."

Kirche soll für Junge attraktiver werden

Dafür braucht es Konzepte. Das weiß Alexander Schmidt. Doch wie will er diese hehren Ziele erreichen? Selbst dafür hat der junge Mann sofort Vorschläge parat: "Ich wünschte mir, dass regelmäßige Jugendgottesdienste angeboten werden, die aufregend und spannend sind." Auch ein Public Viewing zur Fußballweltmeisterschaft ist eine seiner Ideen. Er glaubt, dass junge Familien neben ihrer Arbeit "nur eine kleine Schneise für die Freizeit haben". "Die Angebote der Kirche müssen deshalb so gestaltet werden, dass sich diese Familien entschließen, einen Teil ihrer wenigen Freizeit in der Kirche zu verbringen", sagt Alexander Schmidt. "Junge Menschen sollen erkennen, dass Kirche nicht schnöde ist, sondern Spaß machen kann."

Der Glaube hat Alexander Schmidt so stark beeinflusst, dass er seinen Berufswunsch in die christliche Richtung lenken möchte. Nach dem Abitur steht ein Freies soziales Jahr schon fest im Plan. "Danach möchte ich in Berlin Gemeindepädagogik studieren und mich ordinieren lassen." Das ist für ihn völlig klar. Sein Traum: "Religion in Schulen unterrichten, Jugendarbeit in der Kirche und Pfarrtätigkeiten wie Gottesdienste übernehmen", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Der Berufswunsch Lehrer für Geschichte und Sozialkunde ist damit passé.

All das hat Alexanders Mutter Silvia Bartels schon lange geahnt. Sie sagte zu ihm: "Ich wusste von Anfang an, dass Du mal in der Kirche arbeiten wirst."