Historische Mauern, Bunker und Keller erzählen vielerorts aus der Vergangenheit. Zwar kursieren nicht selten geheimnisvolle Geschichten über solche Orte, doch meist erfüllten sie einst einen eher banalen praktischen Zweck. Auch in Klötze sind noch einige Relikte zu sehen.

Klötze l Eines dieser fast vergessenen Bauwerke ist der gemauerte Durchlass in Höhe des Klötzer Waldbades. Wer ihn nicht kennt, sieht die fast zugewachsene Öffnung unter der Kakerbecker Chaussee nicht. Erst auf den zweiten Blick ist hinter dem Rotwildgehege im Tierpark ein Tunnel zu sehen, aus dem Wasser fließt.

Um seinen Zweck zu erklären, holt Ulrich Koppe etwas weiter aus. "Klötze liegt in einem Tal", erläutert der Stadtchronist. "Das hat zur Folge, dass bei starken Regenfällen das Wasser durch die natürlichen Gegebenheiten vom Zinnberg in Richtung Waldbad schießt und sich in den Graben neben den Becken ergießt." Der Graben erwecke einen harmlosen Eindruck, sagt Ulrich Koppe. "Doch das muss man erlebt haben. Richtige Sturzfluten haben das Bad bei Starkregen schon überschwemmt."

Um die Wassermassen zu bändigen, haben die damaligen Einwohner von Klötze die Natur beobachtet. Als sie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts die Kakerbecker Chaussee bauten, mauerten sie den großen Durchlass unter der Straße, der heute noch zu sehen ist. Durch diesen Tunnel wird das Wasser abgeleitet. "Was heute ein Durchlass ist, war damals nichts anderes als eine Brücke", erläutert Ulrich Koppe

Ein Wall half aus der Bredouille

1928 ist das Waldbad gebaut worden. Bei extremen Regenfällen gab es jedoch noch immer diese Überschwemmungen. Versuche, mit einer Natursteinmauer der Wassermassen Herr zu werden, schlugen fehl. In den 1980er Jahren stellten Meliorationsbauer aus Kusey Berechnungen an und errichteten einen Wall. Damit war die größte Gefahr gebannt.

Im Zweiten Weltkrieg ist der Tunnel auch als Schutz vor Bombenangriffen genutzt worden, weiß Schwimmmeister Roland Gille. Kriegsflüchtlinge aus den Behelfshäusern, die damals dort standen, suchten in dem Durchlass Schutz.

In Klötze gibt es laut Ulrich Koppe mehrere solcher alten Durchlässe, um das Regenwasser zu regulieren. Ein weiterer befindet sich auf dem Bahnhofsgelände.

Kaum sichtbar ist ein inzwischen zugemauerter Eingang am Zinnberg neben der Tennis-Anlage, der einst in einen unterirdischen Keller führte. In den 1930er Jahren traf sich die Hitlerjugend auf dem Hügel regelmäßig zum Sommerlager, weiß Ulrich Koppe zu berichten. Sie campierte in Zelten. Damit in der Wärme die Lebensmittel nicht verderben, wurde der Raum unter der Erde gebaut, um dort verderbliche Waren zu lagern. Der vermauerte Eingang zu diesem Versorgungsbereich ist zwischen Buschwerk noch zu sehen.

Ein weiteres Relikt aus der Historie von Klötze befindet sich an der Gardelegener Straße hinter der Tankstelle. Nur der Rest eines Mauerbogens von dem ehemaligen Eiskeller ragt noch aus dem Boden. Ein kleines Schild an einem Baum weist darauf hin, dass Fledermäuse jetzt dort ihr Quartier haben. "Im Winter ist das Wasser der Purnitz an der Neuschulzen Mühle angestaut worden", erklärt Ulrich Koppe. "War das Wasser gefroren, wurden Stücke herausgebrochen und in diesem Gewölbe gelagert." Gewerbetreibende und Privatleute konnten sich dann bei Bedarf das Eis holen und ihre Kühlschränke damit bestücken. Denn strombetriebene Kühlmöglichkeiten gab es damals noch nicht.

Eiskeller mit Eis aus Norwegen bestückt

Und das Eis muss äußerst wichtig gewesen sein, wie Ulrich Koppe der Chronik entnehmen konnte. Darin stand geschrieben, dass in einem sehr warmen Winter ersatzweise Eis aus Norwegen geholt werden musste.

Manfred Spaehn kennt den Eiskeller noch aus seiner Kindheit. "Mit kleinen Lkw sind sie bis direkt an das Tor gefahren, um Eis einzuladen", erinnert er sich. "Drei große Räume befinden sich in dem Gewölbe." Als Junge haben er und seine Freunde dort gespielt. Heute ist auch dieser Eingang versperrt.

   

Bilder