90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rohrberg. Das ist allemal ein Grund zum Feiern. Und genau deshalb fand am Freitag im Landgasthof Alter Bahnhof ein geselliges Beisammensein mit geladenen Gästen statt.

Rohrberg l Die Geschichte der Truppe reicht nachweislich sogar bis ins Jahr 1836 zurück, wie Wehrleiter Mathias Gose aus der Chronik berichtete. So gibt es einen Brief des Königlichen Landrates von Schulenburg an den damaligen Dorfschulzen, indem das Verhalten der Rohrberger Spritzenleute bei einem Einsatz in Dähre aufs Heftigste gerügt wird. Eine nächste frühe Erwähnung datiert aus dem Jahre 1905. Als am 3. April die Beetzendorfer Mühle brannte, eilten auch die Rohrberger zu Hilfe.

Die eigentliche Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rohrberg geschah am 21. April 1924 auf Initiative des Schmiedemeisters Hans Schmidt. 35 junge Männer folgten dem Aufruf. Die Notwendigkeit zur Schaffung einer Feuerwehr ergab sich beispielsweise aus der Feuersbrunst vom 4. September 1886, die den halben Ort in Schutt und Asche gelegt und das Hab und Gut von 27 Familien vernichtet hatte. Am 1. Januar 1926 war der Mannschaftsbestand bereits auf 84 Mann angewachsen.

Unachtsamkeit: 1963 stand eigenes Gerätehaus in Flammen

1928 bezog die Wehr ihr erstes Spritzenhaus auf dem heutigen Grundstück von Jens Jordan an der Breiten Straße. Ein Höhepunkt der Anfangsjahre war zudem der Verbandstag anno 1930.

1940 wurde die Wehr zur Polizeihilfstruppe umstrukturiert, der Krieg ließ seine Spuren erkennen und die ersten elf Kameraden wurden eingezogen. Weitere folgten und manche kehrten nicht wieder heim.

Eine Krise, so führte Mathias Gose weiter aus, erlebte die Wehr 1951. Keiner wollte mehr aktiv tätig sein. Daher wurde die Gründung einer Pflichtfeuerwehr erwogen. Davon nahm man jedoch Abstand. Stattdessen wurde eine Jugendwehr aufgestellt.

1958 gewährten die Gemeinde sowie der Rat des Kreises Klötze 10000 Mark Investmittel für den Bau eines neuen Gerätehauses. 23000 Steine wurden verbaut, 1959 waren die Arbeiten abgeschlossen. Ein großes Missgeschickt unterlief der Wehr jedoch am 6. August 1963, als durch eine Unachtsamkeit einiger Kameraden eben jenes Gerätehaus in Brand gesteckt wurde. Der Schaden wurde in Eigenleistung behoben, ein Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Nicht einmal zehn Jahre später waren die Räumlichkeiten zu klein. Es folgte der Anbau eines Tankschuppens sowie eines Aufenthaltsraumes.

1973 wurde unter Leitung von Heinz Beckmann eine Gruppe "Junge Brandschutzhelfer" ins Leben gerufen.

Mit dem Zusammenbruch der DDR kam auch das Feuerlöschwesen in der Gemeinde fast zum Erliegen - und konnte nur durch die Motivationskünste von Bernhard Meyer abgewendet werden, wie Mathias Gose erzählte.

Schnell ging es fortan wieder aufwärts. 1993 erreichten die Rohrberger bei den Wirkungsbereichswettkämpfen in Ahlum den ersten Platz. 1994 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet.

Im September 1996 hatte die Feuerwehrband "Feierteufel" ihren ersten Auftritt.

Am 28. August 1998 wurde das neue Gerätehaus an der Salzwedeler Straße übergeben, in das 870 Arbeitsstunden investiert worden waren. Seit 2002 findet hier die zentrale Ausbildung für angehende Truppmänner und -führer statt. Bis heute gab es 22 solcher Lehrgänge mit 455 Teilnehmern. Außerdem steht dort der Einsatzleitwagen für den Einsatz im Verbandsgebiet und darüber hinaus.

Am 23. April 2004, während der Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen, konnten letztmals junge Kameraden laut Satzung auf die Fahne der Wehr vereidigt werden.

Bert Juschus: "Rohrberger können stolz auf ihre Feuerwehr sein"

So weit zur Historie. "Alle Kameraden hier sind ein Teil davon", sagte Mathias Gose in seiner Ansprache. "Und genau das sollte uns Ehre und Ansporn sein, auch weiterhin alles dafür zu tun, damit die Bürger in Rohrberg und überall da, wo unsere Hilfe benötigt wird, sich sicher fühlen und sich auf uns verlassen können." Auch wenn die Anforderungen immer größer werden: Mehr Einsätze, weniger Mitglieder. Für die Zukunft der Rohrberger Feuerwehr wünschte sich Mathias Gose eine stets einsatzbereite und schlagkräftige Truppe, die ihren Aufgaben jederzeit gewachsen ist.

Landrat Michal Ziche zollte der Rohrberger Wehr Respekt: "Danke, dass Sie da sind und ihre eigene Gesundheit zum Wohle anderer riskieren."

Verbandsgemeindebürgermeisterin Christiane Lüdemann würdigte die Feuerwehrleute im Allgemeinen und jene aus Rohrberg im Besonderen als "besondere Menschen", die Vorbilder sind.

Verbandsgemeindewehrleiter Bert Juschus meinte: "Die Rohrberger können stolz auf ihre Feuerwehr sein."

Und auch Rohrbergs Bürgermeister Bernd Schulz dankte den Feuerwehrleuten für ihre stete Einsatzbereitschaft sowie den Beiträgen für das Gemeinwohl.