Böckwitz l Natur, Kultur und Geschichte. All das kann entlang des Grünen Bandes, dem einstigen Todesstreifen an der früheren innerdeutschen Grenze in Hülle und Fülle entdeckt werden. Vor allem am Wochenende bestand dazu die Möglichkeit. Denn der Trägerverbund Lenzen und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatten zur Grüne-Band-Partie eingeladen (Volksstimme berichtete). Dabei konnten Sehenswürdigkeiten in der westlichen Altmark hautnah bestaunt werden. Es gab Radtouren in den Drömling bei Kunrau, Wanderungen in die Ohreauen bei Wendischbrome und vieles andere mehr.

Von Travemüde bis Hof sind es 1400 Kilometer

Etliche Besucher wissen nun also über gewisse Stationen am Grünen Band recht gut Bescheid. Aber kaum jemand wird es in seiner ganzen Länge kennen. Doch es gibt zwei Frauen, die genau das in einigen Jahren von sich sagen können wollen: Susanne Freese und Annika Poersel-Freese.

Die beiden Hamburgerinnen, die am Sonnabend plötzlich im Böckwitzer Museum auftauchten und interessiert den Ausführungen von Willi Schütte lauschten, möchten das Grüne Band nämlich komplett erwandern. Von Travemünde bis Hof. Das sind fast 1400 Kilometer.

Auslöser dieses ungewöhnlichen Vorhabens, so berichtete Susanne Freese, war ein Vortrag des BUND an der Ostsee über das Grüne Band, den sie gehört und von dem sie sofort begeistet war.

Zu seiner ersten Etappe brach das Ehepaar vor vier Jahren auf. Jedes Jahr wollen sie ein Stück schaffen. Dafür nehmen sie sich zwischen 10und 14 Tagen Zeit. Kilometermäßig machen sich die Frauen keine speziellen Vorgaben. Schließlich sollen die Touren Spaß machen. Druck ist da fehl am Platz. Die Motivation für die Strapazen liegt woanders: "Uns geht es um zwei Aspekte", erklärte Susanne Freese, die 53Jahre alt und von Beruf Sozialpädagogin ist. "Da ist zum einen die Natur und zum anderen die Historie am Grünen Band. In diesem Jahr, 25Jahre nach dem Mauerfall, ist es natürlich etwas Besonderes."

Weiches Bett und warme Dusche müssen sein

Dafür nehmen sie die Entbehrungen gerne in Kauf. Wichtig ist ihnen bloß, dass am Ausgangs- und Endpunkt ein Bahnhof ist und dass es an den Routen Pensionen oder Hotels gibt. Denn: "Im Zelt wollen wir dann doch nicht schlafen. Wir brauchen ein weiches Bett und eine warme Dusche", erzählte Annika Poersel-Freese, die 40Jahre alt und von Beruf Laborantin ist.

In acht oder neun Jahren, so schätzen die Frauen, werden sie in Hof angekommen sein. "Das Wann ist nicht so entscheidend. Hauptsache, wir schaffen es", betonte Susanne Freese, schnappte sich ihren Rucksack, lobte die Schönheit der Altmark und verabschiedete sich in Richtung Oebisfelde.