Die Kunrauer Grundschule und die Sporthalle werden fortan mit Abwärme aus der Biogasanlage beheizt. Die Unabhängige Wählergemeinschaft sah sich das am Mittwochabend aus der Nähe an.

Kunrau l Die Unabhängige Wählergermeinschaft (UWG) Jeetze-Ohre-Drömling hat sich am Mittwoch in Kunrau getroffen. Die Mitglieder und Kandidaten wollten sich einmal das Prinzip der neuen Fernwärmeleitung erklären lassen. Künftig sollen die Grundschule und die Sporthalle mit Abwärme aus der nahen Biogasanlage versorgt werden."Ich bin schon ganz neugierig", sagte Fraktionsvorsitzender Marco Wille.

Uwe Bock, sein Stellvertreter und Ortsbürgermeister von Kunrau, erinnerte eingangs daran, dass schon der alte Kunrauer Gemeinderat um diese Möglichkeit gekämpft habe. Später habe der Ortschaftsrat diesen Kampf fortgeführt. Dafür gebührte ihm ein dickes Lob vom Immekather Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Zeitz. "Uwe, du warst wie ein Stehaufmännchen und hast dich auch von Widerständen nie aus der Spur bringen lassen."

Sinnvoll, so meinte Uwe Bock, sei die Fernwärme allemal. Zumal davon eben nicht nur die Kunrauer profitieren, sondern durch den Besuch der Grundschule oder die Nutzung der Sporthalle auch Menschen von außerhalb.

Horst Wienecke, ehemals Bürgermeister der früheren Gemeinde Kunrau, verwies darauf, dass der erste Wärmeliefervertrag bereits 2005 vereinbart worden sei. Damals habe man eigentlich im Sinn gehabt, über die Abwärme der Biogasanlage das örtliche Freibad zu beheizen. Doch seien diese Pläne von anderer Stelle durchkreuzt worden. Erst durch den Druck, den die UWG in jüngerer Vergangenheit aufgebaut habe und durch ihre Überzeugungsarbeit in Verwaltung und Stadtrat, habe dieser lange gehegter Wunsch jetzt endlich realisiert werden können. Marco Wille wollte es in diesem Zusammenhang nicht versäumen, dem Klötzer Stadtrat dafür zu danken, dass diesem Projekt im zweiten Anlauf zugestimmt worden sei. "Aber das ist Schnee von gestern. Wir sollten den Blick nach vorne richten." So sei die Fernwärme ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, die Grundschule und die Sporthalle langfristig zu erhalten.

Fernwärmesystem ist vor Havarien gesichert, zur Not springt alte Anlage an

Horst Wienecke bedauerte trotzdem, dass es so lange gedauert habe: "Wir haben fast zehn Jahre und damit auch viel Geld verschenkt, das wir woanders sinnvoll hätten einsetzen können." Wobei, so fügte er hinzu, natürlich abzuwarten bleibe, wie viel durch die Fernwärme im Gegensatz zur alten Heizungsanlage tatsächlich eingespart werden könne.

Heizungsbauer Helmut Stöwesandt erläuterte, dass das Fernwärme-System vor Havarien gesichert sei. Sollte aber doch der Fall der Fälle eintreten, dann springe automatisch die alte Anlage mit dem schier unverwüstlichen Gusskessel wieder an.

Jörg Strube als Vertreter der Kunrauer Agrargenossenschaft ergänzte, dass die Biogasanlage 260 Kilowatt (kw) pro Stunde produzieren könne. "Bei minus 20 Grad wird es eng, aber dann ist ja wie gesagt immer noch die alte 180 kw-Anlage da."

Helmut Stöwesandt schätzte ein, dass mit der Fernwärme mindestens 80 Prozent der Kosten im Vergleich zu vorher eingespart werden könnten. "Das ist nicht übertrieben."

Uwe Bock kam im weiteren Verlauf des Treffens nochmal auf die Anfänge der Idee mit der Fernwärme zu sprechen. "Ursprünglich hatten wir ja auch mal den Gedanken, das Sportzentrum mit anzuschließen. Klar, wir sollten froh darüber sein, dass wir so weit gekommen sind, aber vielleicht klappt das irgendwann auch noch." Außerdem habe er weiter die Hoffnung, dass eines Tages auch das Freibad noch angeklemmt werden könnte.

2025 laufen die Betriebsgenehmigungen für Biogasanlagen aus

Jörg Strube erinnerte, dass die Betreiberfirma der Biogasanlage bereit gewesen sei, die Leitung zu legen, jedoch wollte man eine Garantie dafür, dass das Freibad noch länger besteht. "Und die gab es nicht."

Dass es gar nicht so schwer sei, sehe man in Brome. Dort werde das Freibad mit Abwärme aus der Biogasanlage von Erhard Kremeike beliefert.

Doch sei es, wie es sei. Zumindest, da war sich die UWG sicher, habe man mit dem Anschluss von Grundschule und Turnhalle schon mal einen großen Erfolg erzielen können. Zu den Kosten dieser Maßnahme wollte Marco Wille nach Absprache mit Klötzes Bürgermeister Matthias Mann öffentlich nichts sagen. "Da sollten wir die Schlussrechnung abwarten."

Abschließend plädierte Hans-Jürgen Zeitz dafür, dass die UWG sich weiter dafür einsetzen sollte, Träume zu verwirklichen. "Wünsche darf man haben. Wenn das nicht mehr geht, dann sind wir arm dran."

Marco Wille sah das genauso, korrigierte Zeitz aber in einem Punkt: "Das sind keine Wünsche, sondern Visionen." Infrastrukturell, so forderte er, müsse die Stadt Klötze weiter vorankommen, "um für junge Familien attraktiv zu bleiben".

Ganz zum Schluss machte Jörg Strube noch auf einen möglichen Wermutstropfen aufmerksam. So liefen im Jahr 2025 die Betriebsgenehmigungen für Biogasanlagen aus. Das bedeute, dass man dann ohne Subventionen auskommen müsse. "Dann muss man sehen, was wird." Jedoch sei es schwer vorstellbar, dass die Kunrauer Biogasanlage dann noch in dem jetzigen "großtechnischen Maßstab" betrieben werde könne.