Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Nach der ersten Beratung zur Neubelebung des Pilotprojekts "Dreibeine" zwischen Klötze und Schwiesau sind am gestrigen Mittwoch weitere Schritte festgelegt worden. Eine Beobachtung über Monate soll nun zeigen, ob die Anzahl der Wildunfälle so reduziert werden kann.

Klötze/Schwiesau l Das Pilotprojekt "Dreibeine" wird fortgeführt. Für jeden Wildunfall an der Landesstraße 19 zwischen Klötze und Schwiesau wird ein in Signalfarbe leuchtendes Dreibein aus Holz aufgestellt.

Damit Autofahrer in diesem unfallträchtigen Bereich den Fuß vom Gas nehmen und vorsichtiger fahren, ist das Projekt 2013 im Altmarkkreis Salzwedel ins Leben gerufen worden. Doch nach knapp einem Jahr drohte das Projekt sang- und klanglos unterzugehen. Das wollten die Beteiligten von Kreis, Forst, Polizei und Jägerschaft aber nicht zulassen. Vor rund sechs Wochen sprachen sie sich für eine Wiederbelebung der Aktion aus und trugen Ideen zusammen, wie das bewerkstelligt werden kann (Volksstimme berichtete).

Am Mittwoch trafen sie sich erneut, dieses Mal an der gefährdeten Straße auf dem Parkplatz gegenüber dem Funkturm. Neu ist ab sofort, dass die Holzkreuze nicht mehr orange, sondern neongelb eingesprüht werden. Eine Farbe, wie sie die Polizei auch bei Verkehrsunfällen einsetzt. "Wir versprechen uns davon eine größere Signalwirkung, weil die Farbe länger leuchtet", begründete Jens Mösenthin von der Unteren Jagdbehörde des Altmarkkreises. Ein noch fehlendes Dreibein, das am Mittwoch aufgestellt wurde, ist gleich neongelb eingesprüht worden. Die anderen folgen noch.

Unfalltrend im Kreis ist insgesamt erfreulich

Indes zeigte die Aktion bisher nicht den gewünschten Erfolg. André Kriegbaum vom Polizeirevier Altmarkkreis Salzwedel informierte, dass seit dem 1.April in dem betreffenden Bereich weitere drei Wildunfälle gemeldet worden sind. "Zwei Unfälle mit Rehen, einer mit einem Hirsch, der allerdings flüchtete", zählte er auf. Damit sei die Anzahl der Wildunfälle im Vergleich zum Vorjahr konstant, denn im gleichen Zeitraum 2013 kam es ebenfalls zu drei Wildunfällen.

Allerdings bezeichnete An- dré Kriegbaum den Trend in Sachen Wildunfälle im Altmarkkreis insgesamt als erfreulich. "Es gab von Januar bis Ende Mai 1200 Verkehrsunfälle, 400 davon waren mit Wildbeteiligung. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 480 Wildunfällen."

Der stellvertretende Kreisjägermeister Erwin Grödl wollte wissen, zu welchen Tageszeiten die meisten Wildunfälle passierten. Grund für seine Frage war, dass Wildtiere nur nachts von den blauen Reflektoren an den Leitpfosten abgeschreckt werden. "Diese Frage können wir erst Ende des Jahres mit aussagekräftigen Daten beantworten", musste ihn André Kriegbaum vertrösten.

Eine Absage bekam die Untere Jagdbehörde wegen der geplanten großen Hinweisschilder mit der Abbildung eines solchen Dreibeins als symbolischen Hinweis. "Das wäre laut Landesverwaltungsamt nicht zulässig, weil es von der Norm abweichen und Autofahrer noch mehr ablenken würde", erläuterte Jens Mösenthin.

80 blaue Reflektoren werden angebracht

Deshalb sollen weiterhin die kleinen Schilder mit der Aufschrift "Wildunfall" an den Holzkreuzen angebracht werden. "Die sind auch lesbar, wenn man vernünftig fährt", begründete André Kriegbaum.

Jagdpächter Eckhard Wegwarth mahnt noch genauere Kilometerangaben bei einem Wildunfall an, weil es sonst für die Jäger sehr schwer sei, das Unfallwild zu finden. "Das hat schon mal besser geklappt", sagte er und informierte, dass über die Klötzer Jägerschaft weitere 80 blaue Reflektoren beschafft und an den Leitpfosten entlang der L19 bis zur Waldgrenze angebracht werden sollen.

Jetzt beginnt das große Hoffen, dass die getroffenen Maßnahmen auch ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlen. Da belastbare Aussagen erst in zirka sechs Monaten getroffen werden können, werden sich die Beteiligten im September erneut für eine kurze Bilanz treffen.

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