Die stellvertretende Schulleiterin der Zinnbergschule, Ute Wernecke, ist gestern verabschiedet worden. Sie wechselt an eine Schule in Klietz. Die Klötzer Schüler und Lehrer der Förderschule hatten für sie aber zunächst noch heimlich eine Feierstunde vorbereitet.

Klötze. Ab heute ist an der "Zinnbergschule" in Klötze, einiges nicht mehr so, wie es noch gestern war. Die bisherige stellvertretende Schulleiterin Ute Wernecke übernimmt mitten im Schuljahr, genau vier Tage vor Übergabe der Halbjahreszeugnisse, die Leitung der Förderschule "Am Klietzer See" in Klietz. Ihre Kolleginnen, Kollegen und Schüler sagten gestern bei einer Abschiedsfeier ganz herzlich: "Danke Frau Wernecke".

"Die Kernaussage lautet: Wir sind alle sehr, sehr traurig, dass du uns verlassen wirst. Wir sind aber auch sehr dankbar, dass wir dich fünf Jahre lang hatten. Du hast an unserer Schule große und tiefe Spuren hinterlassen", brachte es der Leiter der Zinnbergschule, Armin Bauer, in seiner Rede zum Ausdruck.

Da die Schule selbst nicht über eine Aula und keinen anderen großen Raum verfügt, fand die Feierstunde in der Aula der benachbarten Allende-Sekundarschule statt. Hierher hatten sich nach der großen Hofpause unter Anleitung ihrer Lehrerinnen und Lehrer sämtliche Zinnberg-Schüler klammheimlich "verzogen", so dass Wernecke auf einmal ganz alleine in "ihrer" Schule war. Per Handy wurde sie dann von Bauer über die neue Raumzuweisung für den anstehenden Matheunterricht in der Unterstufe in Kenntnis gesetzt und zum Nachbarn "zitiert".

Als die Lehrerin dann vor den Zweit- bis Viertklässlern auf dem festlich geschmückten Stuhl im Herz aus Weidenzweigen Platz genommen hatte, wählte ihr Noch-Chef herzliche und treffende Worte, um zu verdeutlichen, wie sehr Ute Wernecke ihren Kolleginnen und Kollegen und auch den knapp 90 Schülerinnen und Schülern ans Herz gewachsen ist, welche Spuren sie bei ihnen allen hinterlassen hat. Besonders stellte Bauer Werneckes Einsatz für das Zirkus-Projekt heraus, lobte ihr Engagement für andere Projekte, bei der Ausgestaltung der Schulflure oder bei der Zusammenarbeit mit den anderen Schulen der Region. Zudem unterrichtete Wernecke auch Mathematik und Kunst.

Insgesamt kam da eine lange Liste zusammen, die sich ganz leicht noch um viele Punkte ergänzen ließe. Bauer sagte prägnant: "Eine ganz tolle Leistung, als Kollegin, stellvertretende Schulleiterin und Mensch."

"Du bist nicht zu ersetzen, du wirst uns fehlen"

Wie hoch geschätzt Wernecke war, belegt auch die kurze Rede von Jörg Kägebein, Leiter der Allende-Schule. "Hätten wir die Personalhoheit, wir würden dich nicht gehen lassen. Du bist nicht zu ersetzen, du wirst uns fehlen", so Kägebein. Zuvor hatten sich schon die Lehrerinnen und Lehrer der Zinnbergschule mit kleinen Geschenken von ihrer hoch geschätzten Kollegin verabschiedet. Nach Kägebein folgten Worte von Dana Saalfeld, Leiterin der Purnitz-Grundschule, und verschiedenen Klassensprechern der Zinnbergschule.

Bevor Wernecke dann von den erwachsenen Gästen noch jeweils eine Rose und von den Schülern verschiedene Geschenke wie selbstgestaltete Post- und Autogrammkarten bekam, erbat sie selbst das Wort. "Ich danke euch für alles. Es war eine tolle Zeit, ich war gerne hier." Den Schülern wünschte sie "tolle Schulabschlüsse und alles Gute für die Zukunft". Obgleich sie sich sichtlich über die Feierstunde freute, erklärte Wernecke: "Ich verstehe es aber nicht so ganz. Ich habe doch nur meine Arbeit gemacht."

Wenn Ute Wernecke jetzt morgens ihr Grundstück in Jävenitz Richtung Arbeitsstätte verlässt, wird sie statt links nun rechts abbiegen. Geschuldet ist das dem Fakt, dass in der Zinnbergschule weniger als 90 Kinder unterrichtet werden. Laut Schulgesetz ist dann keine stellvertretende Schulleiterstelle mehr vorgesehen.