In diesem Jahr existiert die Bahnstrecke von Oebisfelde nach Salzwedel über Klötze seit 125 Jahren. Der Glanz einstiger Tage des Klötzer Bahnhofs ist verblasst, geblieben sind Schienen, von Gras und Büschen überwuchert. Doch hat das Areal bemerkenswerte Ecken und Kanten.

Klötze l Immer wieder schweift der Blick von Ulrich Koppe über einen rostigen Schienenstrang, der direkt entlang des Klötzer Bahnhofs verläuft. Der Klötzer ist Mitstreiter beim Heimatverein der Stadt, kennt die Ecken und Kanten seiner Heimat wie nur wenige. Beim Rundgang mit der Volksstimme schüttelt er immer wieder ungläubig den Kopf. Er kennt noch ein "blühendes" Bahnhofsareal mit täglichem Güterverkehr. Ulrich Koppe erinnert sich an Dampflokomotiven, die am mittlerweile abgerissenen Wasserturm hielten, um das nötige Nass für den erforderlichen mächtigen Druck im Kessel aufzutanken. Er sieht Menschen vor Augen, die täglich in Triebwagen bis zum Jahre 2001 ein- und ausstiegen, um zur Arbeit abzufahren oder vom Bahnhof nach Hause gingen.

Schultz-Lupitz hat großen Verdienst am Bahnhof

Klötze war mit der Indienststellung des Bahnhofs im Jahre 1889 an das landesweite Streckennetz angeschlossen. Es war auch das Jahr, als von Klötze die letzte Postkutsche auf Reisen ging. Einen großen Verdienst am Bahnhof Klötze hatte Doktor Albert Schultz-Lupitz, der sich als preußisches Landtagsmitglied erfolgreich für eine Streckenführung über Klötze eingesetzt hatte. Dafür wurde Lupitz im Jahre 1897 die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen.

Der Klötzer Bahnhof entwickelte sich zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Region und bescherte Firmenansiedlungen, Zunahme der städtischen Bevölkerung und Arbeitsplätze. Bis zum Jahre 1918 garantierten bereits die Weinkellerei, die Konservenfabrik, die Dampfmolkerei, das Gaswerk und auch die Raiffeisengenossenschaft für viele Menschen Lohn und Brot.

Das wirtschaftliche Leben am Bahnhof Klötze erholte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges relativ schnell. Auch zu DDR-Zeiten behielt der Bahnhof seine zentrale Bedeutung, erinnert sich Koppe. Dort war sogar eine Kopframpe für das Be- und Entladen von Militärfahrzeugen gebaut worden. "Allerdings habe ich nie solches Militärgerät dort gesehen", wundert sich Koppe.

Der Zahn der Zeit und die ruinösen Betriebsaufgaben besonders nach der Wende haben auf dem Areal ganze Arbeit geleistet. Tristesse und Verfall wohin das Auge blickt. Und doch weiß Ulrich Koppe über kleine Lichtblicke zu berichten. So ist das Bahnhofsgebäude in privater Hand. Eine Niederländerin hat es gekauft und versucht nun langsam wieder etwas Leben ins Gebäude zu bringen. Von außen sind die blühenden Geranien vielleicht ein guter Anfang, scherzt Koppe. Er weiß auch, dass das Areal der ehemaligen Weinkellerei am Kleinbahnhof ebenfalls einen privaten Käufer gefunden hat. "Wie der dass alles bewerkstelligen will, ist ein Rätsel. Hoffentlich sind die Mühen von Erfolg gekrönt. Verdient hätte es dieser geschichtsträchtige Komplex auf alle Fälle", wünscht Ulrich Koppe dem Investor viel Glück.

   

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