Jahrstedts Ortsbürgermeister Uwe Bartels sieht die Arbeit seines Ortschaftsrates von der Stadt Klötze nicht respektiert. Vorschläge würden abgelehnt, Hinweise ignoriert, Wünsche nicht umgesetzt. Klötzes Bürgermeister Matthias Mann hält dagegen und gibt den schwarzen Peter zurück.

Jahrstedt l Uwe Bartels, Ortsbürgermeister von Jahrstedt, weiß nach eigenen Angaben selbst, dass er mancherorts den Ruf eines Querulanten inne hat. Das schreckt ihn aber nicht davor ab, den Finger in die Wunde zu legen, wann immer es ihm nötig erscheint. Sein erklärter Gegner, das ist offensichtlich, ist die Stadt Klötze. Auch bei der jüngsten Sitzung des Jahrstedter Ortschaftsrates am Dienstag hagelte es Kritik an dem Gebilde beziehungsweise der Verwaltung.

Eines machte Uwe Bartels im Namen seiner Gremiumskollegen aber deutlich: "Wir meckern nicht, wir leiten Anregungen der Bürger sowie eigene Beobachtungen weiter." Genau dafür sei ein Ortschaftsrat schließlich zuständig. Andernfalls sei ein solches Organ überflüssig. Und die Aufgabe der Stadt sei es, diese protokollierten Bitten umzusetzen.

"Im Grunde genommen ist das richtig", sagte dazu auf Anfrage Klötzes Bürgermeister Matthias Mann. Allerdings: "Das heißt nicht, dass wir alles 1:1 und auf der Stelle realisieren können." Vielmehr werde geprüft, was möglich sei. Zudem müssten im Abgleich mit den Wünschen aus anderen Ortschaften Prioritäten gesetzt werden.

"Wir meckern nicht, wir leiten Anregungen der Bürger weiter."

Ortsbürgermeister Uwe Bartels

Jedoch hat Uwe Bartels nach wie vor den Eindruck, dass die Ortschaften der Einheitsgemeinde, insbesondere Jahrstedt, im Gegensatz zu Klötze eher stiefmütterlich behandelt werden. Im Ortschaftsrat nannte er wie zum Beweis gleich mehrere Beispiele, "die wir hier im Rat fast jedes Mal ansprechen". Bisher vergeblich.

Erstens: Der Zustand der Landesstraße 23 in und zwischen den Ortslagen Jahrstedt und Böckwitz. Dort gebe es mehrere Senken, stellenweise würden Gossen wackeln und Abläufe seien beschädigt. Zumindest in Böckwitz, so Uwe Bartels, hätten die Bodenwellen längst behoben werden können, nämlich als dort der Durchlass erneuert und der Fertiger vor Ort war. Aber: Fehlanzeige. Der Ortsbürgermeister betonte, dass es nicht Sache einer Ortschaft sein könne, sich mit dem Land als Träger der Straßenbaulast in Verbindung zu setzen, um eine Verbesserung herbeizuführen. "Wozu gibt es ein Bauamt?"

Hierzu erklärte Matthias Mann, dass sich die Stadt Klötze sehr wohl schon mit dem Landesbetrieb Bau in Verbindung gesetzt habe. Doch als es darum gegangen sei, einen Ortstermin zu vereinbaren, sei Uwe Bartels trotz zahlreicher Versuche nicht erreichbar gewesen.

Der zweite von Uwe Bartels genannte Fall betrifft den Spielplatz in Böckwitz: Dort müsste der Zaun repariert werden. "Das war bei unser Sitzung im Juli Thema, ist also fast zwei Monate her. Seither ist nichts geschehen. Das", so Uwe Bartels, "kann nicht allein mit der Urlaubszeit begründet werden."

Hierzu konnte Matthias Mann spontan nichts sagen, ohne sich vorher schlau zu machen.

"Wir können nicht alles 1:1 und auf der Stelle realisieren."

Klötzes Bürgermeister Matthias Mann

Das dritte Beispiel, indem sich der Jahrstedter Ortschaftsrat von der Stadt nicht respektiert fühlt, betrifft die Stele, die aufgestellt werden soll. "Wir", so Uwe Bartels, "haben vorgeschlagen, dass die nicht auf den Jahrstedter, sondern auf den Böckwitzer Friedhof kommt. Das wurde abgelehnt."

Hierauf entgegnete Matthias Mann, dass Uwe Bartels vieles durcheinanderbringe. Denn: "Die Stelen haben nichts mit anonymen Grabfeldern zu tun", sondern mit Urnenbestattungen. Und davon habe es in Böckwitz in den vergangenen sechs Jahren nur eine gegeben. Deshalb sei der Standort auf dem Jahrstedter Friedhof sinnvoller.

Der vierte Fall betrifft die Gemeindearbeiter. Zum wiederholten Male bemängelte Uwe Bartels, dass es hiervon zu wenige gebe. Für Jahrstedt, Kunrau und Steimke - "das sind zwei Kitas, eine Grundschule, ein Schloss und ganz viel Grün" - gebe es mit Eckhard Bromann und Hartmut Förster nur zwei Leute. Folge sei, dass sich vielfach Privatpersonen um öffentliche Flächen kümmern. Das, so Uwe Bartels, sei zwar lobenswert, könne aber kein Dauerzustand sein.

Hingegen kann Matthias Mann dieses "Wohlstandsgejammere" nicht mehr hören. Bereits mehrfach hatte er angedeutet, dass sich der Stadtrat gerne für mehr Personal aussprechen könne - dann aber mit allen Konsequenzen, sprich: Mehr Personal bedeutet mehr Kosten.

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