Das Gymnasium Beetzendorf platzt aus allen Nähten. Für die derzeit 570 Schüler werden die Unterrichtsräume knapp. Deshalb hat am Donnerstag auch der Kreisbildungsausschuss zugestimmt, den Einzugsbereich der Schule etwas zu verkleinern.

Beetzendorf l Steigende Schülerzahlen sind in Zeiten von Schulschließungen wegen zu geringer Auslastung eigentlich ein Grund zur Freude. Im Beetzendorfer Gymnasium ist allerdings die Schmerzgrenze erreicht. Es wurde einst dreizügig geplant, in diesem Jahr müssen aber zum zweiten Mal nach 2012/13 vier fünfte Klassen gebildet werden. "Damit stoßen wir räumlich an unsere Kapazitätsgrenze", erläuterte Schulleiter Hartmut Palutke am Donnerstagabend dem Kreisbildungsausschuss, der im Gymnasium tagte.

Grund für den Schülerzustrom ist der zahlenmäßig starke Übergang von den Grundschulen des Einzugsbereichs auf das Gymnasium. "Er beträgt teilweise bis zu 70 Prozent, im Land liegt die Quote sonst um die 40 Prozent", berichtete Landrat Michael Ziche. Vor allem die Tatsache, dass seit zwei Jahren der Elternwille für die weitere Schullaufbahn der Grundschüler ausschlaggebend ist, hat die Zahlen ansteigen lassen. "67 Schüler sind für die neuen fünften Klassen eigentlich normal. Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal 87, so dass wir vier Klassen bilden mussten. Das ist jetzt erneut notwendig, diesmal aber für 95 Schüler", erklärte Hartmut Palutke.

Sind alle Schüler im Gebäude, muss bereits die Aula mit für den Unterricht genutzt werden. Und auch der eigentlich für die Essenversorgung vorgesehene Raum ist inzwischen wieder ein Klassenraum. Um die Raumnot in den Griff zu bekommen, sieht der Altmarkkreis nur drei Alternativen. "Entweder wir bauen das Gymnasium noch einmal groß aus, wir bilden eine Außenstelle oder wir führen die Schülerzahlen durch Verkleinerung des Einzugsbereichs schrittweise auf den alten Stand zurück", so Michael Ziche. Letztere Lösung werde favorisiert, zumal der Einzugsbereich 2010 extra erweitert wurde, um die Dreizügigkeit des Gymnasiums abzusichern. Von 2009 bis 2013 musste sogar eine Ausnahmegenehmigung für einen zweizügigen Betrieb beim Land beantragt werden, weil Schüler fehlten.

"Müssen gegebenenfalls in ein bis zwei Jahren nochmal nachsteuern."

Michael Ziche

Der Plan, den der Kreisbildungsausschuss einstimmig billigte, sieht so aus, dass die Schüler aus dem Bereich Wallstawe (Ortsliste siehe Infokasten), die derzeit die Grundschule in Henningen besuchen, ab dem Schuljahr 2015/16 wieder dem Einzugsbereich des Salzwedeler Jahngymnasiums zugeordnet werden. Das gilt ebenso für die jetzigen Zweit- bis Viertklässler aus dem Bereich Dähre, die in Henningen unterrichtet werden. Die derzeitigen Erstklässler aus diesen Orten, die seit diesem Jahr die Diesdorfer Grundschule besuchen, bleiben dem Gymnasium Beetzendorf zugeordnet. "Durch den sanften Übergang stellen wir sicher, dass niemand gezwungen wird, die Schule zu wechseln", stellte der Landrat klar.

Die Änderung des Einzugsbereiches sei notwendig, aber nur ein erster Schritt. "Wir müssen die Entwicklung jetzt weiter beobachten und gegebenenfalls in ein bis zwei Jahren noch einmal nachsteuern, indem wir weitere Ortsteile dem Jahngymnasium zuordnen", sagte Ziche. Salzwedel habe noch Kapazitäten, das Beetzendorfer Gymnasium könne jedoch eine Vierzügigkeit eigentlich nicht verkraften.

Die Ausschussmitglieder hatten für die Verkleinerung des Einzugsbereiches Verständnis. "Wir sollten das so beschließen, um das Problem in den Griff zu bekommen", warb Vorsitzende Angelika Scholz um Zustimmung. Im Vorfeld habe es auch Gespräche mit Elternvertretern gegeben. Und auch der Kreiselternrat wurde mit einbezogen. Die große Sorge vieler Grundschuleltern, dass Schulfreundschaften auseinandergerissen werden, konnte durch den sanften Übergang der Einzugsbereichsänderung genommen werden. Das letzte Wort in Sachen Gymnasiums-Einzugsbereich hat am 29. September der Kreistag.