Ob ein Mensch vermehrt seine linke oder seine rechte Hand anwendet, um spezielle wie alltägliche Handgriffe auszuführen, das ist bereits vor der Geburt genetisch festgelegt. Alle anderen Angewohnheiten der Hände sind angeeignet, meint Katrin Kaluza.

Klötze l Die Ergotherapeutin und Fachkraft in der Pädiatrie sowie für neurologische Defizite referierte Montagabend in der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze über Linkshänder. Ihre Erkenntnisse und Therapien führt sie nach Methodik von Dr. J. Barbara Sattler aus.

Ausgehend von dem Standpunkt, dass die Nutzung der linken oder rechten Hand eines Menschen bereits als Frucht im Mutterleib genetisch bestimmt ist, kommen Menschen entweder als Links- oder Rechtshänder auf die Welt - Ausnahmen bestätigen die Regel, informierte Kaluza. Damit dieser neue Erdenbürger seine feinmotorischen Fähigkeiten ohne Beeinträchtigungen ausüben kann, so ihre Auffassung, wäre es notwendig, den Säugling ab dem neunten Lebensmonat bis zu eineinhalb Jahren nach der Geburt eingehend in seiner Motorik zu beobachten. In dieser Zeitspanne, so Kaluza, benutze das Kind seine Extremitäten aus eigenem Antrieb heraus. Später gehe er dazu über, sich Handhabungen abzugucken, um so sein Ziel zu erreichen.

Linkshändigkeit ist bis heute ein ernstes Problem

Dass eine mutwillige Veränderung des vermehrten Gebrauchs der linken auf die rechte Hand oder umgekehrt folgenreiche wie negative Auswirkungen für die umerzogene Person haben kann, dafür führte die Ergotherapeutin einige Beispiele auf. Nach ihren Informationen können die sogar so weitreichend sein, dass Kinder zu Auffälligkeiten bis hin zur Gewaltbereitschaft neigen können.

Die sogenannte Linkshändigkeit stelle dabei bis in die heutige Zeit ein ernstzunehmendes Problem für die Betroffenen dar, weiß Kaluza aus Erfahrungen. Werkzeug, Kleidung und selbst das Essbesteck werden dem Rechtshänder förmlich "in die Hand gelegt". Der Grund dafür ist sicherlich gesellschaftlich und historisch gewachsen. Der Linkshänder war von jeher der Außenseiter, für ihn musste umgearbeitet werden.

Den meisten Kindern wird früh beigebracht, die rechte Hand für feinmotorische Tätigkeiten wie Essen, Schreiben oder Werfen zu nutzen. Ist nun ausgerechnet ein Linkshänder dabei, und das wird nicht bemerkt, dann nimmt er die ihm geratene Handlungsweise an. Regt sich dabei aber in seinem Steuerungsapparat "stiller" Widerstand, kann das zu unterschiedlichsten Blockaden führen, die Außenstehende als negative Eigenschaften des Umerzogenen wahrnehmen.

Nun aber den verkannten Linkshänder wieder umzuerziehen, ist eine riskante Therapie, wie Kaluza warnt. Eine Rückschulung bei Kindern daure bis zu zwei Jahre, Erwachsene benötigten dafür bis zu fünf Jahre, hieß es von der Therapeutin. In der Pubertät ist eine Rückschulung der Handmotorik bei Jungen wie Mädchen nicht anzuraten.

Um ihre Ausführungen auch praktisch unter Beweis zu stellen, lud Katrin Kaluza die Zuhörer zu einigen Selbsttests mit Utensilien für Rechts- und Linkshänder ein.