Mit der Renaturierung der ehemaligen Oxydationsteiche hat der Beetzendorfer Angel- und Gewässerschutzverein ein einzigartiges Biotop vor der Haustür geschaffen. Hier kann nicht nur die Rute ausgeworfen, sondern auch die Natur beobachtet werden.

Beetzendorf l Tino Schulz ist leidenschaftlicher Angler. Jede freie Minute nutzt der Beetzendorfer, der Mitglied im Angel- und Gewässerschutzverein des Ortes ist, um die Rute auszuwerfen. "Inzwischen habe ich schon so viele Fische geangelt, dass die Kühltruhe zu Hause voll ist", lächelt der Zehnjährige. Sein Glück probiert er in letzter Zeit immer wieder an den von den Anglern renaturierten ehemaligen Oxydationsteichen. "Hier angelt es sich prima", meint Tino Schulz, der lediglich bedauert, nicht am hinteren Teil des Gewässers auf Fischejagd gehen zu können. "Da ist leider alles etwas zugewachsen, so dass man nicht rankommt", berichtet der Beetzendorfer und holt einen Giebel aus dem Teich.

Doch nicht nur Angler finden an dem Gewässer, das bis 2001 dazu diente, die eingeleiteten Haushaltsabwässer der Gemeinde Beetzendorf zu klären, ihr Paradies. Auch ein Spaziergang entlang des Teiches lohnt sich. Die Angler haben einen kleinen hölzernen Unterstand installiert (wir berichteten), von dem aus Fischadler und Eisvogel, aber auch andere Tiere beobachtet werden können. Eine Sitzecke lädt zur Rast ein.

Gemeinde bereut keinen Cent für Flächenerwerb

Als 2001 die neue Kläranlage in Immekath auch die Beetzendorfer Abwässer übernahm, hatten die Oxydationsteiche ihre Funktion verloren. Sie wuchsen zusehends zu. "In den nächsten zehn Jahren wären sie mit Sicherheit verlandet", ist sich Vereinsmitglied Siegfried Ossada sicher. Der Beetzendorfer Angel- und Gewässerschutzverein kam deshalb auf die Idee, das Gewässer für sich nutzbar zu machen und zu renaturieren. Grundvoraussetzung war allerdings, dass die Gemeinde das Gelände vom Wasserverband Klötze kauft.

Dies geschah 2008. "Die ersten zwei Drittel zu erwerben war noch einfach, dann wurde es kompliziert, denn das letzte Drittel war in Privatbesitz", erinnerte sich Bürgermeister Heinrich Schmauch. "Dafür musste die Gemeinde richtig tief in die Tasche greifen." Doch wenn man jetzt sehe, was aus dem 18579 Quadratmeter großen Areal geworden ist, müsse man konstatieren, dass sich jeder Cent gelohnt habe.

2009 stellte die Gemeinde dem Verein die Oxydationsteiche pachtweise zur Verfügung. Nachdem alle behördlichen Genehmigungen vorlagen und ein Projekt erstellt wurde, begannen die Angler 2011 damit, die Zwischendämme der Kläranlage zu entfernen. Mitgliedsbeiträge, private Spenden und begrenzte kommunale Mittel wurden dafür verwendet. "Wir haben das in den Wintermonaten gemacht, damit die Bauarbeiten keinen Einfluss auf die Brutvögel hatten", erzählte Siegfried Ossada.

Untersuchungen ergaben keinerlei Belastungen

Der Aushub wurde zu einem Hügel aufgeschüttet, auf dem sich jetzt der Naturbeobachtungsstand befindet. Nach der Renaturierung ist das Gewässer von einem Salzwedeler Ingenieurbüro untersucht worden. Ergebnis: keinerlei Belastungen. So konnte 2012 von den Anglern der erste Grundbesatz an Fischen eingesetzt werden. "Das Gewässer ist sehr nährstoffreich", berichtete Siegfried Ossada. Entsprechend groß ist die Artenvielfalt. Schleie, Karauschen und Giebel sind hier ebenso zu finden wie Hechte und Aale.

Die Oxydationsteiche sollen nicht nur als Angelgewässer für die Beetzendorfer Petrijünger dienen, sondern auch als Zielpunkt für Spaziergänge. "Sie sind für alle Einwohner unserer Gemeinde und Gäste gedacht, die sich an der Natur erfreuen", so Ossada.

Übrigens: Um die Angel dort ohne Gebühren auswerfen zu dürfen, muss man Mitglied im Angel- und Gewässerschutzverein Beetzendorf sein. "Oder im Angelverein Lüdelsen, mit dem haben wir einen Vertrag", erläuterte Vorsitzender Volker Hundt. Eine Mitgliedschaft in anderen im Deutschen Angelfischerverband organisierten Vereinen genügt nicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Gastangelkarten bei Vorstandsmitglied Renate Hochhuth im Fahrradladen in der Beetzendorfer Goethestraße 5 zu erwerben. Sie kosten pro Tag zehn Euro und für eine Woche 25 Euro.