Sechs Jahre nach ihrer Gründung sieht die Tangelner Biowärmegenossenschaft all ihre Ziele erreicht. Während der Generalversammlung legte Vorstandschef Günter Willer am Freitagabend durchweg positive Zahlen vor.

Tangeln l Die Einwohner des Ortes mit Wärmeenergie zu auskömmlichen Preisen zu versorgen - mit diesem hehren Ziel war die Tangelner Biowärmegenossenschaft 2008 angetreten. "Das war Neuland, das wir damit betreten haben, aber wir haben alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben", zog Vorstandschef Günter Willer am Freitagabend während der Generalversammlung Bilanz. Jedes der 75 Genossenschaftsmitglieder, das an die Wärmeleitung der örtlichen Biogasanlage angeschlossen ist, profitiert von dem abgeschlossenen Vertrag, der eine Preisgarantie über zehn Jahre enthält. Und auch wenn ab 2018 der Preis neu ausgehandelt wird und voraussichtlich etwas steigen dürfte: "Er bleibt auf jeden Fall unter dem der großen Energieversorger", versicherte Willer.

Auf Gewinnmaximierung ist die Genossenschaft nicht aus. "Wir sind für die Bürger da, damit sie es in ihren Wohnungen schön warm haben", erklärte der Vorstandsvorsitzende. Entsprechend fiel der Bilanzgewinn 2013 mit 1454 Euro (2012: 5146 Euro) auch sehr überschaubar aus. Das Anlagevermögen, das größtenteils aus den Wärmeleitungen besteht, beziffert sich auf 226277 Euro, das Eigenkapital der Genossenschaft beträgt 187500 Euro. Letzteres setzt sich aus den Einlagen der Mitglieder von jeweils 2500 Euro zusammen.

Günter Willer gibt Chefposten ab

Als Willer zudem bekanntgab, dass die Genossenschaft ihren Bankkredit im Mai dieses Jahres vorfristig ablösen konnte und damit schuldenfrei ist, gab es sogar spontanen Applaus. "Damit können wir finanziell absolut unabhängig handeln. Solch eine Entwicklung kann man sich für eine Genossenschaft nur wünschen", betonte der Rohrberger. Man habe ein solides Fundament geschaffen, um notwendige Instandhaltung und Unterhaltungskosten tragen zu können.

Willer ist auch Vorstandsvorsitzender der Tangelner Agrargenossenschaft (Landwirtschaftliches Unternehmen), die die Biogasanlage betreibt und das Rückgrat des Bürgerwärmeprojektes bildet. Unter anderem dafür wurde das Unternehmen in diesem Jahr als erster Landwirtschaftsbetrieb beim Wirtschaftspreis Altmark mit dem dritten Preis bedacht.

Aus beiden Vorstandsposten will sich Günter Willer allerdings im nächsten Jahr zurückziehen. "Am 1. September 2015 gehe ich in Rente", kündigte er an. Mit Christian Raapke stehe aber ein würdiger Nachfolger bereit - im Landwirtschaftlichen Unternehmen wie auch in der Biowärmegenossenschaft.

Keine weiteren Anschlüsse möglich

"Keiner, der sich damals anschließen lassen hat, hat diese Entscheidung bereut", ist sich Günter Willer sicher. Im Gegenteil: Etliche Einwohner, die 2008 noch zögerten, wollen jetzt auf den Zug aufspringen. "Wir könnten sofort 15 weitere Haushalte im Dorf anschließen, die Anträge liegen vor", informierte der Vorstandsvorsitzende. Doch das wird nicht passieren. Die Leistungsfähigkeit des Wärmenetzes sei ausgeschöpft, so dass es unter den gegenwärtigen Bedingungen keine weiteren Anschlüsse geben wird.

Unkompliziert verlief die Neuwahl des Aufsichtsrates, die erstmals nach der Genossenschaftsgründung vor sechs Jahren notwendig wurde. Da zu den vom Vorstand vorgeschlagenen fünf Kandidaten keine weiteren Bewerber aus dem Mitgliederkreis hinzukamen, konnte im Block abgestimmt werden. Einstimmig votierten die Genossenschaftsmitglieder für Frank Glaue, der erneut den Vorsitz übernimmt, seinen Stellvertreter Dietmar Knoke sowie Wilfried Schulz, Steffen Peters und Bernd Willert.