Das Geschehen in der Welt wirkt sich bis nach Klötze aus. Immer mehr Krisenherde lassen die Zahl der Kriegsflüchtlinge, die nach Deutschland kommen, steigen. Inzwischen drohen auch die Aufnahmestellen in Salzwedel, Gardelegen und Kalbe an ihre Grenzen zu stoßen.

Klötze l Die Aufnahmekapazitäten der Städte und Kreise sind langsam erschöpft. Angesichts zahlreicher Krisengebiete in der Welt nimmt die Zahl der Kriegsflüchtlinge dramatisch zu. Auch im Altmarkkreis Salzwedel wird deshalb bereits nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Weitere Gespräche werden ab Januar geführt

Vorsorglich trat Landrat Michael Ziche deshalb vor wenigen Tagen an Klötzes Bürgermeister Matthias Mann heran. "Wenn monatlich 30 Flüchtlinge kommen", nannte Matthias Mann eine fiktive Zahl, "muss geprüft werden, ob auch in Klötze, Arendsee und Beetzendorf einige aufgenommen werden können."

Nicht in Aufnahmelagern, sondern in Wohngebieten. Die Stadt Klötze hat keine eigenen Wohnungen mehr. Diese sind vor gut einem Jahr an die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), eine 100-prozentige Tochterfirma der Stadt, übertragen worden. Deshalb sollen im Januar weitere Gespräche mit Wobau und auch der Wohnungsbaugenossenschaft geführt werden. Matthias Mann stellte jedoch eindeutig klar: "Der Kreis muss hier tätig werden, weil die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen in dessen Aufgabenbereich fällt."

Doch das ist für Matthias Mann nur eine Seite der Medaille. "Wichtig ist die Integration der Flüchtlinge", betonte der Bürgermeister. Die Kinder dieser Familien müssten Kindergärten und Schulen besuchen können. "Und das in der Fläche der Einheitsgemeinde. Darauf müssen wir uns ebenfalls einstellen." Die Stadt hätte Anfang der 1990er Jahre bereits Familien aufgenommen und integriert. "Warum sollte das nicht auch heute mit anderen Menschen funktionieren?", fragt sich Matthias Mann.

Öffentlichkeit wird mit einbezogen

Kapazitäten an Wohnungen, in Schulen und Kitas sind allerdings nicht alles, was geklärt sein muss. Dazu zählt beispielsweise weiterführend auch die sprachliche Ausbildung der Flüchtlinge. Denn Unterricht oder ein Platz in der Kita nützen herzlich wenig, wenn das Kind die Sprache nicht versteht.

Matthias Mann möchte in jedem Fall die Öffentlichkeit mit in den Vorbereitungsprozess einbeziehen. Es werde aber keine Plattform für endlose Debatten geben, sagte er im Volksstimme-Gespräch. Entscheidungen dazu sollen jedoch nicht im stillen Kämmerlein fallen.

"Ich stehe dem Ansinnen des Kreises insgesamt positiv gegenüber", zog Matthias Mann für sich ein Fazit.

Voraussetzung für die im Notfall mögliche Unterbringung von Kriegsflüchtlingen in Klötze ist für das Stadtoberhaupt aber auch, "dass die Finanzströme funktionieren". Soll heißen: Das für die Aufnahme von Flüchtlingen in Aussicht gestellte Geld muss den Kreis erreichen und ein Teil weiter bis zu den Wohnungsunternehmen fließen.

Weiterhin fordert Matthias Mann, dass auch bürokratische Hürden zumindest vereinfacht werden. "Zum Beispiel dürfen Asylverfahren nicht so lange wie bisher laufen", stellte er sich vor. Das sei eine gemeinsame Forderung mit dem Kreis.

Auf jeden Fall ist derzeit längst nicht entschieden, ob im kommenden Jahr Kriegsflüchtlinge in der Einheitsgemeinde untergebracht werden. Doch vorbereiten muss sich auf diese Möglichkeit auch die Stadt Klötze.