Der Naturpark Drömling soll ein Biosphärenreservat werden, der Tourismus innerhalb der Einheitsgemeinde gestärkt und das gastronomische Angebot sowie die Übernachtungsmöglichkeiten verbessert werden. Das ist öffentlicher Wille, doch die Realität sieht zu Jahresbeginn anders aus.

Klötze l Bürgermeister und Verwaltungschef Matthias Mann weiß um die Schieflage zwischen einem Tourismuskonzept nach Augenmaß für die Einheitsgemeinde und den Drömlingsanrainern sowie dem tatsächlichen Potenzial an Gastronomie. Im Gespräch mit der Volksstimme sieht das Stadt- oberhaupt jedoch viel Luft, um mittelfristig dem Tourismus in der Außenwirkung ein attraktiveres Aussehen zu verleihen. Für ihn sind die Vernetzungen aller Interessenten und deren interaktive Präsenz im Bereich des Drömlings wichtige Multiplikatoren.

Ebenso gebührt dem Erhalt von Radwanderwegen eine besondere Aufmerksamkeit. Auch müssten Rastplätze im Verlauf der Strecken zum Standard gehören. Nicht zuletzt würden Wanderer wohl lieber jene Strecken durch die Natur erkunden, die mit sanitären Anlagen ausgestattet sind. Die Stadt Klötze besitzt einen reichen Schatz an Sehenswürdigkeiten und eine schöne Natur, so Mann. Das könnte gerade Touristen begeistern, die kapitalkräftig sind und damit auch Geld in der Region lassen würden. All das gehöre in ein schlüssiges Konzept.

Das sind Gedanken aus dem planerischen Bereich. Wird der Ist-Stand beleuchtet, so tickt die Uhr gegen ein Weiter wie bisher. Die Anzahl der gastronomischen Betriebe ist sehr überschaubar, das Angebot an Gästezimmern für Touristen liegt noch darunter. Diese Zahlen sind sicherlich historisch bedingt, könnten jedoch durchaus in einer überschaubaren Zeitspanne verbessert werden, ist Hotelier Konrad Kluge aus Neuferchau der Meinung. Der Berliner spricht von einem regionalen Dornröschenschlaf im Hotel- und Pensionsbetrieb. Kluge betreibt in Neuferchau seit 2009 ein Hotel, das in der überwiegenden Anzahl Geschäftsleute und Kurzurlauber buchen. "Ich präsentiere und vermarkte mein Haus über das Internet; und zwar in einer großen Vielfalt", beschreibt der Hotelier seinen beruflichen Aufwand. Für ihn ist es wichtig, dass Touristen, die bei ihm in Neuferchau rasten möchten, vorab erfahren, was sie für das Preis-/Leistungsverhältnis erhalten. "Dazu gehören auch alle Informationen aus der Region, die weitaus mehr bieten als Übernachtungen. Urlaub muss Freude bereiten, Komfort, Abwechslung und viel Erholung bieten."

Noch viel länger führt Christel Zeitz aus Immekath ein Gasthaus mit bestem Ruf in Sachen Gastronomie. Eigentlich wollte die gelernte Bauzeichnerin den seit 1928 in Familienbesitz geführten Betrieb nicht übernehmen. Doch die Leidenschaft in ihr siegte, die Tradition doch fortzusetzen. "Ich habe bis heute stets viel Courage aufwenden müssen, damit der Gasthof den guten Ruf behält und in aller Munde bleibt", verrät die Chefin eine für Gäste nicht sichtbare Seite des Betriebs. Wenn größere Feiern anstehen oder kulinarische Aktionstage auf dem Programm stehen, dann hat der Arbeitstag schon mal zwölf Stunden. "Ich lebe mittlerweile für meinen Beruf", sagt die Wirtin, die eigentlich Bankkauffrau werden wollte.

Was sie bedauert, sind die Zwänge, keine Zimmer anbieten zu können. Aber ganz aus dem Kopf ist ihr der Gedanke noch nicht entschwunden. Wirkliches Kopfzerbrechen bereitet Christel Zeitz die Bezahlung von Angestellten nach dem aktuell in Kraft getretenen Mindestlohngesetz. "Das muss ich immer noch sacken lassen. Einfach die Preise zu erhöhen, das ist mir zu einfach umgesetzt", klagt die Chefin.