Zum bundesweiten Tag der Erneuerbaren Energien begaben sich Vertreter des gleichnamigen Netzwerks auf Bildungstour. Sie besuchten unter anderem das Bioenergiedorf Neuferchau mit seiner beispielgebenden Bioenergieanlage.

Neuferchau l Noch ist das Biowärmenetz in Neuferchau eine Insellösung. Doch das Beispiel macht Schule. Immer mehr Menschen suchen nach alternativen Lösungen, um ausschließlich erneuerbare Energien zur Strom- und Wärmegewinnung zu nutzen sowie sich von den Energieversorgern unabhängig zu werden.

Ein bemerkenswerter Schritt in diese Richtung ist die Biogasanlage der Produktivgenossenschaft Altmark in Neuferchau mit Nahwärmenetz und Blockheizkraftwerk. 68 Haushalte im Ort sind angeschlossen und lassen sich mit Wärme der Anlage versorgen.

"Im Jahr 2007 haben wir mit einer 500-Kilowatt-Anlage begonnen", erinnerte Geschäftsführer Henry Hartmann an die Anfänge. Er führte die Vertreter des Netzwerks Energiebildung, des Freundeskreises Ökodorf und der Bürgerinitiative "Kein CO2-Endlager Altmark" über das Gelände. Die Anlage wurde erweitert, zwei Blockheizkraftwerke und Hackschnitzelmaschinen zur Verwertung von Biomasse aus dem Drömling kamen hinzu. "2014 ist eine Photovoltaik-Anlage installiert worden", informierte Henry Hartmann. "Sie leistet rund 300 Kilowatt und dient hauptsächlich zur eigenen Energienutzung."

Der Knackpunkt: Die Anlage ist nicht autark und muss auf das öffentliche Stromnetz zurückgreifen. Fällt der Strom aus, könnte keine Wärme in das Netz eingespeist werden, wenn da nicht die Notstromaggregate für den nötigen "Saft" sorgen würden. "Es wäre schön, wenn wir uns komplett vom Stromnetz trennen könnten", resümierte Hartmann.

Zwei der großen Behälter fassen 2400 Kubikmeter, ein neuerer 4000 Kubikmeter. Beschickt werden sie täglich mit 30 bis 40 Kubikmeter Gülle, jeweils drei Tonnen Stalldung von Schweinen und Rindern sowie Mais und Getreidesilage. Daraus entsteht Biogas zur Energiegewinnung.

Rund 600 Meter entfernt stehen die beiden Blockheizkraftwerke, die mit Hackschnitzeln befeuert werden und die Wärme für das Dorf liefern. Diese und die Verteileranlage sind von den Gästen ebenfalls besichtigt worden.

Organisator Lothar Lehmann sagte, dass am Sonnabend auch eine Solarstation, die Wasserkraftanlage Dambeck und die Firma SCM Solar in Pretzier besichtigt werden. Sein Fazit: "Wir haben in der Altmark große Potenziale und schon einige Leuchttürme."

Bilder