Schluss mit dem Winter! Dieser Forderung verleihen die Jahrstedter und Germenauer jährlich Nachdruck mit einem lautstarken Wochenende: Am Samstagabend ging der Bärenleiertanz im Saal über Bühne und Parkett, am gestrigen Sonntag dann der Bärenleierumzug durch die Straßen. Während der Abend der Ermittlung der Besten diente – mit Blick auf Beiträge der Castingshow und auf die Kostüme der Besucher –, drehte sich am Sonntagmorgen alles um zwei Strohbären und unzählige Hühnereier.

Jahrstedt. "Lass dich mal anschauen, Bär!" Wenn auf diese Frage kein Gebrumm in Jahrstedt zu hören ist und wenn auf der Haut statt flauschigem Bärenfell Stroh zu wachsen scheint – Bingo! – dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen der sehr seltenen Bärenleier-Bären. Zwei Exemplare dieser außergewöhnlichen und nur einmal im Jahr anzutreffenden Spezies sind am Sonntagmorgen auf den Straßen von Germenau und Jahrstedt gesichtet worden. Der Grund: Die Jahrstedter Junge Gesellschaft hatte auch für dieses Jahr wieder einen Umzug durch das Doppeldorf organisiert.

Begleitet von einer Kappelle und von trotz traurig-grauen Wetters allerlei gutgelaunten Menschen, sind Bimbo und Jumbo – unter deren Masken und Strohfellen sich Florian Pischel und Robert Meyer verbargen – durch die Straßen teils geleitet, teils getrieben worden. Diejenigen, die mit ihren Scherzen weiter als die anderen gingen, wurden zuweilen von Jägern zu Gejagten.

Mit dabei in dem Umzug waren auch Kiepenträger und Spendenbüchsensammler, die an den Haustüren die Gaben der Bewohner einsammelten. Traditionell standen dabei Hühnereier im Mittelpunkt des Begehrs, denn nach dem Umzug durch das Dorf stand die Zubereitung von Eierback im Jahrstedter Saal auf dem Programm.

Dies dürft eine Stärkung gewesen sein, die vielen der Aktiven und Besucher gut getan haben wird – immerhin hatten die meisten von ihnen am Abend zuvor bärenstark Durchhaltevermögen bewiesen.

Wie Marcus Griem, Kassenwart der Jungen Gesellschaft, gegenüber der Volksstimme erklärte, seien trotz der Feier bis in den frühen Morgen fast alle Beteiligten pünktlich um sechs Uhr zum Einkleiden der Bären erschienen. Für Verpätungen muss nämlich Strafe gezahlt werden – so etwas diszipliniert selbst nach einer durchgefeierten Nacht.

In anderen Jahren ist es dennoch mit der Pünktlichkeit nicht immer so wie in diesem Jahr gewesen: Es sei auch schon vorgekommen, dass die Kapelle bereits vor dem Schafstall musiziert hat, während die Bären noch nicht in Stroh eingewickelt waren, wird berichtet.

Das Vorabendprogramm – der Bärenleier-Tanz – stand übrigens unter dem Motto "Jahrstedt sucht das Supertalent". Eine Castingjury hatte dabei – angelehnt ans Vorbild aus dem Fernsehen – die Kandidaten beurteilt. Besonders gut beim Publikum kamen dabei offensichtlich die jungen Tänzerinnen der GSG 9, Marco Müller als Cindy aus Marzahn, Christoph Sperling mit der Gitarre sowie Daniela Schmidt am gleichen Instrument an: Sie wurden johlend und unter Applaus zu Zugaben gedrängt.

Neben der teils fantasievollen Kostümierung von Kandidaten – hier fiel besonders auch eine als japanische Familie auftretende Casting-Gruppe auf – hatten sich auch viele Besucher des Festes farbenfroh in Schale geworfen: als die besten Kostümierungen wurden eine Gruppe von Matroschkas, ein Schwarm Marienkäfer und eine Blue-Man-Group ausgezeichnet.

Weiteres zur diesjährigen Jahrstedter Bärenleier folgt in einem weiteren Beitrag in der Volksstimme.