Ihre Jahreshauptversammlung hat die Freiwillige Feuerwehr Jahrstedt am Sonnabend absolviert. Zu Buche stehen unter anderem zehn Einsätze, eine Übung, Aktivitäten im Dorfleben - und auch eine Reihe an Kritikpunkten. Diese vor allem an den Bedingungen, mit denen die meisten freiwilligen Feuerwehren klarkommen müssen.

Jahrstedt. Vier Jahreshauptversammlungen von freiwilligen Feuerwehren haben im Raum Klötze am Wochenende stattgefunden. Eine der Lokalitäten war der Saal im Drömlinger Hof: Hier trafen sich die Feuerwehrfrauen und -männer der Jahrsteder Wehr unter der Leitung ihres Leiters Randy Schmidt.

In seinem Jahresbericht fasste er die Eckpunkte der Arbeit zusammen, fand lobende und auch einige kritische Worte. Insgesamt hatten demnach die Aktiven zehn Einsätze und eine Übung zu bewältigen. Randy Schmidt: "Das war wesentlich mehr als in den vergangenen Jahren; seit 2000 mussten wir insgesamt 54 Mal ausrücken."

Zwei Ereignisse hob der Jahrstedter Wehrleiter in seinem Bericht gesondert hervor. Zum einen ging Schmidt auf den Brand in einer Scheune beim Böckwitzer Museumsverein am 16. Juli 2010 ein: "Dort haben wir bewiesen, wie gut unsere Wehr arbeitet." Im Einsatz waren bei diesem Brand 15 Feuerwehrleute der Jahrstedter Wehr, die mit zwei Fahrzeugen angerückt waren. "Leider hat sich bislang der Museumsverein nicht für unsere Arbeit bedankt", merkte Randy Schmidt zu diesem Einsatz an.

Und auch bei der zweiten großen Bewährungsprobe des vergangenen Jahres war Undank der Welten Lohn: Zur Weihnachtszeit des vergangenen Jahres hatten Schneemassen dazu geführt, dass Bäume umstürzten und dabei auch unzählige Stromleitungen einrissen. Dies wiederum hatte gerade in den ländlichen Gebieten dazu geführt, dass die Stromversorgung zusammengebrochen war.

Die Folge: Wie es in der Einheitsgemeinde vorgesehen ist, besetzten die Feuerwehrleute ihr Gerätehaus - als Anlaufpunkt für Bürger, die von Stromversorgung und Kommunikationswegen wie dem Telefon abgeschnitten waren und die Unterstützung benötigten. Zudem rückte die Jahrstedter Wehr mehrfach aus, um Bäume und Äste beiseite zu räumen, die die Straßen der Umgebung gekippt versperrten.

"Habe das Gefühl, dass unser Einsatz missbraucht wurde"

Für Unmut sorgte im Zusammenhang mit den Stromausfällen indes ein weiteres Ereignis: In der Umgebung hatte ein Baum eine Stromleitung zerrissen. Die Freiwillige Feuerwehr Jahrstedt war zu der Stelle beordert worden, um das gerissene Kabel zu bewachen. Randy Schmidt: "Avacon hat es sich da ganz schön einfach gemacht." Der Wehrleiter berichtete, dass er mehrfach mit dem Stromversorger, dem die betroffene Leitung gehört, telefoniert habe: "Es war bis Heiligabend einfach nicht zu erfahren, ob die Leitung immer noch unter Strom steht." Auch wenn der Stromversorger angesichts der Vielzahl an Einsätzen in dieser Zeit selbst unter ungewohnter Spannung stand: Randy Schmidt hätte sich eine bessere Zusammenarbeit gewünscht. Mit Blick auf die Stromleitung-Bewachung, mit der sich die Jahrstedter Wehr etliche Stunden herumschlagen musste, erklärte Schmidt: "Ich habe das Gefühl, dass für diese Sache unser Einsatz missbraucht wurde." Auch von Avacon habe es bis heute keinen Dank für die ehrenamtliche Unterstützung der Jahrstedter Feuerwehr gegeben.

Neben den Einsätzen spielen im Alltag der Feuerwehr auch in Jahrstedt Übungen und die Unterstützung für das Dorfleben eine große Rolle. Was die Übungen angeht, so vermeldete der Wehrleiter 20 Tage Standortausbildung mit einer Dauer von jeweils zweieinhalb Stunden Länge. Viele seiner Feuerwehrleute hätten daran wie gefordert teilgenommen, andere allerdings sind nicht auf die geforderten 40 Ausbildungsstunden gekommen. Ein aus den Vorjahren bekanntes Problem.

In bekannter Art und Weise appellierte der Wehrleiter daher an die Aktiven seiner Wehr: "Ich weiß, dass dieser Übungsumfang oft schwer mit den Arbeitszeiten zu vereinbaren ist. Deshalb bieten wir die Übungsstunden ja auch an verschiedenen Tagen an. Und da es immer wieder etwas Neues zu lernen gibt, ist es wirklich wichtig, dass unsere Mitglieder diese Ausbildung absolvieren."

Neben der Standortausbildung haben mehrere Feuerwehrleute der Jahrstedter Wehr an Spezialausbildungen auf Kreis- und auf Landesebene teilgenommen. Auch in diesem Zusammenhang kritische Töne: Zwar werde immer wieder eine solide Ausbildung und entsprechendes Engagement in den einzelnen Feuerwehren gefordert. Auf der anderen Seite gebe es gar nicht genügend Ausbildungsplätze. Schmidt nannte als Beispiel die Funkausbildung: "Für das gesamte Gebiet der Einheitsgemeinde hat es im vergangenen Jahr gerade einmal zwei Plätze gegeben. Ich habe den Eindruck, dass unsere Region völlig vergessen wird." Im Zusammenhang mit der Knappheit an Ausbildungsplätzen sei es wünschenswert, wenn in allen Feuerwehren der Verzicht auf Plätze frühestmöglich gemeldet wird, damit Mitglieder anderer Wehren einspringen können und die wertvollen Ausbildungsplätze nicht ungenutzt bleiben. Und wünschenswert, so Schmidt, sei es auch, wie am 5. September einen Brandsimulator nutzen zu können: "Nur so können wir den Ernstfall üben. Und dabei geht es um unser Leben", so Schmidt.

Mariana Apmann als Leiterin der Frauengruppe berichtete davon, wie sich die Feuerwehrfrauen einbringen und von einem Besuch in der Feuerwehrschule Heyrothsberge und der neuen Feuerwache Nord in Magdeburg. "Das war wirklich sehr interessant."

Jugendwart Tino Lüders konstatierte, dass seine 14-köpfige Truppe 24 Dienste à zwei Stunden absolviert hat, an Wettkämpfen wie Manöver Schneeflocke und dem Löschangriff nass teilgenommen habe und auch mitgeholfen habe, als im Winter Wege vom Schnee befreit werden mussten. Als Zeichen für den Rückhalt des Feuerwehrnachwuchses zählte Lüders den Erfolg der Schrottsammlung: Es war wesentlich mehr Schrott zusammengetragen worden, als zuvor vermutet. Von dem Erlös wurden Jacken für die Jugendfeuerwehr finanziert.

Neben der eigentlichen Arbeite in Sachen Brandschutz, Brandbekämpfung und technischer Hilfeleistung leistet die Feuerwehr einen wesentlichen Beitrag zum Dorfleben: Im vergangenen Jahr gab es neben anderen Veranstaltungen das Osterfeuer, die Beteiligung am Kunrauer Schlossfest, einen Tag der offenen Tür und die Kranzniederlegungen am Volkstrauertag. Und am 1. Juni begleitete die Wehr einen halben Tag die Kinderfeuerwehr in der Kindertagesstätte.

Zahlen und Fakten

Die Feuerwehr Jahrstedt hat 111 Mitglieder. Von diesen sind 51 Aktive (36 Männer und 15 Frauen), 36 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung, 14 in der Jugendwehr und 10 in der Kinderfeuerwehr

Einsätze des vergangenen Jahres: 13. Februar: Kleinbrand gelöscht; 10. April: Fehlalarm; 16. Juli: Brand Museumsscheune; 25. September: Übung in Steimke; 14. Dezember: Kellerbrand; ab 23. Dezember: Kleinbrand sowie weitere Einsätze wegen Schneebruchs

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