Noch kann Helmut Jachalke, Leiter des Klötzer Betreuungsforstamtes, nicht einschätzen, wie viele Festmeter Schneebruch es in den Wäldern des Altmarkkreises Salzwedel gibt. Jedoch weiß er schon jetzt ganz genau, dass es Monate dauern wird, bis diese Schäden beseitigt sind.

Klötze. So viel Schneebruch, wie es nach den widrigen Witterungsverhältnissen um die Weihnachtsfeiertage gegeben hat, kennen selbst ältere Forstleute nicht. "So etwas hat es wohl hier in solchem Ausmaß in den Wäldern bisher noch nicht gegeben", ist sich Helmut Jachalke, Leiter des Klötzer Betreuungsforstamtes, sicher. Er rechnet damit, 250 000 Festmeter Schneebruch-Holz aus den insgesamt 22 700 Hektar Wald, die sein Amt für elf Forstbetriebsgemeinschaften mit 4500 darin organisierten Waldbesitzern betreut, bis zum Abschluss aller Arbeiten aus den Wäldern holen zu müssen.

Wochen hat es gedauert, bis die Revierförster in Absprache mit den Waldbesitzern einen kompletten Überblick über das Ausmaß der Schäden hatten. Die Sprühflasche mit der roten Farbe, die jene Bäume kennzeichnet, die aus dem Wald raus müssen, war in diesen Wochen eines der wichtigsten Arbeitsutensilien der Förster gewesen. Und dabei wird es noch eine geraume Zeit bleiben. Aber auch die Telefone der Förster sind seit Wochen ein Arbeitsutensil, das fast pausenlos im Einsatz ist: Waldbesitzer fragen immer wieder nach dem Stand der Abarbeitung der Schneebruchschäden nach. "Unsere Revierförster sind dran und gehen bis an ihre Leistungsgrenze", weiß Helmut Jachalke aus der täglichen Arbeit.

Zwölf Stunden pro Tag ist beispielsweise Revierförsterin Susanne Kalweit derzeit im Einsatz. Immerzu klingelt während unseres Gesprächs ihr Telefon. Sie muss selbst in den Abendstunden und am Wochenende nicht nur Rücksprachen mit den privaten Waldbesitzern treffen, sondern im Moment auch mit Thomas Kaiser und Ulf Geißler von der Firma Holzbrennstoffe Rathenow. Die beiden Männer haben sich in dieser Woche nämlich entschieden, ab sofort im Zwei-Schicht-System den großen Harvester zu fahren, um dem Schneebruch in einem Waldstück bei Mellin so schnell wie möglich Herr zu werden. Ihre und andere Arbeiten muss Susanne Kalweit koordinieren. Neben dem Bagger aus Rathenow sind weitere elf Maschinen, ein weiterer Bagger und zehn Harvester, in den Revieren des Betreuungsforstamtes im Einsatz. "Wir haben versucht, so viel wie möglich zusätzliche Kapazitäten und Firmen zu binden", erklärt Helmut Jachalke. Zwei weitere Maschinen könnten eventuell noch dazu kommen, um die viele Arbeit zu unterstützen. Denn derzeit zeichnet sich schon ab, dass bis Jahresende nicht alle Schneebruchschäden beseitigt sind, "auch wenn das vielleicht unser erklärtes Ziel ist und wir rund um die Uhr dafür arbeiten", wie Helmut Jachalke ankündigt.

Holzpreise bleiben stabil

Und doch muss der Leiter des Betreuungsforstamtes die Waldbesitzer um Geduld bitten. "Diese zwölf Maschinen können nicht gleichzeitig überall sein. Unsere Revierförster koordinieren die Arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen." Sorgen von Waldbesitzern, es könnten womöglich die Holzpreise bei dem vielen Anfall von Schneebruch-Holz im Laufe des Jahres sinken, kann Helmut Jachalke nicht teilen: "Die Preise bleiben stabil. Wir haben die Verträge mit den Abnehmerfirmen, und an diesen Verträgen wird nicht gerüttelt, wie uns die Firmen bestätigt haben." Er weiß zudem von den Firmen, wie unter anderem dem Spanplattenwerk in Nettgau, dass deren Holzverbrauch weit über den Festmetern liegen, als die Mehr-Festmeter, die sie jetzt zusätzlich abnehmen werden.

Auch Diana Fiedler, Leiterin des Reviers Kunrau, muss derzeit einen Arbeitstag von zehn Stunden und mehr in Kauf nehmen, um die Arbeiten in den Wäldern zu koordinieren. An eine 37-Stunden-Arbeitswoche denkt die Forstfachfrau derzeit nicht: "Ich kann ja meine Waldbesitzer nicht so einfach hängenlassen, habe Verständnis dafür, dass jeder seinen Wald in Ordnung haben möchte." Das hat sie vor einigen Tagen auch den Mitgliedern der Immekather Forstbetriebsgemeinschaft auf deren Jahreshauptversammlung so versichert.

Gerade eben war sie auf Kontrollfahrt bei Nils Fricke. Der sitzt derzeit zehn Arbeitsstunden pro Tag auf seinem Harvester im Revier Kunrau. 120 Festmeter Holz kann er pro Tag aufbereiten; je nach Dicke der Bäume. Eine durchaus gute Leistung, wie Diana Fiedler einschätzt, sich aber bewusst ist, dass das Jahr noch ganz schön viel Arbeit mit sich bringen wird. Während sonst in ihrem Revier Kunrau im Jahr etwa 8000 Festmeter Holz geschnitten werden, sind es in diesem Jahr durch den Schneebruch vielleicht 20 000 Festmeter.

Kaum hat Diana Fiedler mit Nils Fricke die nächsten Arbeiten besprochen, sitzt sie in ihrem Auto, um weiter in ein Waldstück zwischen Immekath und Kusey zu fahren. Dort trifft sie auf Christian Stahl aus Meinerzhagen im Sauerland. Um 2.30 Uhr ist der junge Mann in seinem Heimatort aufgebrochen, um für die nächsten Wochen im Revier von Diana Fiedler den Schneebruch beseitigen zu helfen. Bei seiner Ankunft in dem Waldstück hat er nur kurz eine Pause eingelegt, dann aber sofort den Zündschlüssel in seinem Harvester umgedreht. Bis sein Chef am frühen Nachmittag eintrifft, will Christian Stahl schon einige Festmeter auf dem Tacho stehen haben.

Eigentlich ist Christian Stahl nach dem Sturm Kyrill "katastrophenerprobt", "aber so etwas wie hier habe ich bisher auch noch nicht gesehen".

In einer Pension in Klötze übernachtet er, wenn er nach einem 12-Stunden-Arbeitstag von seinem Harvester steigt. Dort, wo er im Moment im Einsatz ist, muss er sehr viele Bäume beseitigen: "Dabei sollten die alle mal sehr viel älter werden", wie die Försterin bedauert.

Um 12.30 Uhr die erste Pause

Um 7 Uhr haben Manfred Grieger und Sven Gadesmann im Revier Apenburg bei Förster Sebastian Lippold ihren Arbeitstag begonnen. Während der Weteritzer Manfred Grieger auf dem Harvester sitzt und für den Holzeinschlag und -schnitt zuständig ist, sitzt Sven Gadesmann, der eigentlich in Dannenbüttel in Niedersachsen beheimatet ist, auf dem Rückezug. Gegen 12.30 Uhr gönnen sich die beiden Männer die erste Pause mit einem Brot und einem Getränk. "Unsere erste Pause, denn wenn wir erst einmal angefangen haben, denn flutscht die Arbeit", weiß Manfred Grieger, der Holzeinschlag-Experte. Bis 18 Uhr wollen sie jeden Tag ihre Arbeit durchziehen, denn glücklicherweise ist es abends jetzt ja schon länger hell. Ihre Mittagspause ist nur kurz, denn 100 bis 150 Festmeter Holz wollen sie jeden Arbeitstag schaffen.

Revierförster Sebastian Lippold, der auch so einen langen Arbeitstag wie seine Kolleginnen in den Revieren Kunrau und Jübar hat, erklärt: "Erst kommen die starken Bestände dran, dann die anderen." Das sei im Sinne der Waldbesitzer, für die Sebastian Lippold arbeitet. Er rechnet in seinem Revier damit, bis zum Jahresende etwa 30 000 Festmeter Schneebruch eingeschlagen zu haben. Dass dann alle Arbeiten erledigt sind, glaubt auch er nicht: "Dafür ist hier zu viel kaputt gegangen." Viele Erklärungen muss er Manfred Grieger und Sven Gadesmann nicht geben, denn die sind seit Jahren erfahrene Mitarbeiter darin, Holz einzuschlagen und zu rücken.