Ein tolles Angebot macht der Oebisfelder Heimatverein für geschichtsinteressierte Altmärker. In einer nächtlichen Stadtführung erzählt Ulrich Pettke als Nachtwächter Wissenswertes über die Historie der Stadt, gibt Anekdoten zum Besten und sorgt mit Hilfe seiner Mitstreiter für einige Überraschungen.

Oebisfelde. Mit Allerwasser und Burggeist, süffigem Likör in kleinen Flaschen, die der Heimatverein neu im Angebot hat, werden die Gäste auf dem Burghof begrüßt. Auch Selters und Brause sind im Angebot, bevor Ulrich Pettke als Nachtwächter in siebenter Generation mit der Stadtführung zu nächtlicher Stunde beginnt.

Schon fast setzt sich die Gruppe aus 50 Männern und Frauen in Bewegung, als Flötenmusik ertönt. Ein Fenster des Gesindehauses öffnet sich. "Kuster mich? Wol tûsenstunt! tandaradei! seht, wie rôt mir ist der Munt", singt Oliver Wolf zum Spiel der Tenorflöte seiner Frau Michaela. Walter von der Vogelweide schrieb das Lied im 12. Jahrhundert.

Nach der musikalischen Begrüßung geht es dann zum kleinen Burghof. Dort gibt Pettke kurze Erläuterungen zur Burg mit ihrem großen Turm mit Kaminzimmer im oberen Geschoss und Verlies im Tonnengewölbe. Er erzählt von Folter der Gefangenen, von Daumen- und Zehenschrauben, Knochenbrechen und Ohrabschneiden. Als schaurige Rufe aus dem Turm zu hören sind, macht sich die Gruppe lieber auf den Weg in die Achterstraße. Dort zeigt der Nachtwächter, dass er durchaus von Tuten und Blasen Ahnung hat. "Man stelle sich vor, ich könnte das nicht, dann wüsste niemand im Volke, ob gerade für eine Bekanntmachung oder wegen eines großen Feuers geblasen wird", stellte der Nachtwächter klar. Er erzählte, dass er schon in siebenter Generation das Amt bekleidet, klagte über sein karges Gehalt, welches er von den Stadtoberen bekommt, und das, obwohl er sich mit vielerlei Gesindel herumplagen müsse. Wie aufs Stichwort kommt ein Bettler herbeigehumpelt und schnorrt einen Apfel. Auch ein Spanner und ein Säufer, der von seiner Frau nach Hause gescheucht wird, begegnen der Gruppe noch. So mancher bekam in den dunklen Straßen der Stadt einen gehörigen Schreck beim Auftauchten so manch zerlumpter Gestalt. Dass in der Stadt Ordnung herrscht, erfuhren die Gäste der Führung aber spätestens auf dem Markt. Dort stand einer der Halunken in der Schandgeige eingeklemmt, um für seine Verstöße zu büßen.

Während der Führung macht Pettke auf viele Besonderheiten in der Stadt aufmerksam, so gehört ein Ständerhaus in der Achterstraße zu den ältesten Gebäuden Norddeutschlands, weisen an der Katharinenkirche Schürfspuren darauf hin, dass früher Gläubige einige Krümel Sandstein der Kirche mit nach Hause nahmen und als Schutz vor Krankheiten in Essen mischten, und zeigen tiefe Rinnen die Stelle, wo am Burgtor die Ritter ihre Lanzen schärften.

Für Sonnabend, 14. Mai, ist eine weitere Nachtwächterführung geplant. Da auch diese Führung bereits ausverkauft ist, wird wahrscheinlich ein weiterer Termin folgen.

   

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