Versinnbildlicht man das Wefensleber Ziegelwerk mit einem Schiff, müsste es heißen: Friedrich Hobohm (65) hat Werftarbeit und Stapellauf miterlebt, manövrierte den Kahn durch Klippen und Stürme hin zu neuen Ufern. Jetzt ist der Kapitän von Bord gegangen.

Wefensleben l Viele in Eilsleben wunderten sich. Der Sohn von Fleischermeister Fritz Hobohm, Friedrich, will nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Geschäft einmal übernehmen? Der geht in die Chemieindustrie nach Premnitz? "Ja, das war so", erinnert sich Friedrich Hobohm heute zurück, "ich hatte mich sehr für Chemie interessiert, wollte nie Fleischer werden. Es gab zu Hause keine Diskussion, meine Eltern hatten Verständnis."

Nach Berufsausbildung und Abitur absolvierte Hobohm an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar ein Studium zur Baustoffverfahrenstechnik. Und obwohl es dabei um Grobkeramik wie Ziegel oder Beton ging, schrieb er eine Diplomarbeit zur Herstellung von Tellern in der Feinkeramik. Vielseitig ausgebildet, führte ihn sein Weg schließlich wieder zurück in die Bördeheimat.

Verheiratet mit Edeltraud und dem Ziegelwerk

Friedrich Hobohm kannte das Ziegelwerk Wefensleben schon, als es nur auf dem Papier existierte. Über 40 Jahre ist es nun her, da saß er als frisch gebackener Diplomingenieur im Ziegelwerk Magdeburg in der Aufbauleitung für ein neues Werk in Wefensleben. Als das im Mai 1978 die Produktion aufnahm, war er die rechte Hand von Betriebsleiter Georg Hartwig, und als der 1989 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Kraft genug hatte, übernahm Friedrich Hobohm die Leitung und bereitete die Übernahme durch den weltweit größten Ziegelhersteller Wienerberger vor. Seitdem ist er nicht nur mit seiner Ehefrau Edeltraud sondern auch mit dem Betrieb verheiratet. "Jeden Abend bin ich immer noch einmal hingefahren, um nach dem Rechten zu sehen", erzählt er und freut sich letztlich auch, dass dieses Ritual nun nicht mehr gepflegt werden muss.

Mit der Übernahme des Werkes waren umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen zu bewältigen gewesen, die hohe Anforderungen an alle Mitarbeiter gestellt hatten. Das hat Werkleiter Hobohm mit seinen Leuten alles in den Griff bekommen. "Besonders schwer sind mir allerdings die personellen Veränderungen gefallen", sagt er, "wir mussten die Mitarbeiterzahl von 140 auf 36 reduzieren. Das war das Schwierigste und hat mir schlaflose Nächte bereitet." Die alte Anlage wurde demontiert, Wienerberger beschloss einen Werksneubau wegen der guten Marktentwicklung in den neuen Bundesländern.

Das neue Werk mit hochentwickelter Produktionstechnik ging im Oktober 1992 in Betrieb. "Seitdem wurde immer wieder erneuert und modernisiert, und es konnten auch wieder zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden", so der scheidende Werkleiter, der sicher ist: "Die kostengünstige Herstellung und der hohe Qualitätsstandard haben dem Werk Wefensleben das Überleben gesichert." Ständig war Hobohm auf der Suche nach Verbesserungen und Einsparungen - und er fand sie auch. Während drei von den vier Wienerberger-Werken in Sachsen-Anhalt wieder geschlossen werden mussten, ging es in Wefensleben immer weiter voran.

Betrieb bleibt in guten Händen

"Eine Besonderheit bei uns ist zum Beispiel der 3-fix-Ziegel, der aufgrund seiner hohen Genauigkeit nur mit Bauschaum verarbeitet werden kann. Nur zwei Werke bei Wienerberger können das", berichtet der 65-Jährige stolz. Ende des Jahres ging Hobohm von Bord. Ruhestand. Als Familienmensch will er jetzt viel Zeit mit den drei Enkelkindern verbringen und mit ihnen auf Reisen gehen. Besonders liebt er Kreuzfahrten mit seiner Frau. "Sein" Ziegelwerk, das über vier Jahrzehnte gleichsam Beruf und Hobby war, weiß er in den Händen einer guten Mannschaft. "Die ist zuverlässig und hoch qualifiziert", urteilt er. Trotzdem will er das "Hobby" nicht ganz aufgeben: "Zu besonderen Projekten stehe ich dem Betrieb weiter zur Verfügung." Ein Idealfall für einen unruhigen Ruheständler.

 

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