Die Bienen in Oschersleben haben schon viel zu tun. Gut einen Monat früher als normal verlassen die fleißigen Insekten bereits ihre Behaus-ungen, um fleißig Blüten zu bestäuben. Doch laut Imkerverein könnte der "Frühstart" auch zu Problemen führen.

Oschersleben l "Jedes Jahr ist ein neues Jahr. Doch derzeit ist es schon etwas ganz Besonders", erzählt Virginia Heyd und bringt es auf den Punkt: "Aufgrund des milden Winters und der aktuell hohen Temperaturen mit viel Sonnenschein sind die Bienen schon unterwegs." Das verspreche zwar zunächst eine hohe Honigernte zum Ende der Saison, doch mit Bestimmtheit sei das nicht zu sagen. Denn der milde Winter könnte für die Bienenvölker auch hart gewesen sein. "Wir schauen in die Magazine zwar nicht rein, um die Völker nicht zu stören", sagt Heyd, die auch die Vorsitzende des Imkervereins Oschersleben und Umgebung ist. Doch läge die Vermutung nahe, dass sich die Völker über den Winter keine Brutpause gegönnt haben und dadurch geschwächt sein könnten.

"Jeder kann sich die fleißigen Helfer in den Garten stellen."

"Allerdings rechnen wir damit, dass es mit der Bienensaison früher als im Normalfall losgeht, vorausgesetzt das Wetter bleibt so mild", betont die Bienenfachfrau. Doch könne auch ein unerwarteter Kälteeinbruch die Bienen noch schwächen. Sogar ein größeres Sterben sei möglich, weil durch die Unterbrechung des Blütenwachstums die Bienen keine Nahrung hätten.

Bedingt durch die Wetterkapriolen könnte künftig auch der Kleine Beutenkäfer viel Schwierigkeiten machen. Heyd: "Der hat sich zum Glück zwar noch nicht in Deutschland verbreitet." Das milde Wetter und das Einschleppen durch den Menschen über Einkäufe von Bienenvölkern aus südlicheren Gefilden könnte der Käfer-Expansion jedoch Vorschub leisten. Auch die aktuell viel gefährlichere Varroa-milbe könnte von den milden Temperaturen profitieren. "Die entwickelt sich bombastisch bei diesem Wetter und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock", erklärte die Vereinsvorsitzende.

Der Imkerverein Oschersleben und Umgebung zählt aktuell 40 Mitglieder, darunter sind acht Frauen. "Unser Durchschnittsalter beträgt jetzt 52, vor fünf Jahren waren wir noch gut zehn Jahre älter", sagt Heyd und begründet: "Mit unserem Nachwuchs sieht es ganz gut aus. Die Jugendlichen haben ganz frei angefangen weil sie gemerkt haben, dass sich die Arbeit mit den Bienen im eigenen Garten gut anbietet. So können sie den Umgang und das Leben mit der Natur am besten lernen."

In Oschersleben sei die Bienendichte und die Anzahl an Völkern sehr hoch, vor allem in der Kernstadt. Allein 30 Völker seien über den Verein verteilt. Doch in den Ortsteilen im ländlichen Raum gebe es viel zu wenig davon. "Und das, obwohl Kleingärtner immer erfreut sind, weil beispielsweise die Obsternte mit auch nur einem Bienenvolk in der Nähe besser ausfällt", sagt die Fachfrau und wirbt: "Jeder kann sich die fleißigen Helfer in den Garten stellen. Ein Blick pro Woche reicht aus, alle Pflanzen werden bestäubt, Honig kann geerntet werden und Spaß an der Natur ist auch noch mit im Paket." Warum sie das so betont, machen die nächsten Zahlen deutlich. So habe das Land Sachsen-Anhalt mit einem halben Volk pro Quadratkilometer die geringste Bienendichte in ganz Europa.

"Doch das soll sich jetzt ändern", betont Heyd und erklärt, dass aktuell rund 70 Prozent des Material-Einsatzes für Neuimker durch die Europäische Union gefördert würden. Das mache aus ihrer Sicht auch deshalb Sinn, weil die Biene das wichtigste Nutztier sei: Selbst Schweine und Kühe hätten nichts zu fressen, wenn das fleißige Insekt nicht alles bestäuben würde.

Außerdem steige dann die Gesamtproduktion an leckerem Honig. Was das angeht, waren die vergangenen zwei Jahre übrigens eher schlechte Bienenjahre. Immerhin brachte jedes Volk im Durchschnitt zwar noch rund 30 Kilogramm an Honig ein. In einem guten Jahr seien es jedoch sogar bis zu 80 Kilogramm des süßen Saftes.

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