Die Oschersleber Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos will sich auf immer älter werdende Mieter einstellen. So sollen Bäder von Wohnungen in Erdgeschossen nach und nach in einen barrierefreien Zustand versetzt und die Anzahl an Wohnungen ohne Treppen und Schwellen erhöht werden.

Oschersleben l "Wir wollen damit dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Mit der Zunahme älterer Mieter wird sich auch der Bedarf an Wohnungen mit der altersgerechten Ausstattung erhöhen", sagte Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth im Rahmen eines Pressegesprächs. Seinen Worten zufolge liegt das Durchschnittsalter der Mieter in seinem Unternehmen bei 53 Jahren, 40 Prozent seien sogar über 60 Jahre alt.

Bis zu zehn Bewos-Wohnungen sollen pro Jahr im Zuge von Sanierungsmaßnahmen ein barrierefreies Bad erhalten. Bereits im vergangenen Jahr seien fünf solcher speziellen Sanitärbereiche in Wohnungen in Oschersleben gebaut worden. "Die zusätzlichen Investitionskosten liegen zwischen 3000 und 5000 Euro pro Bad", erklärte der Bewos-Chef. Finanziert würden die Umbauten zwar über eine geringe Erhöhung der Mieten. Diese können sich jedoch Mieter in einer Pflegestufe durch ihre Pflegekassen fördern lassen. Insgesamt würden hier pro Person 2556 Euro gezahlt werden.

"Von den Umbaumaßnahmen profitieren beide Seiten, sprich Mieter und Bewos. Wir bieten den älteren Menschen adäquaten Wohnraum und wir können etwas höhere Mieten generieren", erklärte Harborth. Allein Entgelte im untersten Bereich würden wirtschaftlich nicht ausreichen, um sich zukunftsfähig aufstellen zu können. Vielmehr seien die barrierefreien Angebote eine wirtschaftliche Notwendigkeit. "Solch eine Wohnung wird dem Mieter bis 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten. Im Gegensatz dazu beträgt eine Durchschnittsmiete bei uns derzeit 4,47 Euro pro Quadratmeter", rechnet die Bewos-Prokuristin Gaby Hoffmann vor.

Auch deshalb will das Unternehmen nicht nur Bäder in den Erdgeschossen sanieren, sondern verstärkt ganze Wohneinheiten fit für die ältere Generation und sogar für Menschen mit Behinderungen machen.

Barrierefreiheit bedeutet baulich hohen Aufwand

Als Beispiel nannte Harborth den Plattenbau in der Einsteinstraße, den seine Gesellschaft derzeit gemeinsam mit der Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben" saniert. Hier würden sogar die Treppenhäuser komplett entfernt werden. Die einzelnen Stockwerke sollen später über außen angebrachte Fahrstühle erreichbar sein.

"Pro Etage werden zudem zwei Wohnungen entstehen, die auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind", erklärte Harborth weiter. Besonders aufwendig sei die Realisierung von barrierefreien Duschen in den Obergeschossen, da hier der nach unten verlaufende Strang für das Abwasser und damit das nötige Gefälle für den Abfluss fehle. "Hier müssen Pumpen installiert werden, die das Duschwasser zunächst auf eine andere Höhe bringen, um es dann in den normalen Abwasserstrang zu führen", beschreibt der Geschäftsführer und verweist auf ein funktionierendes Schaubad in der Bewos-Zentrale An der Wasserrenne. "Hier können sich Interessenten einen Einblick verschaffen, wie solch ein Bad funktioniert und welch hoher baulicher Aufwand betrieben werden muss, um es zu realisieren." Der Rückbau des Plattenbaus im Norden der Stadt soll bis Juli beendet sein und der Aufbau ab August beginnen. Mit einer Neuvermietung rechnet der Bewos-Geschäftsführer ab dem Frühjahr 2015.

"Wir sind als Tochterunternehmen der Kommune natürlich auch verpflichtet, die Stadt Oschersleben weiter zu entwickeln", betonte Thomas Harborth. Ziel müsse es sein, die Abwanderung abzuschwächen und die Zuwanderung zu stärken. Das gehe auch über ein attraktiveres Wohnungsangebot.

Bundesweit sind aktuell etwa zwei Prozent aller Wohnungen barrierefrei, bei der Bewos sind es eigenen Angaben zufolge etwa 3,5 Prozent. Bis zum kommenden Jahr soll der Bestand auf sechs Prozent erhöht werden. Laut dem Bewos-Chef sind dann von insgesamt 1500 Bewos-Wohnungen 90 barrierefrei. Künftig will das Unternehmen den Bestand an den speziellen Einheiten auf zehn Prozent erhöhen.