"Mut zur Lücke" ist das Motto einer Ausstellung, die am Montag im Bewos-Gästehaus am Oschersleber Bahnhof eröffnet wurde. Zu sehen sind preisgekrönte Entwürfe von Architekten der dritten Staffel des gleichnamigen Landes-Wettbewerbes, darunter auch die Arbeiten für die Schließung einer Bau- lücke in der Halberstädter Straße.

Oschersleben l Die Planungen des Architekten Guido Großmann aus Halle/Saale standen denn auch im Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung. "Ab dem Frühjahr wollen wir mit der Umsetzung dieses Sieger- entwurfs beginnen", gab das Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben" als Bauherrin bekannt.

Konkret geht es um die Bebauung eines Grundstückes in der Halberstädter Straße zwischen Sanitätshaus und Raiffeisenbank. Bereits im Winter soll mit den Abrissarbeiten der bestehenden Gebäude begonnen und damit Baufreiheit geschaffen werden. Weitere Restflächen, die derzeit noch als Parkplatz genutzt werden, seien mittlerweile durch die WG angekauft, so dass das Projekt aktuell mit dem Architektenbüro Großmann planerisch erweitert wird, die Lücke also komplett bebaut werden kann.

Das neue WG-Vorstandsmitglied und ehemaliger städtischer Planungsleiter Christian Reimann bestätigte die komplette Bebauung der nunmehr insgesamt 1400 Quadratmeter großen Fläche. "Wir rechnen mit einem Jahr Bauzeit und Ausgaben von rund 2,8 Millionen Euro", sagte Reimann. Fördermittel bei der Investitionsbank des Landes seien beantragt. Nach seinen Worten sollen in dem Gebäude 17 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten entstehen. Etwas Kopfzerbrechen bereite der Genossenschaft ein nur schwer kalkulierbares Risiko. "Archäologische Funde könnten für Verzögerungen sorgen", erklärte Jens Schneider.

"Mit dem Grundstück in der Halberstädter Straße wurde eine gute Wahl getroffen, das beweisen die Ergebnisse des Wettbewerbs", sagte die Geschäftsführerin der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, Petra Heise. Ihre Institution war es, die das Projekt "Mut zur Lücke" einst aus der Taufe hob. Ziel soll es sein, die Chancen für Schließungen bestehender Baulücken in Innenstädten zu erhöhen. Bewerben konnten sich Städte und Bauherren, die gemeinsam mit der Kammer Ausschreibungen im Rahmen des Wettbewerbs organisierten. Die Siegerarbeiten wurden mit Geldpreisen aus Fördermitteln des Landes geehrt. Für die dritte Staffel im vergangenen Jahr hatte sich die Stadt Oschersleben mit dem besagten Grundstück beworben und konnte als Bauherrin die WG gewinnen, die die Liegenschaft der Stadt abkaufte.

"In unserer Ausstellung können Bürger sehen, welche Gedanken sich die Architekten zu den aufgegebenen Fragestellungen machen", erklärte Heise. Zudem könnten sich Bauherren anschauen, wie innerstädtisches Bauen funktionieren kann. "Und die Architekten können zeigen, was sie drauf haben", betonte die Kammer-Chefin.

Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) verwies unterdessen darauf, dass nach den Kriegszerstörungen viele Fehler in der Stadtsanierung gemacht wurden. "Mittlerweile konnte jedoch eine ansehnliche innerstädtische Bebauung realisiert werden", betonte der Rathauschef und verwies auf die Bedeutung der Stadtsanierung. Immerhin seien mittlerweile rund 28 Millionen Euro in innerstädtische Projekte geflossen.

Der Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Bewos, Thomas Harborth, verwies auf den Ort der Ausstellung in seinem Gästehaus am historischen Bahnhof. "Auch hier ist eine große Lücke, die es noch zu Füllen gilt. Wir wollen zeigen, dass hier viele Dinge möglich sind und freuen uns auf Ideen."

Die Ausstellung "Mut zur Lücke" hat bis 16. September dienstags und donnerstags von 13 bis 15 Uhr sowie auf Anfrage (Telefon 03949/948030) geöffnet.