Von Ralf Franke

Beuster l Auch wenn die weißrussische Regierung die Folgen des Atom-Unglücks in der benachbarten Ukraine inzwischen von amtswegen für beendet erklärt hat, um damit auch Hilfs- und Spendeaktivitäten aus dem Ausland den direkten Weg zu den Bedürftigen abzuschneiden, will das Hilfswerk "Kinder von Tschernobyl" 28 Jahre nach dem GAU seine Arbeit mit altem Elan fortsetzen. Das machte Vereinsvorsitzende Veronika Benecke zum Start ins neue Jahr deutlich.

Russischkenntnisse nicht nötig

Zu den Schwerpunkten, mit denen die Vereinsmitglieder und deren Unterstützer Leute und Projekte im Partnergebiet in Narowlja unterstützen, zählt weiter das Einladen von erholungsbedürftigen Kindern, die besonders unter der Strahlenbelastung leiden. 18Mädchen und Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, die infolge der Radioaktivität, aber auch des Versorgungsmangels unter einer allgemeinen Immunschwäche leiden, werden sich in diesem Jahr wieder ab Mitte Juni für vier Wochen in der Altmark und der Prignitz erholen.

Bei dem Programm, das den Acht- bis Zwölfjährigen geboten wird, erfahren die Organisatoren Jahr für Jahr große Unterstützung von Vereinen, Kommunen und Institutionen vor Ort. Was sich manchmal schwieriger in der Organisation erweist, ist das Finden von Gastfamilien für zwei Wochenenden, die in diesem Jahr auf den 27. bis 29. Juni und auf den 4. bis 7. Juli fallen. Dafür möchte Veronika Benecke schon früh werben. Und dabei auch Bedenken zerstreuen, die Interessenten haben könnten.

Demnach geht es nicht darum, die Kinder mit Erlebnissen (auch nicht mit Fernsehen) zu überfrachten, sondern ihnen zwei Tage mit familiärer Anbindung und gesunder, sprich vitaminreicher Ernährung zu bieten. Was gar nicht so einfach ist, weil die hiesige Gemüsevielfalt für die meisten eine neue Erfahrung ist. Dann gilt es, geduldig zu sein, immer wieder Obst oder auch Säfte anzubieten. Fehlende Russischkenntnisse sind kein Hindernis. Viele Gedanken können mit Gesten ausgetauscht werden. Dafür werden die Kinder nur paarweise abgegeben, damit sie einen Gesprächspartner haben, um das Erlebte "zu verdauen". Schön wäre es, wenn die Gastfamilien an beiden Wochenenden zur Verfügung stehen, damit sich die weißrussichen Gäste nicht umgewöhnen müssen.

Drei Veranstaltungen geplant

Damit die Arbeit des Hilfswerkes finanziert werden kann, aber auch um immer wieder zu informieren, sollen in diesem Jahr mindestens drei Veranstaltungen über die Bühne gehen. Das sind ein Benefizkonzert mit Nobody Knows am 25. April in der Salzkirche Seehausen, die Benefizradtour unter der bewährten Regie von Jörg Harthun Anfang Mai und die Lesung im Kavaliershaus Krumke am 7.November. Bei letzterer wollen Vereinsmitglieder Werke von Swetlana Alexijewitsch (Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels) aus Minsk vorstellen. Unter anderem die Bücher "Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft" oder "Der Krieg hat ein weibliches Gesicht".