Bei der geplanten Radlerfähre über den Schulsee zwischen Aulosen und Wanzer ziehen die Beteiligten das Tempo an. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Kommune, des Landkreises und Vereinen vor Ort, um über das Projekt zu beraten.

Aulosen l Rüdiger Kloth erläuterte die Pläne für die Übersetzmöglichkeit als Mitglied des örtlichen Kultur- und Heimatvereines, der sich in das Projekt einbringen, aber schon aus versicherungstechnischen Gründen nicht als Träger in Erscheinung treten will. Diese Rolle müsste die Kommune übernehmen, die mit den Räten um Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt trotz knapper Gemeindekasse allerdings ausdrücklich hinter dem Vorhaben steht.

Perspektivisch könnte die Rolle auch dem Landkreis Stendal zukommen, wenn er den überegional bedeutenden Elberadweg später offiziell von dem kurvenreichen und unübersichtlichen Abschnitt der Landesstraße L2 auf die kürzere, attraktivere, aber vor allem auch deutlich sicherere Alternativroute legen würde.

Das erste Mal offiziell zu Papier wurde die Idee Ende des vergangenen Jahres gebracht. Die Geschichte der Überquerung des durch den Schaugraben gespeisten Gewässers, das an der ins Auge gefassten Stelle um die 30 Meter breit ist, scheint allerdings viel länger zu sein. Alte Einwohner erinnern sich sogar noch an eine Brücke, die früher beide Orte auf dem kürzesten Weg miteinander verband, deren Ersatzbau aber mit geschätzten Kosten von 40000 bis 50000 Euro nicht zur Debatte steht.

Brückenersatzbau ist viel zu teuer

Später konnte noch mit Hilfe eines Kahns, der jedermann zur Verfügung stand, über den Schulsee gesetzt werden. Obwohl Kloth an dieser Stelle betonte, dass es sich bei dem Gewässer zweiter Ordnung offiziell ebenso wenig um einen See handle, wie der Ponton eine Fähre im Sinne des Gesetzgebers sei, damit das Projekt im Strudel von Gesetzen, Bestimmungen und Normen des deutschen Bürokratismus` nicht Schlagseite bekommt, bevor es zu Wasser gelassen ist.

Apropos zu Wasser lassen: Den Ponton, eine aufgeschäumte und offenbar mit Glasfasern verleimte und damit nahezu unsinkbare ehemalige Badeinsel in den Maßen 2,50 mal 2,50 mal 0,70 Meter, hat Kloth angesichts einer günstigen Gelegenheit schon beschafft - offenbar für ein Taschengeld. Die räumlichen Maße ergeben eine Wasserverdrängung von 3,5 Tonnen, was (minus einer Sicherheitsdifferenz) fast der Tragfähigkeit des Wassergefährts entsprechen würde. Die auch dann noch für genügend Radfahrer und Drahtesel ausreichend wäre, wenn der Aufbau aus Trittrosten, Geländer, Türen und Seilzutechnik angebracht ist. Für letzteres konnte Kloth offenbar das Seehäuser Unternehmen Graepel begeistern, das einen Großteil seiner Leistungen sponsern will.

Für den muskelbetriebenen Übersetzmechanismus, den die Gäste des Wassergefährts selbst in Bewegung setzen müssen, wäre mit einem Führungsseil aus Stahl, einem wetterfesten Zugseil aus Kunststoff, Umlenkrollen und Einhaktechnik gesorgt. Die Uferbefestigung sollte möglichst naturnah erfolgen.

Materialkosten betragen geschätzt 1500 Euro

Die Materialkosten, auf denen die Kommune sitzen bleiben würden, schätzt Kloth mit aller Vorsicht auf etwa 1500Euro. Vergleichbare Vorhaben in anderen Ecken der Republik schlugen leicht mit dem Zehnfachen zu Buche.

Die Kostendämmung ist nicht nur einem hohen Maß an Eigenleistung geschuldet, für die der Heimatverein, die Angler oder auch die Feuerwehr zur Verfügung stehen. Vielmehr sind die Zuwegungen auf beiden Seiten des geschützten Biotops schon vorhanden beziehungsweise mit wenig Aufwand wieder herzustellen.

Möglichen Tücken drohen dem Projekt aus Richtung Naturschutz. Betina Horzetzky, von der zuständigen Keisbehörde riet den Initiatoren zu möglichst wenigen Eingriffen im Landschaftsschutzgebiet und kam nicht umhin, auf die Biberburg in der Nachbarschaft zu verweisen. Immerhin stehen die Nager unter strengen Naturschutz. Die Fähren-Anhänger hielten dagegen, dass der Schulsee auch jetzt regelmäßig Ziel von Spaziergängern sei, die Meister Bockert ja auch stören würden.

Als jemand einwarf, dass die Biberburg einen recht verlassenen Eindruck machte, konnte sich auch niemand daran erinnern, das Pelztier in der jüngeren Vergangenheit überhaupt jemals zu Gesicht bekommen zu haben. Aber selbst wenn es den Biber noch geben sollte, hofft selbst die Naturschutzfachfrau auf eine Lösung, die in aller Sinne wäre.

 

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