Der Saal der Gaststätte Schulz in Groß Garz war gestern prall gefüllt mit Menschen. Der Grund: Handwerksmeister Arthur Steinke hatte anlässlich seines 80. Geburtstages zu einem Empfang eingeladen. Der Groß Garzer ist nach wie vor Chef seiner 1956 gegründeten Firma.

Groß Garz. Der Strom der Gratulanten wollte nicht abreißen. Personen aus lokaler Politik und Verwaltung gehörten ebenso zu den Gästen des Empfangs wie Geschäftspartner, Vertreter Kreishandwerkerschaft sowie persönliche Freunde und Angehörige von Arthur Steinke. In einer Ansprache ließ der Jubilar, der als gebürtiger Dequeder ein waschechter Altmärker ist, einige Stationen seines abwechslungsreichen Lebens Revue passieren. "Nach meiner Schulausbildung wollte ich Maschinenbauschlosser werden. Als ich vor dem Reichsbahnausbesserungswerk in Stendal stand, sagte mir jedoch der Pförtner, dass in jenem Jahr keine Lehrlinge eingestellt würden. Aber ich fand eine Lehrstelle bei einer anderen Stendaler Firma."

Mit dem Fahrrad pendelte er eine ganze Zeit lang wöchentlich zwischen seinem Heimatort und Stendal hin und her – bis er durch einen Lehrlingstausch seine Ausbildung zum Landmaschinenschlosser bei einer Arendseer Firma fortsetzen konnte. Die Facharbeiterprüfung legte er im Jahr 1949 ab. Seine Gesellenzeit absolvierte der junge Mann im Zellstoffwerk in Wittenberge in der Zentralschlosserei. In dieser Zeit besuchte er auch die Abendschule, um sich auf die Meisterprüfung vorzubereiten.

Anfang der 1950er Jahr begann der Groß Garzer bereits mit dem Aufbau seines eigenen Betriebes als "Maschinenschuppen", da es seinerzeit nicht erlaubt war, sich in diesem Bereich selbständig zu machen. Außerdem hatte Arthur Steinke in dieser Zeit bereits seine Frau Elsa geheiratet. In den folgenden Jahren wurden seine beiden Söhne Detlev und Hartmut geboren. Die Meisterprüfung legte Steinke 1956 vor der Handwerkskammer Magdeburg erfolgreich ab. Seine Firma wurde im gleichen Jahr eröffnet. Sie wurde später um den Bereich Stahlbau erweitert. "Es ist gelungen, den Betrieb unbeschadet vom Sozialismus in die soziale Marktwirtschaft zu überführen. Notwendige Investitionen konnten vorgenommen werden, ohne dafür einen Kredit in Anspruch zu nehmen", berichtete Steinke nicht ohne Stolz.

Über 30 Jahre war Arthur Steinke Aufsichtsorgan und Vorsitzender der Metallgeno Osterburg und ist jetzt einer der Gesellschafter. Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem die Ehrennadeln des Handwerks in Silber und Gold. "Ich bedanke mich bei meiner ganzen Familie, die es nicht immer leicht hatte. Ein großer Dank gilt auch den Mitarbeitern der Firma für ihre Treue und Einsatzbereitschaft", so Steinke abschließend.

Die "Laudatio" auf den verdienstvollen Handwerksmeister hielt Bernhard Brauer, Geschäftsführer der Stendaler Kreishandwerkskammer. "Ich war bereits 2006, zum 50-jährigen Bestehen der Firma Metallbau Arthur Steinke in Groß Garz. Schon damals war es eine Seltenheit, dass der Inhaber die Gäste empfängt. Wenn ich den Ortsnamen Groß Garz höre, denke ich automatisch an die Firma Arthur Steinke und den Begriff Stahlbau. Ihr Name und der ihrer Firma hat in der ganzen Region und darüber hinaus einen hervorragenden Ruf. Und das nicht von ungefähr. So etwas muss hart erarbeitet werden", so Brauer. Steinke habe sich in außergewöhnlicher Weise auch für den Berufsstand und das Handwerk an sich verdient gemacht. Zudem sei er seit 15 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Auch, dass er seine Leidenschaft für den Metallbau auf seine ganze Familie übertragen konnte, sei ein Grund, stolz zu sein. Drei Generationen der Familie Steinke haben sich mittlerweile dem Metallbauhandwerk verschrieben.