Grenzdörfer wie Stresow, die zu DDR-Zeiten ausradiert wurden, bleiben verloren. Nach der deutschen Wiedervereinigung erinnern vor allem Reste alter Grenzanlagen an das menschliche Leid im geteilten Deutschland.

Bömenzien l Mit dem ehemaligen Grenzturm bei Bömenzien hat auch die Verbandsgemeinde Seehausen ein Relikt geerbt, das in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Zehrental erhalten bleiben und die mahnende Erinnerung wachhalten soll. Der nächste Turm ist erst wieder in etwa zwölf Kilometer Luftlinie auf der anderen Seite der Elbe in der Nähe des brandenburgischen Lenzen zu finden.

Rund 30000 Euro für Sanierung nötig

Haupt- und Bauausschuss des Verbandsgemeinderates befassten sich in dieser Woche mit dem Projekt und sind gewillt, einen entsprechenden Antrag auf Fördermittel auf den Weg zu bringen. Denn die klammen Kommunen sind mit dem Projekt alleine überfordert. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Betonturm (Grundriss zwei mal zwei Meter) statisch gesehen noch in einem recht gutem Zustand ist und die Einflüsse von Vegetation und Wetter nur wenig Spuren hinterlassen haben.

Auf rund 30000 Euro schätzt William Düwert, der das Projekt in der Verwaltung zu Papier gebracht hat, die Kosten für die baulichen Maßnahmen von der Reparatur des Gemäuers und dem Einbau von Fenstern über die Beseitigung der Graffitis, Malerarbeiten, Elektroanschluss, bis zu einem Geländer, das einen Ausblick aus rund acht Metern Höhe ermöglichen soll. Dabei wollen die Seehäuser sogar auf eine teure Außentreppe nach dem Lenzener Vorbild verzichten und nur die Leitern im Inneren des Turmes erneuern.

Was den Turm neben seiner Bedeutung als Geschichtszeugnis so interessant macht, ist seine abgeschiedene Lage am sogenannten grünen Band entlang der rund 1400 Kilometer innerdeutscher Grenze. Auch rund drei Kilometer von Bömenzien konnte sich die Natur ungestört und inzwischen schützenswert entwickeln.

Dabei soll der Turm nicht nur Wallfahrtsort mit einer Einbahnstraße, sondern Etappenziel für Radtouristen sein. Entsprechende Touren sind in Arbeit. Auch eine, die das ehemalige Stresow einbezieht.

Schulen sollen bei Dokumentation helfen

Teil II des Projektes beinhaltet die Ausschilderung des Zieles und begleitende Dokumentationen im und am Turm in Form von Bilder- oder Fotogalerien und Informationstafeln. Letztere sollen sich neben der Teilung Deutschlands auch der Historie sowie der touristischen Betrachtung der umliegenden Orte und nicht zuletzt der Natur im Umfeld widmen. Für den kreativen Teil mit passenden Ausstellungsstücken könnten neben professionellen Künstlern laut Projekt vor allem die Sekundar- und Gemeinschaftsschule sowie das Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg gewonnen werden. Aber selbst mit Hilfe der Schüler geht Düwert schon angesichts des Materialaufwandes von weiteren Kosten in Höhe von rund 20000 Euro aus.