Seit vielen Jahren fühlen sich in der Scheune des Neukirchener Gerhard Kayatz Waldkäuze heimisch.

Neukirchen l In einer fast mannshohen Nisthilfe im Giebel, die der Naturfreund 1998 einbaute, ziehen seit 2006 die Altvögel pro Jahr zwei bis vier Junge auf. Seit 2011 werden die Jungvögel im Alter von drei Wochen im Rahmen eines Forschungsprogramms beringt.

Dazu kam auch in dieser Woche der ehrenamtliche Mitarbeiter der Beringungszentrale Hiddensee, Manfred Kunert, aus Wulkau nach Neukirchen. Nachdem der Hausherr die vier Jungvögel in einem Eimer nach unten gebracht hatte, wurden die Ringe angelegt. Damit die kleinen Käuze dabei nicht das Weite suchten, halfen Enkelsohn Cornelius und dessen Mutter.

Altvogel hielt sich mit Attacken zurück

Die ganze Zeit über hörte man die warnenden Laute des Altvogels. Bedrohlich näher kam er der "Beringergemeinschaft" aber nicht. Was nicht immer so ist. Oft gab es bei solchen Aktionen schon Attacken gegen die Menschen.

Vom Beringer, der im Herbst 30 Jahre aktiv ist, war einiges zu dieser Eulenart zu erfahren. Zum Beispiel, dass der Waldkauz mit einer Spannweite von rund einem Meter etwas größer als die heimische Schleiereule ist, dass das Männchen etwas kleiner als das Weibchen ist und rund 440 Gramm wiegt. Waldkäuze leben in monogamer Dauerehe und sind standorttreu. Nach der Balz im Februar legt das Weibchen ab Anfang bis Mitte März drei bis sechs Eier, die nach 28 bis 29 Tagen ausgebrütet sind.

Nistgelegenheiten in der Natur sind rar geworden

Die Nestlingszeit beträgt vier bis fünf Wochen. Die noch nicht ganz flugfähigen Jungvögel verlassen dann das Nest und werden von den Altvögeln noch bis zu zehn Wochen betreut. Anfang August sind sie meist selbständig. Zur Nahrung gehören Beutetiere mit einer Masse bis 300 Gramm, also auch Jungkaninchen oder Tauben. Vorwiegend aber bevorzugt der Waldkauz Kleinsäuger wie Mäuse, verachtet aber auch kleine Vögel, Frösche und Kröten nicht. In der freien Natur kann der Waldkauz bis zu 18 Jahre, in der Gefangenschaft bis zu 27 Jahre alt werden.

Da in der freien Natur die Nistgelegenheiten rar geworden sind, ist naturkundliches Engagement wie bei Familie Kayatz wichtiger denn je.

 

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