Befürworter und Gegner des A 14-Autobahnprojektes durch die Altmark kamen am Mittwochabend bei einem Vortrag von Prof. Dr. Matthias Gather im Foyer der Seehäuser Wischelandhalle zusammen.

Seehausen l Mit seinem Referat, das die wirtschaftliche Entwicklung in direkt an Autobahnen gelegenen Regionen zum Inhalt hatte, konnte Matthias Gather die Befürworter des Straßenbauprojektes nicht überzeugen. Sein Fazit, das schwächere Landstriche wie beispielsweise die Altmark eher die Verlierer bei realisierten großen Trassen sind, ist kein entscheidendes Argument für die Verfechter des Baus der Nordverlängerung der A 14.

Für die Autobahn-Befürworter steht fest: Es gibt wirtschaftliche Impulse. "Einen Bauboom wird es nicht geben. Das ist uns auch klar. Dafür ist die Region nicht strukturiert. Aber wenn es uns gelingt, mittelständische Unternehmen herzubekommen, und wenn auch die vorhandenen Betriebe davon profitieren, dann haben wir gewonnen", sagte Walter Fiedler von der Bürgerbewegung "Pro A 14/Pro B 190n Altmark".

Für die A 14-Gegner wäre der Bau eine Verschwendung von Steuergeldern. Sie setzen sich vielmehr für eine Alternative ein: Den Ausbau der vorhandenen Bundesstraße 189 mit einer wechselseitigen Überholspur und lückenlosen Ortsumgehungen. Wie Dorothea Frederking, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, in der anschließenden Diskussion äußerte, wurden Bürger in der Altmark befragt. "Wären Sie für einen Ausbau der Bundesstraße?" "Die Mehrheit der Menschen, die wir gefragt haben, waren dafür", sagte das Mitglied des Ausschusses für Landesentwicklung und Verkehr.

Nerviges Fahren hinter Lkw-Kolonnen

Von Magdeburg über die Altmark nach Schwerin und weiter bis zur Ostsee soll es ab 2020, so das Ziel der Landesregierung, schneller gehen. Gather machte jedoch eine andere Rechnung auf: "Die Geschwindigkeit kann die Lage nicht kompensieren", betonte der Referent vor vielen Zuhörern im Foyer der Wischelandhalle. Die Untersuchungen haben zwar ergeben, dass man auf einer Autobahn im Vergleich zur Bundesstraße Zeit einspart, aber nicht immens viel. "Man ist nicht plötzlich im Vorort von Hamburg." Ein Seehäuser, der täglich von der Alandstadt in die Elbmetropole zur Arbeit fährt, bot den Gegnern des Autobahnprojektes an, ihn auf dem Weg nach Hamburg zu begleiten. Es koste Nerven, stets Lkw-Kolonnen vor sich zu haben. Als notwendig betrachtet auch Seehausens Verbandsgemeinde-Bürgermeister Robert Reck die Realisierung der Nordverlängerung. Nicht wenige sind täglich in nördlicher und südlicher Richtung unterwegs, um die Arbeitsstätte zu erreichen. Er stellte die Frage an Gather, was die Politik tun kann, damit sich die Region entwickelt - aber hierfür gebe es kein probates Mittel. Der Experte hat festgestellt, dass es "Gewinner und Verlierer gibt". Rund um Berlin, beispielsweise, siedelt sich eine Vielzahl von Betrieben an, "Je weiter man von den Metropolen weg kommt, desto weniger wird der Einfluss auf die regionalwirtschaftliche Entwicklung."

Walter Fiedler betonte, dass "wir hier nicht nur über die A 14 reden sollten. Das ist zusammen mit der B 190n und der A 39 ein komplexes Verkehrsprojekt." Ein Projekt, in das die Befürworter große Hoffnung setzen. Auch Arendsees Bürgermeister Norman Klebe, der sich sicher ist, dass mit dem Bau "die heimische Wirtschaft stabilisiert wird". Dass es "im Endeffekt eine politische Entscheidung ist", ist für den Goldbecker René Schernikau (Piraten) keine Frage. Er würde es begrüßen, wenn alle Bürger über diese Entscheidung abstimmen könnten.

Vorteile eher in Nähe der Großstädte

"Für Magdeburg und Schwerin kann die Autobahn durchaus Vorteile bringen, aber ob sie für Stendal, Seehausen und Wittenberge gut ist?", zweifelt Matthias Gather nach seiner aktuellen Studie eher an. Einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Bevölkerungs- und Arbeitsentwicklung und der Realisierung einer Autobahn gibt es nicht, so das Fazit des Referenten.