Am 12. Juni beginnt in Brasilien die Fußball-WM. Ein Rossauer erlebt das weltgrößte Sportspektakel hautnah mit. Lutz Bornemann fliegt an den Zuckerhut.

Rossau l Nur noch wenige Tage, dann schiebt sich der Zuckerhut (ein markanter, 395 Meter hoher Felsen, der als Wahrzeichen von Rio de Janeiro gilt) in das Blickfeld von Lutz Bornemann. Am 14. Juni landet der Rossauer auf dem Flughafen der Metropole, um sich unter die Fans der 32 Länderteams zu mischen, die in Brasilien den Fußball-Weltmeister ausspielen. Der 43-Jährige freut sich auf "eine aufregende Zeit und ganz sicher eine wahnsinnige Stimmung. Dafür sorgen schon die Gastgeber, die Brasilianer sind absolut fußballverrückt."

Das hat Lutz Bornemann, der als Hausmeister am Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg arbeitet, bereits selbst erlebt. "2001 war ich in Rio de Janeiro. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Brasilien, aber schon als Kind träumte ich davon, dieses Land eines Tages kennenzulernen. Daran war ja damals, in der Zeit der DDR, überhaupt nicht zu denken. Doch dann kam die Wende. Und zu meinem 30. Geburtstag habe ich mir tatsächlich diesen Wunsch erfüllt und Brasilien besucht." 2001 stand zwar der Karneval im Mittelpunkt, "aber natürlich bin ich auch im Maracana gewesen, um mir ein Spiel anzuschauen", erzählt Lutz Bornemann schmunzelnd.

Für zwei Spiele schon die Tickets in der Tasche

Zu seinen Erinnerungen an Brasiliens legendären Fußballtempel könnten sich in wenigen Tagen neue Eindrücke gesellen, auch wenn ein erneuter Besuch im Maracana noch nicht sicher ist. Bislang steht fest, dass der Altmärker zwei Vorrundenbegegnungen der deutschen Nationalelf live und in den jeweiligen Stadien verfolgt. "Ich habe für das Spiel gegen Portugal am 16. Juni in Salvador ein Ticket sowie für das Match gegen Ghana, das am 21. Juni in Fortaleza ausgetragen wird", erzählt er. Ob noch weitere Stadien-Aufenthalte hinzukommen? "Das hängt vom Abschneiden unserer Kicker ab und natürlich auch, welche Summen vor Ort verlangt werden. Aber bevor ich Fantasiepreise bezahle, genieße ich die Spiele auf irgendeiner Fanmeile oder am Strand. Da wird ganz sicher auch eine klasse Atmosphäre herrschen", ist Lutz Bornemann überzeugt.

Der Rossauer, der sich gemeinsam mit mehreren verstreut im gesamten Bundesgebiet wohnenden Freunden in einer Privatunterkunft in Rio einmietet, will die WM-Reise auch dazu nutzen, "um Land und Leute ein bisschen näher kennenzulernen." So steht ein Besuch der Großstadt Manaus auf dem Programm, zudem hat sich Lutz Bornemann einen Abstecher in das Gebiet des Amazonas vorgenommen. Dass Proteste und soziale Unruhen, die sich im Land aufgrund der millionenschweren Investitionen in die Fußball-Infrastruktur entzündeten, den Turnierablauf beeinträchtigen werden, glaubt er nicht. Auch für sich persönlich erwartet der Altmärker keine gefährlichen Situationen. "Natürlich gibt es Dinge, die man vermeiden sollte. Ich werde ganz sicher nicht in den Favelas (so werden die gewöhnlich an der Peripherie brasilianischer Metropolen gelegenen Armenviertel genannt) oder nachts allein an der Copacabana (Strand von Rio de Janeiro) spazieren gehen. Aber generell kann einem überall etwas passieren. Wenn ich so etwas ausschließen möchte, muss ich zu Hause bleiben".

Daran verschwendet der Altmärker aber nicht wirklich einen Gedanken. Er freut sich auf Brasilien. Nicht nur auf die Titelkämpfe, trotzdem steht das runde Leder für den eigentlichen Kick - das Fußballfieber. Von dem wurde Lutz Bornemann schon in der Kindheit erfasst, als der Rossauer mit gleichaltrigen Freunden im Dorf bolzte. Später spielte er in der Jugendabteilung der damaligen TSG Traktor Osterburg, wechselte dann nach Gladigau und war 1995 einer der maßgeblichen Protagonisten, als die Fußballabteilung des Rossauer SV aus der Taufe gehoben wurde. Der Mittelfeldakteur, der noch in der zweiten Mannschaft aushilft und sonst bei den Alten Herren mitmischt, stellt seit 2005 auch strategische Weichen. Da übernahm er den Vereinsvorsitz.

Altmärker drückt auch dem Heimteam die Daumen

Zudem hängt sein Herz an dem Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Beim BVB ist der Rossauer seit eineinhalb Jahren eingetragenes Mitglied und regelmäßig bei Heim- und Auswärtsspielen zu Gast. Ähnlich unterstützt er die Jungs mit dem Adler auf der Brust. Lutz Bornemann gehört dem Offiziellen Fanclub der Bundeself an und begleitete die Nationalkicker seit 2007 zu vielen Pflichtspielen. "Ich war in Irland dabei, in Russland beim wichtigen 1:0-Auswärtssieg in der WM-Qualifikation für 2010. Oder zuletzt auch in Schweden, als unsere Mannschaft schon für Brasilien qualifiziert war, aber trotzdem spektakulär mit 5:3 siegte", blickt er zurück.

Klar, dass er dem deutschen Team bei der Weltmeisterschaft die Daumen drückt. "Sympathien hege ich aber auch für Brasilien. Schon wegen der Stimmung ist es wichtig, dass der Gastgeber in dem Turnier weit kommt", sagt der Rossauer Und wer holt sich den Pott? Lutz Bornemann überlegt, zögert und lächelt verlegen: "Tschuldigung Deutschland. Aber Brasilien wird sich den Weltmeistertitel im eigenen Land wohl nicht nehmen lassen."