An diesem Wochenende, 14. und 15. Juni, findet in Werben der 8. Altmärkische Ökumenische Kirchentag statt. Im Vorfeld der christlichen Großveranstaltung interviewte die Volksstimme den Superintendenten des Kirchenkreises Stendal, Michael Kleemann. Beim Gespräch war auch Pfarrerin Dorit Lau-Stöber vom Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit mit dabei. Die Fragen stellte Lokalredakteur Andreas Puls.

Frage: Herr Kleemannn, welche Priorität hat für Sie der Altmärkische Kirchentag in Ihrem eigenen Terminkalender?

Michael Kleemann: Eine sehr hohe Priorität. Der Altmärkische Kirchentag findet alle zwei Jahre statt, immer abwechselnd in den Kirchenkreisen Stendal und Salzwedel.

Damit sind wir alle vier Jahre Gastgeber und damit auch Hauptorganisator. Die Vorbereitungen beginnen dann jeweils zwei Jahre im Vorfeld der Veranstaltung, die für die Christen in der Altmark ein wichtiges Ereignis ist. Wir freuen uns, dass sich auch unsere ökumenischen Partner immer mit beteiligen.

Welcher Personenkreis bereitet den Kirchentag im Wesentlichen vor?

Michael Kleemann: Wir sind ein großes Vorbereitungsteam. Die Aufgaben werden strategisch aufgeteilt. Es gibt Arbeitsgruppen - zum Beispiel Gottesdienst und Kirchenmusik, Öffentlichkeitsarbeit, eine Arbeitsgruppe Technik sowie eine weitere für Kinder-, Familien- und Jugendangebote. Das Zusammenwirken mit dem eingespielten Team ist immer wieder eine Freude. Und es gibt eine sehr gute Vernetzung. Nur ein Beispiel: Als Auftakt und Einladung, zum Kirchentag nach Werben aufzubrechen, werden am Sonntag um 7.30 Uhr wieder fast alle altmärkischen Kirchenglocken läuten. Außerdem finden in sehr vielen Kirchen Andachten statt, die zumeist von Laien gestaltet werden. Eigens dafür gibt es eine CD mit Musik und einer Andacht der Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Dorit Lau-Stöber: Die Arbeitsgruppen sind von Haupt- und Ehrenamtlichen besetzt. Es wirken auch Gemeindemitglieder mit, die sonst nicht unbedingt direkt mit Kirchenarbeit zu tun haben. Zum Beispiel Musiker und Chormitglieder.

Was waren die Beweggründe, den Kirchentag diesmal in Werben durchzuführen?

Michael Kleemann: Der Vorschlag kam von Werbens Pfarrer Jan Foit persönlich. Es gibt keinen Zweifel, dass die Hansestadt ein toller Gastgeber sein wird. Wir haben im Kirchenkreis Stendal den Ansatz, immer neue Austragungsorte für die Kirchentage zu finden. Im Kreis Salzwedel ist es etwas anders. Dort geht es vor allem aufs Land. Für uns müssen die Orte schon eine Mindestgröße haben und sie sollten Erfahrung als Organisator großer Veranstaltungen haben. Das ist in Werben der Fall. Ich erinnere an die Biedermeiermärkte, die immer viele Besucher anlocken. In Werben gibt es einen großen Kreis Ehrenamtlicher sowie seitens der Kommune, die bei der Vorbereitung und Durchführung des Kirchentages wertvolle Hilfe leisten.

Von den bisherigen Kirchentagen unter Ihrer Mit-Organisation - welcher ist Ihnen in schönster Erinnerung?

Michael Kleemann: Jeder Kirchentag hatte seinen Charme und Reiz. Ich möchte keinen missen. Es gibt keine Favoriten.

In Ihrem Grußwort zum Kirchentag steht: "Wir laden Sie ein, mit Ihren Fragen und Antworten nach Werben zu kommen." Mit welchen Fragen und eventuell auch Antworten rechnen Sie? Ihre Erfahrung: Was bewegt die Menschen am meisten?

Michael Kleemann: Viele Christen bewegt die Frage, was Lebensgefühl mit Christsein zu tun hat beziehungsweise umgekehrt. Es sind Schicksalsfragen, die uns bewegen. Woran macht man Lebensglück fest? Wo es Glück gibt, gibt es auch Unglück. Wie kann man mit Unglück umgehen? Kann der christliche Glaube das Glück bewusster machen? Beim Kirchentag haben wir da viele Antworten parat. Und die kommen nicht in jedem Fall aus der christlichen Ecke. Unter anderem gibt es am Sonntag einen sehr interessanten Vortrag der Psychotherapeutin Dr. Margrit Vogler zum Thema "Bin ich meines Glückes Schmied?". Auch da werden Antworten gegeben.

Warum sollte ein nicht konfessionell gebundener Mensch den Kirchentag besuchen?

Michael Kleemann: Weil viele der eben erwähnten Fragen alle Menschen bewegen, nicht nur Christen. Auch für Nichtchristen gibt es Möglichkeiten, Antworten auf Lebensfragen zu finden. Zudem lockt der Kirchentag mit wunderbaren kulturellen Angeboten und er bietet eine Menge charmanter Begegnungsmöglichkeiten.

Dorit Lau-Stöber: Auch die Podiumsdiskussion auf dem Deich zum Thema Hochwasserschutz dürfte Christen und Nichtchristen gleichermaßen interessieren. Es ist ein sehr aktuelles Thema. Wir begehen ja gerade den Jahrestag des Extremhochwassers der Elbe 2013.

Die Podiumsdiskussion zum Thema Hochwasserschutz ist hochkarätig besetzt. Unmittelbare politische Entscheidungsträger wie Landwirtschaftsminister Aeikens oder auch Sachsen-Anhalts bekanntester Elbeschützer Ernst-Paul Dörfler sind mit dabei. Haben Sie im Vorhinein Empfehlungen, was für einen nachhaltigen Hochwasserschutz wichtig wäre?

Michael Kleemann: Wir brauchen nicht nur bessere Deiche, sondern auch mehr Raum für die Flüsse; sprich Überflutungsflächen. Auch die Kirche ist Landbesitzer und wir müssen uns fragen lassen, ob nicht auch wir Flächen zur Verfügung stellen könnten und sollten für diesen Zweck und so auf Ertrag verzichten. Die Kirche kann da ein positives Beispiel geben. Nachholbedarf gibt es meines Erachtens noch bei der überregionalen Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz. Darüber hinaus wird der Klimaschutz immer relevanter.

Eine Gesamtübersicht des Programms zum 8. Altmärkischen Kirchentag gibt es unter anderem im Internet unter www.altmaerkischer-kirchentag.de.