Wer schon immer einmal wissen wollte, wie die Meteorologen an ihre umfangreichen Daten kommen, hatte gestern die Gelegenheit, sich beim Deutschen Wetter-Dienst (DWD) umzuschauen, der in Seehausen seit Oktober 1976 eine eigene Station unterhält.

Seehausen l Die Resonanz auf die Einladung zum Tag der offenen Tür am Grashöfer Weg war sehr gut. Zwischen 10 und 18Uhr herrschte ein reges Kommen und Gehen an Besuchern aller Altersklassen.

So groß dürfte die Überraschung über den Zulauf wiederum nicht sein. Denn zum einen interessiert sich die Bevölkerung in der ländlich strukturierten Region seit je her für das Wettergeschehen. Zum anderen ist der letzte Tag der offen Tür beim DWD bereits über 13 Jahre her.

Datensammlung ab 2020 voll automatisch

Ob und wann es eine Neuauflage der Informationsveranstaltung gibt, ist ungewiss. Denn auch die letzten 60 Beobachtungsstationen in Deutschland, die wie Seehausen rund um die Uhr besetzt sind, sollen bis 2020 voll automatisiert sein und ihre Werte ohne menschliches zutun in die Welt versenden. Wohl auch deshalb ist der Lehrberuf Wetterbeobachter im Gegensatz zum Meteorologen seit längerem eine aussterbende Spezies.

Dass das Sammeln von Daten kein stupider Job ist, brachte das Team um Bettina Grabley authentisch, geduldig und offenbar auch gut gelaut rüber. Die Arbeit der vier Damen und drei Herren besteht unter anderem in der Überwachung der Mess- und Datentechnik, aber auch in der Ergänzung der automatischen Datengewinnung zu Niederschlagsmengen, Temperaturen oder Radioaktivität durch visuelle Beobachtungen zum Beispiel der Sichtweite, der Wolkenbedeckung und Wolkenarten oder der Niederschlagsarten (wir berichteten). Um das Leistungsspektrum des Deutschen Wetter-Dienstes etwas vollständiger aufzuzeigen, war auch ein Leipziger Meteorologe vor Ort, der das Zustandekommen von kurz- und mittelfristigen Vorhersagen, Unwetterwarnungen oder Klimamodellen erläuterte.

Aus vielen Zahlen wird ein aussagekräftiges Bild

Am Mai dieses Jahres zeigten die Wetterbeobachter, wie sich aus vielen Zahlen ein aussagefähiges Bild formiert. So dürften einige Hobby-Wetterfrösche darüber erstaunt gewesen sein, dass der gefühlt warme und nasse Wonnemonat mit 54,4 Litern pro Quadratmeter zumindest vor Ort nur gut 14 Prozent und die Durschnittstemperatur mit 13,2 gerade einmal 0,7 Grad über dem Jahresmittel lag, wogegen bei der Sonnenscheindauer mit 187 Stunden ein 14-prozentiges Minus zu verzeichnen war.

 

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