Geestgottberg (apu). Das gegenwärtige Hochwasser der Elbe und des Alands ist der Höhepunkt einer ganzen Hochwasserserie, die sich über einen Zeitraum von nunmehr zwölf Monaten erstreckt. Hohe Niederschläge sorgten nicht nur dafür, dass die beiden Flüsse immer wieder von neuem anschwollen, sondern auch für hohe Grundwasserstände in der ganzen Region Seehausen.

Darunter leidet seit langem auch Familie Reinhard und Birgit Ahlf aus Geestgottberg. Zu ihrem direkt am Elbdeich in der Märsche gelegenen Grundstück gelangt das Ehepaar dank einer Ausnahmeregelung seitens des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) nur über den Deich. Der richtige Weg zu ihrem Anwesen führt von der Märsche aus durch ein Waldstück im Qualmwassergebiet. Doch die Zufahrt, so Reinhard Ahlf, sei seit Monaten fast permanent überflutet und für Pkw wie auch für den Traktor Reinhard Ahlfs unpassierbar.

Den Winter über war und ist es besonders problematisch. Ahlfs beheizen ihr Haus mit Holz. Geheizt wird üblicherweise mit Brennholz aus dem eigenen Wald. "Doch da komme ich nicht hin, wegen des ständig überschwemmten Weges. Also haben wir uns für diesen Winter Abfallholz bestellt. Es bleib uns nichts anderes übrig, als es in der Märsche abladen zu lassen. Dorthin muss ich jetzt immer – über den Deich und die B189 – um das Holz zu zerlegen und es kistenweise her zu transportieren", erklärt Reinhard Ahlf.

Und seine Frau fügt hinzu: "Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten. Was ist, wenn einer von uns mal akut erkrankt? Der Rettungswagen würde wohl erstmal in die Märsche fahren. Aber die Zufahrt zu unserem Grundstück steht unter Wasser. Dann die Suche nach dem Weg über den Deich. Da würde die Rettung vielleicht zu spät kommen."

Reinhard Ahlf hat sich seit langem über die ehemalige Gemeinde Geestgottberg bemüht, dass der Weg durch eine Aufschüttung erhöht wird. "Unser ehemaliger Bürgermeister, Karlheinz Kallmeter, hatte die Maßnahme auch angeschoben. 2009 ist damit begonnen worden, aber dann kam der Winter und wieder einmal Hochwasser dazwischen. Kallmeter hatte aber zugesichert, dass die Aufschüttung im Jahr 2010 beendet werden kann, auch wenn Geestgottberg dann Ortsteil der Hansestadt Seehausen sei. Die Wegebaumaßnahme sei fester Bestandteil des Finanzplans für den Ortsteil. Aber bislang hat sich nichts getan. Von verschiedenen Seiten hieß es, es sei kein Geld vorhanden, weil die Baumaßnahme Sportplatzumbau alle Finanzreserven der Stadt binde. Ich frage mich, wie kann das sein!", so Reinhard Ahlf. Wie er weiter ausführt, habe er zwischenzeitlich auch Bürgermeister Ewald Duffe um Hilfe gebeten, aber von ihm keine konkrete Antwort erhalten.

Wie Bürgermeister Duffe auf Nachfrage der Volksstimme dazu ausführt, habe die Kommunalaufsicht aufgrund des Haushaltsfehlbedarfs die Stadt leider verpflichtet, auch die Rücklage der Ortsteile mit heran zu ziehen, sonst wäre der Haushaltsplan nicht genehmigungsfähig gewesen.

Zum gegenwärtigen Problem mit Reinhard Ahlfs Grundstück sagt der Bürgermeister: "Es gibt derzeit viele Menschen in unserer Region, die vom Hochwasser viel stärker betroffen sind, als Familie Ahlf. Ahlfs können ihr Anwesen problemlos über den Deich erreichen. Hinzu kommt, dass die Gemeinde, also die Stadt Seehausen, Herrn Ahlf bislang unterstützt hat, wo es ging. Ich selbst habe den Gemeindearbeiter angewiesen, ihn in einer Notsituation mit einer Fuhre Holz zu versorgen. Fest steht aber auch, dass jeder Hausbesitzer sich mit genügend Brennstoff für den Winter selbst bevorraten muss. Und das hat Herr Ahlf offensichtlich nicht getan. Die Firma Raiffeisen aus Seehausen hätte das Haus zu jeder Zeit auch mit Kohle über den Deich beliefert. Sie hätte nur bestellt werden müssen. Aber auch das hat Herr Ahlf nicht getan."

Zur möglichen Aufschüttung der Grundstückszufahrt, sagt Duffe: "Ich werde mir die Situation genau ansehen. Wenn etwas gemacht werden muss an dem Weg, dann wird sich auch dafür eine Lösung finden."