Osterburg l Zu einem Klönabend trafen sich kürzlich 15 Elektriker, die im Osterburger Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) ausgebildet wurden.

Im dritten Nachkriegsjahr, als die Landwirtschaft mühsam und unter der Einwirkung hoher staatlicher Belastungen wie dem Ablieferungssoll landwirtschaftlicher Produkte langsam ins Laufen kam, wurde ein Ortsausschuss der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) gegründet. Im Jahr 1950 existierten in der Biesestadt zwei Organisationen, die den bäuerlichen Betrieben zur Seite stehen sollten: die bereits erwähnte VdgB und die Landwirtschaftliche Genossenschaft. Letztere hatte ihren Sitz im Haus Ernst-Thälmann-Straße 25, in dem der frühere Landwirtschaftliche Waren- und Darlehensverein untergebracht war.

Die VdgB war nach Kräften bemüht, den Bauern, die ihre Äcker mit wenigen Pferden beziehungsweise Kühen und Ochsen bearbeiten mussten, mit Maschinen und Traktoren zu helfen. "Dazu war bereits 1948 auf dem Gelände des heutigen Gewerbeparks am Mühlenberg, auf dem mit Landtechnik gehandelt beziehungsweise solche instandgesetzt wird, ein Maschinenring gebildet worden, der die Bauern unterstützen sollte", berichtet Lothar Wonde. Dessen Vater, Meisterbauer Paul Wonde, war Vorsitzender der VdgB.

Neben Traktoren aus der Vorkriegszeit, wie der unverwüstliche Lanz Bulldog, Dampfpflügen, Bestell- und Erntemaschinen von im Laufe der Bodenreform enteigneten Gütern standen bald auch Traktoren, Kettenschlepper, die sich besonders in der Wische bewährten, und Anfang der 50-er Jahre auch Mähdrescher wie der legendäre "Stalinez 4" zur Verfügung. "Zum Direktor des Maschinenrings", so Lothar Wonde weiter, "hatte man den heute über 90-jährigen Fritz Timoschenko gewählt."

Im Laufe der Jahre wurde dieser Maschinenring mehrfach umbenannt: Maschinen-Ausleih-Station (MAS), Maschinen-Traktoren-Station (MTS), Reparaturtechnische Station (RTS) und zuletzt Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL).

Der von Fritz Timoschenko geleitete Kreisbetrieb für Landtechnik besaß im damaligen Kreis Osterburg mehrere Stützpunkte und war in der Region einer der größten Arbeitgeber sowie Ausbildungsstätte für landtechnische, kaufmännische und handwerkliche Berufe. Lothar Wonde beispielsweise war der erste von den über 50 Lehrlingen des Elektriker-Handwerks, die im KfL ausgebildet wurden. Er hatte den Meisterbrief erworben und nach der Wende einen eigenen Betrieb gegründet.

Kürzlich hatten sich 15 von ihnen - Lothar Wonde, Detlef Osterwald, Volker de Haan, Wilfried Stobinski, Gerhard Laternicht, Dieter Brünske, Ulrich Wellmann, Walter Werner, Bernd Dobberkau, Gerd Dahms, Manfred Amelung, Johannes Werner, Otto Gehrmann, Arno Boos und Klaus Brehmer - zu einem gemütlichen Klönabend im Gasthof Haucke getroffen.

Wonde hatte die Adressen aller Ehemaligen ermittelt, und Monika Neumann, seinerzeit im Büro der Elektroabteilung des KfL beschäftigt gewesen, hatte die Einladungen auf den Weg gebracht. Wellmann lebt jetzt in Dessau, Brehmer in Magdeburg und Boos in Rüsselsheim.