Die Landessportschule in Osterburg ist ein Ort der Begegnung. In den zurückliegenden Tagen trafen sich dort sportbegeisterte deutsche und israelische Schüler. Auch aus Salzwedel und Bismark waren Jugendliche mit von der Partie.

Osterburg l "Der Sport ist das, was trägt", bemerkte Ulf Wunderlich, seines Zeichens Bildungsreferent der Sportjugend Sachsen-Anhalt und seit 2011 als Betreuer des deutsch-israelischen Austauschs dabei. Die Jugendorganisation des Landessportbundes Sachsen-Anhalt hat den Hut auf und lädt seit 2001 zu dem Treffen ein. 25 Personen, davon 13 Schüler und zwei Betreuer aus Herzliya, einer Stadt nördlich von Tel Aviv, waren von Dienstag bis Sonnabend in Osterburg zu Gast. Anschließend ging es in eine Großstadt, denn schließlich soll der Austausch auch Gelegenheit sein, mehr über die deutsche Kultur und Landesgeschichte kennen zu lernen.

Bei ihrer Abreise liegt eine insgesamt zehntägige Auszeit hinter den Schülern. In Deutschland ist das Programm ausgeschrieben, in Israel werden die 15- bis 16-Jährigen von der Schule ausgewählt.

"Meine Mitschüler sind neidisch, dass sie nicht hier sind", erzählte Liri Ayalon, "es ist einfach cool und macht so viel Spaß, mehr über die Deutschen und ihr Land zu erfahren." Trotzdem waren die Gedanken an ihre Familie aber immer da. Der Krieg im Gaza-Streifen, er beschäftigte alle Camp-Teilnehmer. Dank Wifi und W-Lan informierte sich Liri, so oft sie konnte, über die Geschehnisse. Ein Bruder könnte jederzeit von der israelischen Armee einberufen werden, erzählte die Jugendliche.

Marvin Strahl ist von den Großstädten begeistert

Liri Ayalons Familie war Gastgeber für Maren Rathke aus Bismark, die seit sieben Jahren bei dem Austausch mitmacht. Jetzt ist sie in Osterburg erstmals als Betreuerin dabei. Ihr Cousin Paul, ebenfalls aus Bismark, erfuhr erst elf Stunden vor Start, dass er dabei sein könnte, weil ein anderer abgesprungen war. "Ich finde es toll, dass man hier mit Jugendlichen aus aller Welt über Dinge sprechen kann, die uns alle bewegen, zum Beispiel Freizeit und Kultur, aber eben auch Politik", schwärmte der Altmärker.

Der 17-jährige Marvin Strahl aus Braunsbedra ist sogar schon einmal nach Israel gereist und traf nun seinen Gastbruder Yuval in Osterburg wieder. Im März waren die deutschen Jugendlichen dort zuletzt zu Besuch. "Ich hatte mir Israel ganz anders vorgestellt. Zum Beispiel, dass viel mehr Armee zu sehen ist", so Strahl. "Aber selbst von dem Raketenangriff haben wir nichts mitgekriegt. Zum Glück!" Wenn er sich an Israel erinnert, sind ihm besonders die Trinkspender auf den Sportplätzen im Gedächtnis. Die wünscht er sich für Deutschland auch. Die Regenzeit dämpfte während des Aufenthaltes in Israel zwar etwas die Stimmung. Dafür faszinierten die modernen Großstädte umso mehr, erzählte er.

Katy Taragan reiste als Betreuerin aus Israel zum vierten Mal an, die Freude der Jugendlichen und das gegenseitige Kennenlernen machen sie jedesmal froh, auch wenn sie sich um ihre Familie und Freunde in der Heimat sorgte. Dies beobachtete sie auch bei anderen Teilnehmern.

Für den Betreuer Dan Glaser hat der Austausch wegen seiner deutschen Wurzeln eine außergewöhnliche Bedeutung. Seine Großeltern stammen aus Köln und Berlin. 1933 kam die Familie nach Israel. Als Dan fünf Jahre alt war, besuchte er in Köln einen Kindergarten, weil das sicherer war, als in Israel zu bleiben. Gern erinnerte sich Dan Glaser an seinen letzten Besuch in Osterburg. Das war 2008. Zur Zeit der Olympischen Spiele veranstaltete er mit den Schülern selbst olympische Spiele im Schwimmen und Leichtathletik. "Es ist sehr wichtig für uns, dass sie Israel von einer anderen Seite kennen lernen", erklärte der Betreuer.

Diesmal standen nun unter anderem ein Ausflug nach Krumke, Schwimmen, Basketball und Fußball auf dem Programm. Klar, dass die Deutschen Fußball unterrichteten und die Israelis Basketball.

Auf englisch wird über viele Themen diskutiert

Jeden Abend stellten die Jugendlichen etwas aus ihrem Land vor. Die Vorbereitungstreffen waren dafür eine gute Basis. Über die Walpurgisnacht und den Maitanz erzählten die Altmärker und dass man hier wunderbar radeln kann. Einer hatte sogar Salzwedeler Baumkuchen mitgebracht. "Es soll ja jugendgemäß sein, also gehört es auch zur Landeskunde, vom Springbreak-Festival zu erzählen", betonte Ulf Wunderlich lachend.

Und was erfuhren die Deutschen? Die Antworten kannte Wunderlich längst: Dass der höchste Berg in Israel über 2000 Meter hoch ist und man da super Skifahren kann. Dass Tel Aviv eine moderne Großstadt ist und das Mittelmeer eine Urlaubsregion. "Ach so, unsere Campsprache ist natürlich Englisch", ergänzte er schmunzelnd. Für den Austausch saßen die Jugendlichen an Thementischen. Dort diskutierten sie unter anderem über Ausbildung, Freizeit, Militär und Recht.

Bevor die Jugendlichen die Landessportschule in Osterburg am Sonnabend verließen, stand am Freitag noch ein letzter Höhepunkt in der Altmark an. In der Kreisstadt Stendal erkundeten sie gemeinsam einen Kletterpark.

 

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