Osterburg (fsc) l "Heute bleibt die Küche kalt!", war am Mittwoch das Motto in vielen Osterburger und auswärtigen Familien. Das traditionelle "Pelltüffeleten" der IG Heimatgeschichte der Hansestadt hatte 45 Freunde der, wie IG-Vorsitzender Erhard Schmidt es bei der Begrüßung nannte, "gepflegten altmärkischen Pellkartoffel" in den Biergarten des "Ratskellers" gelockt. "Uns steht, Gott sei Dank, die Kartoffel als Grundlage der Ernährung täglich zur Verfügung", sagte Schmitz. "Mancher unter uns hat auch Kartoffeln aus eigener Ernte in verschiedenen Sorten und Farben.

Aber denken wir 100 Jahre zurück. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen. In dessen Verlauf hielt der Hunger auch in Deutschland Einzug. Es gab Tage, da sehnten sich die Leute nach einer Kartoffel. Das sollten wir nicht vergessen. Heute ist die Ernährung für uns in Mitteleuropa im Grunde genommen kein Problem." Schmitz erinnerte im Zusammenhang mit den furchtbaren Weltkriegen an die gegenwärtige Ausstellung im Museum "Die Heimat im Krieg".

Das Team um "Ratskeller"-Wirt Heiko Schmeichel hatte wie in den Jahren zuvor für ein reichhaltiges Büfett rund um die Kartoffel gesorgt. Zuerst wurde den Gästen eine schmackhafte Kartoffelsuppe serviert. Dann bediente sich jeder nach Appetit und Gusto. Schmackhaft angerichtet waren Pellkartoffeln, Specksalat, Mayonnaisesalat, Rosmarinkartoffeln, Bratkartoffeln und Kartoffelbrei. Dazu wählte man Leberwurst, Speckstippe, eingelegten Hering, Leinöl mit Zwiebeln, Butter, Bratwurst, Klopse und Kräuterquark, zur Abrundung Bohnensalat, Gewürzgurken und eingelegte Zucchini. Als Nachtisch gab es Kartoffelpuffer mit Apfelmus und dicke Milch mit Zucker. Das erste Mal dabei waren unter anderen Josef und Margrit Weiß. Auch sie schmausten nach Herzenslust und waren, wie viele Stammgäste auch, des Lobes voll.

Das traditionelle Essen der IG gibt es übrigens bereits seit 1994 und war initiiert von den Osterburger Plattschnackern. Damals, ebenfalls Anfang August, trafen sich die Mitglieder des früheren Osterburger Heimatvereins in einer Scheune in Krevese und verzehrten gemeinschaftlich die Kartoffeln aus neuer Ernte, die sich besonders gut für Pellkartoffeln eignen.

Übrigens: Einer Legende nach soll der preußische König Friedrich II g die Altmark für den Anbau der ersten Kartoffeln in Preußen ausersehen haben. Aber Majestät hatte Anbaufläche streng bewachen lassen müssen, denn die altmärkischen Bauern, abergläubisch und stur wie sie waren, hatten die "Knollen" für Teufelswerk gehalten und immer wieder versucht, die aufgelaufenen Pflanzen heraus zu reißen. Nur langsam konnte der König die Bauern vom Wert der Kartoffel für die Ernährung von Mensch und Vieh überzeugen.

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