Arneburg. Wie in vielen Städten an Elbe, Saale und Donau trafen sich am Sonn-abend auch an die 100 Menschen auf dem Steilufer in Arneburg zur Aktion "Fackeln für die Elbe". Sie forderten den Erhalt einer naturnahen Flusslandschaft Elbe und zündeten Lichter auf dem Hochufer, um ein Umdenken und somit einen Wandel in der Flusspolitik einzufordern. Sie bekundeten damit ihre enge Verbundenheit mit dem Fluss, den sie als kostbaren Lebensraum schätzen.

Die Teilnehmer folgten der Einladung zur Aktion des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative (BI) "Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg" und der Kirche. Die Veranstaltung "Lichter für die Elbe" stand unter dem Motto "Flüsse schützen – Leben schützen".

Wegen des Hochwassers versammelten sich die Teilnehmer nicht direkt am Ufer der Elbe zu ihrer Aktion. Hoch oben auf dem Steilufer, zu Füßen der Georgskirche, hatten die Besucher aber dennoch einen Ausblick auf den naturnah belassenen Fluss. Dort gab es Musik von den "Baumgeistern" mit Instrumenten der australischen Ureinwohner.

Die Mitglieder der BI nutzten die Veranstaltung auch, um mit Transparenten gegen die Errichtung eines Kohlendioxid-Endlagers in der Region zu demonstrieren. BI-Mitglied Dr. Eberhard Puls erinnerte daran, dass die Elbe Lebensraum für zahlreiche Lebewesen ist. Die Elblandschaft sei schützenswert, aber bedroht, etwa durch den geplanten Ausbau des Flusses. Statt Flüsse weiter zu verengen, müssen natürliche Überschwemmungsflächen geschützt beziehungsweise geschaffen werden. Auch angesicht der Hochwasser.

Dass vor langer Zeit die Elbe eine Beschützerin gehabt haben soll, erzählte Dr. Puls den Kindern. Er berichtete von der Sagengestalt "Frau Harke", die jenseits des Arneburger Elbufers in den Kamernschen Bergen gelebt haben soll. "Sie beschützte die Elbe, die Wälder, die Pflanzen und Tiere. Sie wurde aber traurig, als die Menschen begannen, ihren Lebensraum zu zerstören", so das BI-Mitglied. Weiter berichtete er den jungen Zuhörern, dass die Sagengestalt die Region verlassen habe. Sie versprach aber, sie wolle wiederkommen, wenn die Menschen aufhören, die Natur zu zerstören.

Als die Kinder zum anderen Ufer hinüber schauten, dorthin, wo sie die einstige Heimat der "Frau Harke" vermuteten, entdeckten sie zahlreiche Lichter. Dort waren ebenfalls Fackeln entzündet worden.

Die Kinder waren aufgerufen, sich mit Bildern oder einer Geschichte an der Aktion zu beteiligen. In ihren Arbeiten brachten sie die Verbundenheit mit ihrer Heimat, der Flussregion, zum Ausdruck. So auch die achtjährige Vanessa aus Tangermünde. Sie schrieb der "Frau Harke" eine Geschichte, in der sie von ihren Begegnungen mit dem Fluss berichtet. Unter anderem erzählt sie davon, wie ihr Vater in der Elbe angelte und einen Wels fing. "Es war sehr aufregend, einen so großen Fisch zu fangen", schrieb die Schülerin. Als Flaschenpost wurde diese Geschichte der Elbe übergeben, damit sie in die Welt hinausgetragen wird.

Bevor die Lichter für die Elbe entzündet wurden, besuchten etwa 40 Gäste den Lichtbildervortrag "Die Elbe – Faszination einer Landschaft am großen Strom", dargestellt von Stephanie Wischer, Diplombiologin aus Kamern.

Die Aktion am Sonnabend fand parallel in weiteren Städten in der Bundesrepublik statt (Volksstimme berichtete). So in Dresden, Magdeburg, Wittenberge, Hamburg, Cuxhaven. Und nicht nur am Elbufer brannten die Lichter, sondern auch an Saale und Donau. Insgesamt beteiligten sich über 40 Städte in sieben Bundesländern an der Aktion "Fackeln für die Elbe".