Fledermäuse haben in diesen Tagen Hochkonjunktur. Darum feierte ganz Europa am Freitag Fledermausnacht. In Osterburg führten Anja und Brigitte Bäthge begeisterte Naturfreunde darum zum Biesewehr, wo die Nachtschwärmer gerade ihre aktivste Zeit haben.

Osterburg l Seit 2004 laden Bäthges in Osterburg zur Fledermausnacht. Nur vergangenes Jahr haben sie ausgelassen. Um so mehr freuten sie sich, dass sich Freitag 25 Interessierte zu Vortrag und Wanderung im Biesecafé einfanden.

Angefangen hat die Fledermausliebe für die Experten durch Anja Bäthges Praktikum im Arbeitskreis Fledermausschutz Sachsen-Anhalt während ihres Naturschutz-Studiums in Bernburg. Ihre ganze Familie sei "infiziert", erzählte Anja Bäthge lachend. Ihre Mutter vertritt außerdem schon Jahre die Naturschutzjugend-Ortsgruppe Osterburg.

Nachtaktive Säuger sind keineswegs lichtscheu

Fledermäuse waren bei Anja Bäthge auch nach dem Studium Thema. Im Planungsbüro erstellte sie bei Bauvorhaben Fledermausgutachten. Zuletzt wirkte sie bei dem Projekt "Fledermausfreundliches Haus" in Rostock mit. Ihre Erfahrungen gab sie nun einmal mehr an Alt und Jung weiter. "Es ist nur ein Voruteil, dass Fledermäuse lichtscheu sind", erklärte sie, "sie fliegen nur nachts, weil sie dann keine Konkurrenz haben. Tagsüber jagen ja die Vögel Insekten. Sie können auch gut gucken, hätten aber als Bonus noch den Ultraschall, der ihnen hilft, auf Beutefang zu gehen. "Fledermäuse sind die einzigen flugfähigen Säugetiere. Und Abhängen können sie auch ganz leicht", verriet Anja Bäthge. Die Kralle zieht nämlich automatisch nach unten. Forschungen haben ergeben, dass es schon vor 60 Millionen Jahren Fledermäuse gab, "und sie sahen genauso aus wie heute", fügte die Osterburgerin hinzu.

Von 4000 Säugetierarten machen 2000 Nagetiere aus, aber allein 1000 Fledermausarten sind nachgewiesen, 24 in Deutschland. Handflügler werden sie genannt, eine Verwandtschaft mit Igeln besteht außerdem. Allerdings sei die Sache mit dem Blutsaugen Mythos. Nur drei Arten, und zwar in Südamerika, lecken Blut. In den Tropen, wo keine Bienen vorkommen, sind sie allein für das Bestäuben der Pollen zuständig. "Ohne Fledermäuse gäbe es keinen Tequila, denn die bestäuben eine bestimmte Agavenart."

Tausche Handy gegen Detektor

Abendsegler und Wasserfledermaus würden ganz sicher an der Biese zu sehen sein, versprachen die beiden Frauen. Und außerdem, dass es in Fledermausnähe viel weniger Mücken gäbe. Die Mückenfledermaus vertilgt pro Nacht 4000 Mücken, heißt es. Aufgeheizte Parkplätze seien ebenfalls ein beliebter Jagdplatz für die Nachtschwärmer. Bevor sich die Spaziergänger auf den Weg machten, stellten sie die Ultraschall-Detektoren vor. Gegen Handy oder Ausweis gab es sie als Leihgabe. So konnten die Zuhörer selbst zwischen nass und knatternden Tönen unterscheiden. Susanne und Thomas Bartels aus Osterburg waren schon mal bei einer solchen Wanderung dabei und waren auch diesmal begeistert.

Den größten Spaß hatten die Jugendlichen und Kinder. Bjarne Schmidt aus Stendal suchte in Baumstümpfen mit Kopfleuchte. "Aber das ist doch viel zu tief", klärte ihn Brigitte Bäthge auf. Egal, der Weg vom Umfluter entlang der Biese war ein Abenteuer, denn auf einen Schlag umflatterten die Naturfreunde unzählige Fledermäuse. Ein voller Erfolg.

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