Seehausen l Mit großem Fachwissen und viel Hinwendung züchtet er dem Ideal der sächsischen Farbentauben entgegen. Der Höhepunkt seiner Hobby-Laufbahn kommt aber erst noch: Neuhäußer will bei der ersten deutschen Weltausstellung 2016 "mit gutem Erfolg dabei sein".

Wie soll er es nur erklären, so vieles ist zu beachten. Allein bei der sächsischen Schildtaube: Die Nasenwarzen müssen durch die Nelke bedeckt und die Nelke wiederum unterbaut sein. Es braucht Wirbel beidseitig in gleicher Höhe, beidseitig auch acht bis zehn weiße Schwungfedern und dazu vier Klappenfedern. "Unheimlich schwer zu züchten", sagt Waldemar Neuhäußer. Aber wenn nicht er, wer dann.

Er ist kein Mann für einfache Fälle. Der 73-Jährige ist ein unaufgeregter Spezialist auf seinem Gebiet, den sächsischen Flügel-, Schwalben-, und Schildtauben. Warum ausgerechnet die? Weil Neuhäußer aus Sachsen kommt und "wegen der Schönheit". Es kam durch die Eltern im erzgebirgischen Forchheim. Sie haben Waldemar Neuhäußer angesteckt, sodass er anfing Schrott zu sammeln, um sich Tauben zu kaufen. Sein ganzes Konfirmationsgeld hat er zum Taubenhändler getragen. Weil er nicht anders konnte. Aber wie lange ist das schon her.

Spezialbehandlung

Jedenfalls stieg er "am 1. September 1959 um 6 Uhr früh" der Arbeit beim Spezialbau Leipzig wegen auf dem Seehäuser Bahnhof aus - und blieb. 1966 wurde er Mitglied im Verein Rassegeflügelzucht Seehausen 1888. Dort ist er heute noch und von den derzeit 38 Mitgliedern einer der beiden Taubenzüchter, "der Rest macht Hühner". Sonderling ist er aber nicht nur deswegen, auch seine Tauben züchte hier niemand. "Hier sind Formtauben üblich", sagt Neuhäußer. Seinen Sachsentyp habe in der Altmark nur er allein. "Der nächste sitzt erst in der Börde." Deswegen meidet Neuhäußer hiesige Ausstellungen. "Die Preisrichter kennen die Tauben nicht." Der Seehäuser lässt sich zweimal im Jahr im Sächsischen messen. Dann packt er seine wertvollen Tiere ins Auto und ist drei bis vier Tage verschwunden. Häufig kommt er mit Preisen nach Hause und weiß, dass er wieder Vieles richtig gemacht hat.

Es reicht ja nicht aus, "eine Schippe Weizen auf den Hof zu werfen". Neuhäußers Täubchen bedürfen einer Spezialbehandlung. So erhalten sie etwa Lebertran, Mariendistel, Bierhefe und besondere Magensteinchen. Jeden Morgen beseitigt der Senior den Nachtkot im Taubenschlag, damit das opulente Fußgefieder nicht verdreckt. Täglich zwei Stunden ist er mit den wertvollen Tieren beschäftigt, die mittlerweile aus gutem Grund mit Gittern vor den Fenstern gesichert sind. Im Februar 2013 sind ihm über Nacht "35 wertvolle, hochprämierte Zucht- und Ausstellungstiere" gestohlen worden. Das komme gar nicht so selten vor. Nun hat es auch Neuhäußer getroffen. Es gebe Späher auf Ausstellungen, die schauen dann im Katalog, wo die Züchter wohnen und schlagen zu.

Hühner der Eier wegen

Im Moment zählt Neuhäußer mit Jungtieren 70 bis 80 Tauben in seinem Schlag. Nebenbei hat er auch noch Hühner, der Schönheit und der Eier wegen. Die Königsklasse für ihn aber bleiben die Tauben. Bis zur ersten in Deutschland stattfindenden Weltausstellung der Sächsischen Farben- und Eistauben im Januar 2016 im sächsischen Zwönitz sei noch einiges zu tun. Von Generation zu Generation gelte es immer wieder "Mängel und Schönheitsfehler durch Ausgleichspaarungen zu reduzieren". Tauben, die nicht in die Zuchtrichtlinie passen, "werden der Küche zugeführt". Dann kommt Neuhäußers Frau ins Spiel. Sie hat sich mit "der kleinen Meise" ihres Mannes gut arrangiert und haut die Tauben einfach in die Pfanne.

 

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