Werben l Thomas Kannenberg und Alexander Schellenberger, die in Dresden Architektur studieren, hatten sich im vergangenen Jahr an einer Denkmalschutz-Messe in Leipzig beteiligt und dort einen Preis gewonnen. Der Preis beinhaltet die Erstellung einer finanziell geförderten Projektarbeit für die Hansestadt Werben. Das Ziel war es insbesondere, Ideen für die zukünftige Entwicklung des ehemaligen Johanniter-Komtureigeländes zu entwickeln - dem wichtigsten Stadtsanierungsvorhaben für die kommenden Jahre. An dem Projekt arbeiteten die beiden Studenten in den zurückliegenden Monaten intensiv. Mehrfach hielten sie sich dazu in Werben auf und suchten die Zusammenarbeit mit der Stadt und ihren beiden Denkmalschutzvereinen.

Die Projektarbeit von Kannenberg und Schellenberger trägt den Titel "Perle am Fluss". Sie wurde bereits im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. "Wir sind als Stadt dankbar für die Projektarbeit", sagt Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt. Und er fügt hinzu: "Neben der Sanierung des Romanischen Hauses auf dem Areal ist bislang nur die Sicherung der sonst noch vorhandenen Gebäude geplant. Aber wir brauchen fundierte Konzepte, wie wir das einst so bedeutende Areal wiederbeleben können. Das umfangreiche Papier der Studenten enthält gute Ideen. Insbesondere das Landschulheim und die solidarische Landwirtschaft finde ich interessant."

Wie die beiden Studenten schreiben, weise die Komturei eine eigene Binnenstruktur innerhalb des Stadtkerns auf. Sie sei über Jahrhunderte hinweg das für die Stadt bestimmende Wirtschaftszentrum gewesen. Die Nähe des landwirtschaftlichen Hofes zur Johanniskirche mache einen besonderen Reiz aus. Stadtstrukturell zeige sich die Anlage als gefasster Hof, der von den im wesentlichen um 1900 auf historischen Grundrissen erbauten Gebäuden der damaligen Preußischen Staatsdomäne gebildet wird.

Landwirtschaft in Form einer Genossenschaft

"Über Jahrhunderte hinweg ist an diesem Ort Landwirtschaft betrieben worden. Die vorhandenen Gebäude - Ställe und Scheunen - sind prägend für den innerstädtischen Hof und zugleich seine Besonderheit. Eine neue Nutzung muss nach unserer Meinung auf diesem Fundament aufbauen", sind die beiden Studenten überzeugt. "Unsere heutige Zeit, in der der Erzeugung von Lebensmitteln wieder Aufmerksamkeit geschenkt wird und in der man sich altem Wissen um naturnahe Bewirtschaftung wieder zuwendet, scheint für das historische Areal in Größe und Struktur gute Rahmenbedingungen für eine solche Nutzung zu bieten."

Gleichzeitig müsse die Nutzung mit der Kleinstadt Werben verschränkt sein. Das Wohl der Stadt war historisch mit der Komturei verbunden. "Stadtstrukturell ist es heute so, dass sie sich zumindest gegenseitig befruchten können." Die Stadt Werben habe touristisches Potenzial, das noch ausbaufähig sei. Es werde in Zukunft einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen. Daher müsse die zukünftige Nutzung auch öffentlich sein. Als "Kernbetreiber" des Geländes sehen Kannenberg und Schellenberger einen Gartenbaubetrieb, der nach dem Modell der solidarischen Landwirtschaft organisiert sein könnte. Das genossenschaftliche Prinzip sieht vor, dass Mitglieder über Beitragszahlungen den Produktionsaufwand für die Herstellung von Obst und Gemüse bezahlen und dadurch Anrechte auf Ernteanteile erwerben. "Die Nutzung ist speziell auf die Kultivierung alter Obst- und Gemüsesorten orientiert, die nachbaufähig sind. Daher gewinnt auch die Herstellung von Saatgut samenfester Sorten besondere Bedeutung. Bewirtschaftet werden vor allem große Flächen im Süden der Stadt, aber auch ein Teil der sogenannten Stegegärten, die historisch um die Werbener Altstadt einen Grüngürtel legen. Langfristig soll dieser Ring geschlossen werden, um die Fassung des Stadtkerns zu unterstreichen." Teil der solidarischen Landwirtschaft sei der Anspruch, die Mitglieder in gartenbautechnischer Weise fortzubilden und so Wissen über Ernährung und Gartenbau zu verbreiten.

Schullandheim als zweite große Nutzung

Ein geplantes Schullandheim sei die zweite große Nutzung und greife die Bildungsorientierung des Gartenbaubetriebes auf. Naher Obstgarten, Lehrküche und die Verschränkung mit dem Produktionsbetrieb geben eine anregende Bauernhof-Atmosphäre. Die landschaftlich reizvolle Umgebung biete für diese Nutzung zudem einen hohen Erholungswert. "Das Gebäude der ehemaligen Scheune wird zu diesem Zweck umgebaut. Der verwilderte Obstgarten wird neu strukturiert und bietet den Gästen des Landschulheims einen qualitätsvollen Freiraum, abgelegen von der wirtschaftlichen Nutzung des Hofes." Energie-Effizienz und Klimaschutz spiele bei der Gebäudenutzung eine besondere Rolle. Als Beispiel nennen die Studenten ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz, das durch Brennwerttherme mit Holzpellets betrieben wird.

Noch weitere Architekturstudenten beschäftigten sich mit der Komturei in Werben. Sie stellen ihre Arbeiten zu einem späteren Zeitpunkt vor.

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