Der Disput um den Verbleib im Kreisfeuerwehrverband Stendal drohte dem gemeinsamen Jahresrückblick der Freiwilligen Feuerwehren der Verbandsgemeinde Seehausen fast den Rang abzulaufen.

Seehausen l Die Wogen im Versammlungsraum des Seehäuser Gerätehauses, wo sich die Wehrleitungen zum letzten Mal für dieses Jahr trafen, schlugen hoch. Und das Votum pro Interessenvertretung, das der Bau- und Ordnungsausschuss als Hinweis für die letztlich kommunalpolitische Entscheidung mit in die neue Sitzungsfolge nehmen und beherzigen will, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Thema eine tiefe Kluft in den Reihen der Blauröcke hinterlässt. Die Wortmeldungen machten deutlich, dass die Abstimmung, die im Ernstfall sicher nicht den Anspruch auf Rechtssicherheit hat, durchaus anders hätte ausgehen können. Und dass auch hochrangige Führungskräfte selbst nach der sehr ausführlichen Werbung durch Kreisbrandmeister Ringhard Friedrich in eigener Sache nach wie vor ihre Zweifel an der Daseinsberechtigung der Interessenvertretung haben, die sich die Verbandsgemeinde pro Jahr immerhin 6700Euro kosten lässt.

Die Basis braucht das Geld

Geld, das Friedrich für eine sinnvolle Investition in die 2006 durch finanzielle Misswirtschaft heftig ins Straucheln geratene Interessenvertretung hält, das andere insbesondere in den Zeiten, in denen das neue Finanzausgleichsgesetz des Landes wie ein Damoklesschwert über den Gemeinden schwebt und ein bis zu 800000 Euro großes Loch in die kommunale Kasse reißen könnte, allerdings lieber an der Feuerwehrbasis einsetzen würden. Denn da klemmt es an vielen Ecken und Enden, machte Brandmeister Norman Schulze deutlich.

So konterte der Leiter des Ausrückebereiches6 (Zehrental) unter anderem den Hinweis des Kreisbrandmeisters auf das Landesfeuerwehrmuseum in Stendal mit der Bemerkung, dass er nur eine Einsatzübung organisieren bräuchte, wenn er alte Löschfahrzeuge sehen will. Mit der Ausstattung des Feuerwehrnachwuchses machte der Pollitzer eine weitere von mehreren Baustellen auf, die ihm und einigen Gleichgesinnten wichtiger erscheinen, als ein Mitgliedsbeitrag, der sich - wie er indes auch einräumte - nicht einfach in einem buchhalterischen Kosten-Nutzen-Verhältnis ausdrücken lässt. Wie auch immer. Am Ende war die Mehrzeit der Führungskräfte im Raum - 19 von 34 Wehren waren vertreten - mit 11 zu 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen für den Verbleib im Kreisfeuerwehrverband, für den sich auch Verbandsgemeindewehrleiter Michael Märten ganz klar stark gemacht hatte.

Reck verspricht Besserung

Der oberste Feuerwehrmann der Verbandsgemeinde hatte in seinem Rechenschaftsbericht zuvor auf ein ereignisreiches Jahr zurückgeblickt. Das hielt bis Ende November 83 Einsätze bereit. Als ergreifendsten Einsatz wertete der Schönberger den Einsatz bei einem Seehäuser Kameraden, der durch Flammen sein gesamtes Hab und Gut verloren hatte. Dafür blieben die Blauröcke von Großschadensereignissen wie dem Hochwasser 2013 in diesem Jahr bislang verschont. Die Großübung bei Bömenzien im Herbst, an der auch Einsatzkräfte aus Gartow teilgenommen hatten, befand er für nützlich und gelungen, bemängelte aber, dass er in die Planung des Einsatzes nicht einbezogen worden sei.

Lob gab es für die Kleiderkammer, die sich unter der Regie von Lucas Haymann gut entwickelt habe. Die Überprüfung der Gerätehauser Mitte November wertete er als gelungen. Die Kameraden hätten das, was sie beeinflussen können, gut im Griff. Wozu der bauliche Zustand einiger Feuerwehrdepots nicht gehört. Einmal mehr machte er seinem Unmut darüber Luft, wie schleppend die Verbandsgemeinde Mängel abarbeite. Absolutes Negativbeispiel sei das Gerätehaus Lichterfelde, wo die Zwischendecke herbzustürzen drohe. Für den Fall hofft er, dass dann "nur" das Auto und kein Kamerad unter den Trümmern begraben wird.

Nachdem Märten noch einige andere Jahreshöhepunkte und die Arbeit des Feuerwehrnachwuchses hatte Revue passieren lassen, versäumte er es nicht, seinen Stellvertretern für deren Unterstützung und allen Blauröcken, deren Angehörigen sowie Förderern der Feuerwehr für das Engagement zu danken. Namentlich hob er besonders Martina Freimann als gute Verwaltungsseele der Feuerwehren hervor.

Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck schloss sich dem an, versprach in Sachen Bauzustand Besserung, wies aber auch auf die prekäre Finanzlage hin. Weil die Feuerwehrleute den 31. Geburtstag des Gemeindeoberhauptes nicht vergessen hatten, spendierte er eine Runde Freigetränke. An die und das große Buffet wären die Gäste noch schneller gekommen, wenn die anschließende Diskussion dort geführt worden wäre, wo sie hingehört - in die nächste Wehrleiterdienstberatung.

   

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