Das ehemalige Kino am Fuße des Weinbergs soll nach den Vorstellungen der Hansestadt Osterburg aus dem Stadtbild verschwinden. Ein Förderprogramm für den möglichen Abriss könnte dabei helfen.

Osterburg l Seine besten Jahre hat das Gebäude an der Seehäuser Straße schon lange hinter sich. Das ehemalige Kino, das seit 2009 der Stadt gehört, weist einen erbärmlichen Zustand auf. Die Verwaltung nimmt den schon unter dem damaligen Bürgermeister Hartmuth Raden geborenen Vorschlag wieder auf, das Objekt dem Erdboden gleich zu machen. Im aktuellen Haushalts-Entwurf sind die Eigenmittel für den Abriss bereits eingetaktet.

1992 schlossen die "Cinema-Lichtspiele" ihre Pforte. Seitdem hat sich das Erlebnis Kino (bis auf wenige Vorstellungen mobiler Anbieter) aus der Biesestadt verabschiedet. Nur das Gebäude blieb. Ältere Einwohner erinnern sich sicherlich noch gern an die Zeiten zurück, als die Olsenbande, Terence Hill und Bud Spender, und nach 1990 sogar Silvester Stallone auf der Leinwand ihren (Film-)Gegnern das Fürchten lehrten. Die Immobilie, die früher sogar eine kleinere Gaststätte ("Film-Klause") unterhielt, ging nach der Wende an die Ufa über. Das Filmunternehmen aus Babelsberg hatte an einem Weiterbetrieb wenig Interesse. Und auch der damalige Osterburger Stadtrat sah in der Einrichtung keine Zukunft, zumal es hieß: Die Unterhaltung eines Kinos ist keine Pflichtaufgabe der Stadt. Und so vergingen die Jahre, ohne dass Investitionen in das Haus getätigt wurden. Aber Besucher gab es dennoch einmal. Im Juni 2007. Für ehemalige Kinogänger und andere Interessenten öffnete sich noch einmal der einstige Saal. Es herrschte große Resonanz beim Ausverkauf, der zum Sachsen-Anhalt-Tag in Osterburg über die Bühne ging. Besonders die samtbezogenen Kino-Klappsessel fanden reißend Absatz. Selbst der Schriftzug "Lichtspiele", der in großen Lettern auffällig am Gebäude prangte, wurde versteigert.

2009 wurde der Schenkungsvertrag unterzeichnet: Die Stadt war wieder Eigentümer. Und wollte das Gebäude wieder los werden. Präziser gesagt sollte das Haus, das sich mehr und mehr zu einem Schandfleck entwickelte, nicht mehr Bestandteil des Stadtbildes sein. Mit einem möglichen Abriss wurde der Gedanke einer neuen Straße verfolgt. Der damalige Bürgermeister Hartmuth Raden war von denen Plänen angetan, die Gartenstraße zu verlängern. Und zwar über die Biese und die Seilergasse auf die Seehäuser Straße, so dass der "Umweg" über die Bergstraße entfallen würde.

Charlie Chaplin besuchte 1925 das Kino

An diesen Gedankenspielen hat die Hansestadt jedoch kein Interesse mehr, wie Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz auf der jüngsten Stadtratssitzung betonte. Aber der Abriss bleibt Thema. Und so könnte das Haus, das sogar von Charlie Chaplin besucht worden sein soll, bald Geschichte sein. Der amerikanische Star-Komiker hätte Osterburg am 19. Februar 1925 einen Besuch abgestattet; der damalige Kino-Gastwirt Walter Behne soll ihn verpflichtet haben - so stand es in der damaligen Tagespresse.

Ob das Objekt, das seit vielen Jahren auch keine Mieter mehr gesehen hat, tatsächlich abgerissen wird, entscheidet der Stadtrat. Die Einheitsgemeinde ist jedoch auch abhängig von dem entsprechenden Förderprogramm, mit dessen finanzielle Hilfe im Vorjahr auch die Blöcke in Krevese und Flessau aus dem Ortsbild verschwanden.