Biber stehen zwar immer noch auf der roten Liste der bedrohten Arten. In der Altmark entwickelt das Schutz- und Wiederaussiedlungsprogramm aber eine gute Wirkung.

Seehausen l Was beim Wolf derzeit noch die Geister in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft scheidet, das ist beim Biber längst Geschichte. Der große Nager ist inzwischen auch in altmärkischen Gefilden offenbar so heimisch, dass er sogar die Nähe von Menschen nicht mehr scheut. In Seehausen fühlt sich Meister Bockert im nördlichen Bereich des Umfluters wohl. Jedenfalls hat er auf eine Wiese, auf der Christian Buness ein paar Kleintiere hält, deutliche Spuren hinterlassen. Der Biber macht sich nämlich an den Kopfweiden zu schaffen, die der Seehäuser vor rund 15 Jahren am Ufer des Stadtgrabens in die feuchte Erde gesteckt hat und die sich seit dem so flott entwickeln, dass sie regelmäßig gestutzt werden müssen.

Der Bau wird woanders sein

Buness glaubt nicht, dass der Biber so dicht hinter der Fabrikstraße, quasi nur einen Steinwurf entfernt von der Altstadt, eine Burg bauen will, sondern eher, dass es das Tier auf die Rinde und die Äste der Bäume abgesehen hat. Beides gehört in der vegetationsarmen Zeit zur Lieblingsnahrung der Nager, die ausschließlich Pflanzenfresser sind.

Der Hobby-Tierhalter, der seinen Untermieter noch nicht zu Gesicht bekommen hat, glaubt aber angesichts der Späne, dass es sich um ein gut ausgewachsenes Tier handeln dürfte. Dass der Nager streng geschützt ist, weiß Buness natürlich. Da das Nahrungsangebot im Umfeld aber ohne Zweifel groß genug ist, hat er inzwischen ein paar Paletten um die betroffenen Weiden gebunden, um diese am Leben zu erhalten. Einige Stämme sind immerhin schon halb durchgenagt.

Aus dem Umweltamt des Landkreises Stendal hieß es gestern, dass sich die Biberpopulation in der Region sehr gut entwickelt hat und das geschilderte Verhalten von Meister Bockert gar nicht so ungewöhnlich ist und sich Mensch und Tier vor allem deshalb kaum in die Quere kommen, weil die Biber nachtaktiv sind und den Tag meist in ihrem Bau verschlafen. Der liege in der Regel oft ein ganzes Ende von dem Gebiet entfernt, wo das Tier seine Nahrung sucht, um das Heim und eventuell Nachkommen zu schützen. Der von der Mutter verstoßene Biber, der auf der Suche nach eigenen "Jagd"-Gründen ist, baut übrigens nicht zwangsläufig eine Burg aus Stämmen und Ästen an einem angestauten Gewässer, sondern gräbt sich auch einen Bau in die Erde oder übernimmt gern mal eine Fuchsbehausung.

Aktivitäten beobachten

Wie sich die Biberaktivitäten am Umfluter weiterentwickeln, beobachten auch die Verantwortlichen des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Das LHW übernahm die Baulast Anfang dieses Jahres vom Unterhaltungsverband Seege-Aland und muss gegebenenfalls in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde im Dienst der Durchflussfähigkeit auf wilde Staue reagieren.