Zu einem Bürgerempfang lud Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt am Sonnabendvormittag ins Rathaus ein. Er zog Bilanz für 2014 und gab Ausblick auf Kommendes. Zahlreiche Einwohner sowie Vertreter von Vereinen und der Verbandsgemeinde waren zu Gast.

Werben l Jochen Hufschmidt begann seine Jahresrückschau mit einem Blick auf die Statistik. 20 Einwohner weniger sind in Werben zum 31. Dezember 2014 verzeichnet. Mit Blick auf diesen Abwärtstrend könne man meinen, mit Werben gehe es bergab, so der Bürgermeister.

"Und ich setze dagegen: Mit Werben geht es nicht abwärts, sondern deutlich aufwärts! Und das sage ich, obwohl wir bei der größten Problematik des letzten Jahres, im Kampf um den Erhalt unserer Grundschule, unterlegen waren", erklärte er in seiner Rede. Nach rund 700 Jahren gibt es seit dem jüngsten Sommer keine Schule mehr im Ort. Die Werbener waren sich in der Frage zum Erhalt des Schulstandortes "so einig, wie vermutlich vorher nie oder nur selten", sagte Hufschmidt. Er erinnerte daran, dass sich Eltern, Kinder, aber auch Werbener, die keine schulpflichtigen Kinder haben, für den Erhalt einsetzen. "Und ich hoffe sehr, dass der Stadtrat im nächsten Jahr beschließen kann, das schöne Schulgebäude und das ideale Gelände an einen privaten Träger zu verpachten, damit Werben wieder eine Schule hat, die dann auch Kindern aus der Wische zur Verfügung stehen wird", so das Stadtoberhaupt.

Hufschmidt erinnerte daran, dass sich als Konsequenz aus der Schulschließung einige Werbener in der Stadt ab und in Seehausen angemeldet haben. "Das drückt sich natürlich in der Statistik aus. Aber Statistik ist Statistik und die Wirklichkeit komplexer. Ich bin mir sicher: Im Herzen bleiben sie Werbener", schloss der Bürgermeister den Bogen. Hufschmidt informierte schließlich darüber, dass der Verbandsgemeinderat vorige Woche beschlossen hat, den Werbener Hort mangels Kinderzahlen zu schließen.

"Das ehrenamtliche Engagement in Werben ist unbezahlbar"

"Ob ein Jahr erfolgreich war, wird bei Kommunen gerne daran festgemacht, welche größeren Vorhaben umgesetzt werden konnten", erklärte Hufschmidt. Wie er erläuterte, konnte die Stadt 2014 auf erhebliche Zuwendungen zurückgreifen. Damit wurde der ländliche Wegebau verbessert. Deichauffahrten und Grabenübergänge konnten mit Mitteln aus dem Fonds zur Beseitigung der Hochwasserschäden erneuert werden. Mit Mitteln des städtebaulichen Denkmalschutzes begann die Restaurierung der historisch bedeutsamen ehemaligen Johanniter-Komturei. In enger Kooperation mit dem Johanniter-Orden entsteht in dem Haus aus der Gründerzeit der Johanniter eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ordens in Werben.

Außerdem konnte mit der Sanierung des Kommandeurshauses begonnen werden. Ab Juni solle das Haus für Tagungen sowie Bildungs- und Kulturveranstaltungen offen stehen. Weiterhin seien Häuser im Sanierungsgebiet mit kleinteiligen Maßnahmen gefördert werden. "Diese Maßnahmen helfen, denkmal- und fachgerecht zu restaurieren und das Flächendenkmal Altstadt zu verschönern und wiederherzustellen", erklärte Hufschmidt. Aus eigenen Haushaltsmitteln konnte die Stadt zudem das Sanitär- und Sozialgebäude des Campingplatzes in Angriff nehmen.

Hufschmidt sprach auch die Auseinandersetzung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Altmärkische Wische an. Er kritisierte, wie die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung und Anhörung der Bürger vom Landkreis umgesetzt wurde. Vielen Bürgern sei der Entwurf für die Unterschutzstellung nicht bekannt gewesen. Bürger haben daraufhin im Rathaus in Werben eine Info-Veranstaltung unter Beteiligung des Umweltsamtes durchgeführt. Da sich die vorläufige Unterschutzstellung bewährt habe und die Nähe von Windkraftanlagen nicht zum Natur- und Kulturtourismus, von dem die Stadt profitiere, passe, habe sich der Stadtrat für dieses LSG ausgesprochen. Aus dieser Auseinandersetzung, so Hufschmidt, gründete sich eine Bürgerinitiative, die überwiegend in Werben zusammenkommt.

Stolz ist das Stadtoberhaupt über die zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt, die ohne nennenswerte Mittel im Haushalt gelingen, "weil wir uns auf ein besonders hohes bürgerschaftliches Engagement stützen können". Dazu tragen auch die 15 Vereine bei. In diesem Jahr können sich die Einwohner erstmals auf das Hainfest am Ostersonnabend freuen. Die alte Werbener Sage wird mit einem Kinderfest belebt. Zudem werden ein Frühlingssingen organisiert, die 1010-Jahrfeier der Stadt, das Landesfeuerwehrmusikfest, Hafenfest, Biedermeiersommer und Biedermeier-Christmarkt.

"Das ehrenamtliche Engagement in Werben ist vorbildlich und unbezahlbar. Dafür danke ich allen, die in den Vereinen mitwirken oder als Einzelne ihren eigenen Beitrag leisten", zieht Hufschmidt den Hut vor den Freiwilligen. Stellvertretend für diese engagierten Bürger ehrte er zwölf Werbener.

Mit Blick auf das begonnene Jahr erläuterte Hufschmidt, dass es im ländlichen Wegebau weiter voran gehen soll. Außerdem können Straße und Platz am alten Bahnhof saniert werden. Die Stadt erhielt einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 265000 Euro aus dem Fond zur Beseitigung von Hochwasserschäden. Realisiert werden kann endlich auch die Sanierung des undichten Rathausdaches. Mit dem städtebaulichen Denkmalschutz und Arbeiten auf dem Gelände der Komturei geht es weiter. In Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturbetrieb soll in Wohnungen investiert werden. Vor wenigen Tage beantragte die Stadt Mittel aus dem Leaderprogramm für die energetische Ertüchtigung der Sporthalle, die Schaffung einer Solaranlage für die Wassererwärmung im Schwimmbad, die Schaffung eines Mehrgenerationenhauses sowie die Erweiterung des Heimatmuseums.