1930 posierten Einwohner aus Osterburg und Umgebung als Mitglieder eines frisch aus der Taufe gehobenen Schützenvereins für ein Gruppenbild. 85 Jahre später findet ein Abzug dieses Zeitzeugnisses seinen Weg in das Osterburger Kreismuseum.

Osterburg l Wolfgang Bolte aus Pollitz übergab dem Kreismuseum eine Fotografie, die ein kaum noch bekanntes Kapitel der Osterburger Stadtgeschichte ablichtet. Denn das aus dem Jahr 1930 stammende Bild zeigt die versammelten Herren des "Schützenvereins Osterburg". Ein Abzug dieses Motivs überdauerte im Nordwesten der Verbandsgemeinde Seehausen die Zeit. Bis es vor kurzem in die Hände von Wolfgang Bolte fiel. Der Landwirt und frühere Pollitzer Bürgermeister hatte das Bild von einem früheren Lehrling erhalten. "Er wusste, dass ich selbst aktiver Schütze in der Seehäuser Gilde bin und wollte mir mit dem Bild eine Freude machen", erzählte Wolfgang Bolte.

Wurde die Gründung abgelichtet?

Der Pollitzer war sich schnell im Klaren darüber, dass das Foto besonders für Osterburger interessant sein dürfte. "Deshalb habe ich mich mit meinem Bekannten Klaus-Peter Gose in Verbindung gesetzt", sagte er.

Osterburgs Ortsbürgermeister, selbst langjähriges Mitglied in der Gilde und amtierender Schützenkönig der Biesestadt, wandte sich daraufhin an Kreismuseumschef Frank Hoche, "schließlich betreiben wir Osterburger Schützen kein eigenes Traditionszimmer oder ähnliches. Aber im im Kreismuseum gibt es schon zahlreiche Zeugnisse aus der Geschichte der Osterburger Gilde."

Frank Hoche nahm das Foto gern entgegen. Es könnte möglicherweise im Rahmen der Vereinsgründung aufgenommen sein, vermutet der Historiker. "Denn gesichert ist, dass die Schützen diesen Verein im Jahr 1930 aus der Taufe hoben", begründete er. Im Gegensatz zur viel älteren Osterburger Gilde, die eher das etablierte Bürgertum ansprach und um sich sammelte, scheinen sich im Schützenverein Einwohner aus anderen sozialen Bevölkerungsschichten organisiert zu haben. "Wir reden da zum Beispiel von der Arbeiterschaft", nannte der Museumschef ein Beispiel. Bekannt ist außerdem, dass der Verein sein Domizil auf dem Fuchsbau hatte. "Denn nachdem die Gilde ihr neues Heim an der Seehäuser Chaussee (ehem. KfL-Gelände) bezogen hatte, übernahm der Verein den Schießstand auf dem Fuchsbau", erzählte Hoche. Weiteres sei über den Verein aber nicht mehr bekannt, seine Spur verliert sich. "Wir wissen auch nicht, ob er bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aufgelöst oder gleichgeschaltet wurde. Oder ob der Verein vielleicht sogar bis 1945 bestanden hat", erklärte der Museumschef. Und er fügte hinzu: "Vielleicht kann ja der eine oder andere Osterburger etwas über den Verein beisteuern. Ich würde mich über jede Information freuen."

Wolfgang Bolte und Klaus-Peter Gose unterstützten dieses Anliegen. Mehr noch: Historische Dokumente, Fotos oder Pokale von Gilden und Schützenvereinen fänden sich bestimmt noch in einigen Häusern. Wer damit nichts anfangen könne, sollte sich mit dem Museum in Verbindung setzen, "damit diese Zeitzeugen für die Nachwelt bewahrt werden können", baten die beiden Mitglieder der Gilden Osterburg und Seehausen.

Das Kreismuseum ist tel. unter 03937/83730 zu erreichen