Die Flessauer Einwohner wehren sich weiterhin gegen die Entscheidung, nicht an das zentrale Abwassernetz angeschlossen zu werden. Die Bürgerinitiative lud in die Gaststätte Bauermeister.

Flessau l Das Ergebnis bei der Einwohnerversammlung am Mittwochabend war für die Flessauer Einwohner ernüchternd. "Wir können nicht nach Gutdünken das wieder rückgängig machen", sagte Petra Tesching, Leiterin Abwasser beim Wasserverband Stendal-Osterburg (WVSO), zu den Anwesenden zum Beschlus zur Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes. Schonmehrmals fanden zwischen den Betroffenen aus Flessau und den Verantwortlichen des WVSO Gespräche und Diskussionen statt. Bisher ohne Erfolg für die 52 Grundstückseigentümer, die laut der beschlossenen Ausschluss-Satzung des Wassergesetzes von Sachsen-Anhalt ihr Schmutzwasser nicht zentral entsorgen dürfen. Sie sind gezwungen, eine Kleinkläranlage einzubauen oder die bereits vorhandene umzurüsten.

Bescheide eingegangen

"Wir werden weiter kämpfen", machte Ilona Muhl von der Bürgerinitiative im Beisein von Tesching und Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz deutlich. Die am Anfang des Jahres in den Briefkästen eingetrudelten Bescheide zur notwendig gewordenen Nachrüstung entgegneten die Betroffenen mit Widersprüchen, wie Muhl informierte. Sie selbst habe die Widerrufe von 34 Einwohnern abgegeben. Helga Schmundt, ebenfalls von der Bürgerinitiative, blickte noch einmal zurück und konstatierte: "Als wir im Juli 2014 informiert wurden, war schon alles in Sack und Tüten."

Das wies Nico Schulz, auch Vorsitzender der Verbandsversammlung des WVSO, zurück. Er habe im Herbst 2013 den Ortschaftsrat zum Abwasserbeseitigungskonzept informiert. Und daraufhin hätte es keine Beschwerden gegeben. Ortsbürgermeisterin Sylvia Böker relativierte diese Aussagen etwas. Der Rat sei sich schon damals sicher gewesen, "das es Ärger gibt". Und habe gehofft, dass sich der Stadtrat der Einheitsgemeinde in dieser Angelegenheit positionieren würde.

Die Flessauer Bürger, die in hoher Anzahl zur Versammlung kamen, fordern angesichts der in der Vergangenheit eingezahlten Beiträge vom regionalen Entsorger Investitionen in ihren Ort. In den vergangenen 22 Jahren seien rund 3,5 Millionen Euro nur aus Flessau an den Verband geflossen, machte Schmundt eine Rechnung auf. "Wir wollen zu unserem Recht kommen."

Klagen erwartet

Nach Auskunft der Unteren Wasserbehörde sei das Flessauer Klärbecken als Entsorgungsanlage für etwa 450 Bürger ausgelegt, so Schmundt. Die Kapazität müsste ihrer Meinung nach ausreichen. Zwar sei die Anlage für 400 Bürger und 50 Einwohner-Gleichwerte, also größere Einrichtungen wie Schulen oder Kitas, genehmigt worden, erklärte Tesching auf Nachfrage. Trotzdem würde sie nicht ausreichen, weil sie als unbelüfteter Klärteich weniger an Schmutz-Fracht entsorgen könne als konventionelle Anlagen. Aber das sei ohnehin nicht der Hauptgrund, warum die 52 Grundstückseigentümer nicht ans zentrale Netz können. Die Entscheidung über die Fortschreibung des entsprechenden Konzeptes sei rechtlich abgesichert. Das heißt: Verbandsversammlung, Kommunalaufsicht und andere Entscheidungsträger müssten für eine Aufhebung des Beschlusses grünes Licht geben. Und davon könne nicht ausgegangen werden, da man "zurecht Klagen einiger Bürger erwarten würde", so Tesching.

Die Bürgerinitiative und Einwohner waren sich bei der von Wolfgang Tramp moderierten Versammlung dennoch einig, weitere rechtliche Schritte zu prüfen.