Marcus Faber (31) steht weiterhin an der Spitze des FDP-Kreisverbandes. In geheimer Abstimmung setzte sich der Stendaler am Sonnabend deutlich gegen seinen Herausforderer Arno Bausemer durch. Letzterer hatte Faber zuvor scharf kritisiert und ihm Schönfärberei vorgeworfen.

Seehausen l Bausemer jun. (32), Vorsitzender des Ortsverbandes Elbe-Havel-Land, ging während des FDP-Kreisparteitages in der Gaststätte des Seehäuser Waldbades hart mit Faber ins Gericht. Er tat es als Schönfärberei ab, dass der Vorsitzende die Mitglieder-Entwicklung (von 46 im Jahr 2013 auf aktuell 48) besonders herausstellte und mit Verweis auf die jüngste Brief-Nachwahl in Stendal auch ein leichtes Plus an Wählergunst resümierte. "Wir hatten 2014 sehr schlechte Ergebnisse", erinnerte Bausemer als Chef des nach eigenen Angaben erfolgreichsten FDP-Ortsverbandes im Landkreis beispielsweise an das ernüchternde Abschneiden bei der Kreistagswahl. Dort hatten die Liberalen zwei Sitze und ihren eigenständigen Fraktionsstatus eingebüßt.

Bausemer nahm den Kreisverbandschef Marcus Faber für die Wahlergebnisse in die Pflicht. Und forderte Konsequenzen: "Wir brauchen einen Wechsel an der Spitze unseres Kreisverbandes!" Er plädierte dabei für einen Vorsitzenden, der sich vor allem auch strikt von allen linken Gruppierungen abgrenzt.

Nachdem sein Vorschlag, Schatzmeister Matthias Siegmanski zum Kreisschef zu küren, schon an der fehlenden Bereitschaft des Kandidaten scheiterte, warf Bausemer seinen eigenen Hut in den Ring. Mit 15 zu 5 Stimmen fiel die Entscheidung über den Vorsitzenden klar für Faber aus. Mit ebenso deutlichen Ergebnissen besetzten die Liberalen die weiteren Ämter des Vorstands, für die jeweils ein Bewerber kandidiert hatte. Hitziger ging es bei der Wahl der vier Beisitzer zur Sache, weil zunächst nur drei der sieben Kandidaten eine Mehrheit der anwesenden 20 Stimmen auf sich vereinen konnten. Bausemer und weitere Liberale wollten es bei dem Trio belassen. Die Mehrheit setzte aber eine zweite Abstimmung durch. Für die kandidierten nur noch zwei der zuvor durchgefallenen vier Bewerber, mit der Wahl von Mathias Fritze war das Beisitzer-Quartett danach aber komplett.

Streitlustig zeigten sich die Liberalen auch bei Sachthemen. So gab es unterschiedliche Ansichten zu bundesweiten Themen wie dem Mindestlohn oder regionalen Schlagzeilen wie die vorerst verhinderte Osterburger Gemeinschaftsschule. Während die Kreistagsmitglieder Arnold Bausemer sen. und Michael Kühn die von Ralf Berlin geleitete Versammlung nutzten, um ihr Nein zur Umwandlung der Schule zu begründen, zeigte sich Mathias Fritze über dieses Abstimmungsverhalten enttäuscht. "Die FDP hält den Wettbewerb eigentlich hoch. Warum helfen wir dann mit, der Osterburger Schule genau diesen Wettbewerb mit anderen Bildungsstätten zu verwehren? Das ist für mich nicht nachvollziehbar", stellte er klar.

Einmütig kritisierten die Liberalen die CDU für die laufenden Korruptionsskandale in Kreis und Land sowie die Fälschungen bei Kreistags- und Stadtratswahlen. Positiv beurteilten sie die Anregung von Michael Kühn und Mathias Fritze, die Willkommenskultur im Landkreis ein Stück weit anzuheben. Mit Begrüßungspaketen für "Neubürger". Unter diesem Begriff ordnet der Kreisverband Zugezogene, Neugeborene und Flüchtlinge ein. Die "Pakete" sollten von den Kommunen geschnürt werden und unter anderem Info-Material und Freikarten für öffentliche Einrichtungen oder Freizeitstätten enthalten, nannte Kühn Beispiele, die er selbst im Altbundesgebiet kennengelernt habe. Der FDP-Kreisverband sprach sich einstimmig dafür aus, sich für diese Idee einzusetzen.